Bresser Arcturus 60/700 Test & Erfahrungen
Das Bresser Arcturus 60/700 ist ein klassischer Einsteiger-Refraktor mit 60mm Öffnung, 700mm Brennweite und azimutaler Montierung, der sich an Kinder, Eltern und Erwachsene ohne jede Vorkenntnisse richtet. Für gut 112 Euro bekommst du ein vollständiges Set inklusive drei Okularen, Sucherfernrohr, Zenitspiegel, Umkehrlinse und sogar einem Hartschalenkoffer - alles im Karton enthalten, was du für den ersten Abend brauchst.
Das Arcturus kostet aktuell 112 Euro bei astroshop.de und gehört damit zu den günstigsten Teleskopen, die ich ernsthaft empfehlen kann. Entscheidend ist dabei nicht nur der Preis, sondern das Konzept: einfache Montierung, keine Elektronik, kein Alignment, kein Einnorden. Du peilst ein Objekt an und beobachtest. Für den ersten Kontakt mit Mond und Planeten braucht es nicht mehr.
In diesem Test zeige ich dir, was das Arcturus am Himmel wirklich zeigt, wo die Grenzen einer 60mm-Optik liegen und für wen dieses Teleskop eine gute Wahl ist. Das 4mm-Okular im Lieferumfang ist ein Nachteil, den ich dir nicht verschweige.
Auf einen Blick
- Mond und Planeten funktionieren gut: Saturnring und Jupiterbänder erkennbar
- Das 4mm SR-Okular ist in der Praxis kaum nutzbar - zu hohe Vergrößerung für 60mm
- Bestes Einsteiger-Komplettpaket unter 120 Euro mit Hartschalenkoffer
Arcturus 60/700 im Überblick
Im Einsteigersegment unter 150 Euro setzt das Arcturus auf das klassische Refraktor-Konzept: langer Tubus, einfache azimutale Montierung, kein Schnickschnack. Mit f/11,7 ist es ein klar auf Planeten optimiertes System, das für Mond und Planeten ausgelegt ist und sich bei Deep-Sky-Objekten erwartungsgemäß schwer tut.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Name | Bresser Arcturus 60/700 |
| Hersteller | Bresser |
| Preis | 112 Euro bei astroshop.de |
| Verfügbar auf | astroshop.de (kurzfristig lieferbar) |
| Bauart | Achromatischer Refraktor (Fraunhofer) |
| Öffnung | 60 mm |
| Brennweite | 700 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/11,7 |
| Auflösungsvermögen | 2,2 Bogensekunden |
| Lichtsammelvermögen | 70x vs. bloßes Auge |
| Max. sinnvolle Vergrößerung | 120x |
| Montierung | Azimutale Montierung |
| GoTo / Tracking | Nein |
| Okularanschluss | 1,25 Zoll (31,7 mm) |
| Mitgelieferte Okulare | 4mm SR, 12,5mm H, 20mm H |
| Zenitspiegel | 1,25", 90° |
| Sucher | 5x24 Sucherfernrohr |
| Gewicht (gesamt) | ca. 3 kg |
| Lieferumfang | Teleskop, Stativ, Montierung, 3 Okulare, Zenitspiegel, Umkehrlinse, Sucher, Hartschalenkoffer, Sternkarte |
| Garantie | 5 Jahre (Bresser) |
Das Arcturus bedient eine klare Nische: Erstteleskop für Kinder oder Erwachsene, die ohne Risiko einsteigen wollen. Mit 112 Euro ist das finanzielle Risiko gering, und die Lernkurve bis zur ersten Beobachtung ist flach.
Lieferumfang
Im Karton steckt mehr, als man für den Preis erwarten würde. Der Tubus, die azimutale Montierung, das Aluminium-Dreibeinstativ mit Höhenverstellung, drei Okulare (4mm SR, 12,5mm H, 20mm H), ein 90-Grad-Zenitspiegel, eine 1,5-fache Umkehrlinse und das 5x24-Sucherfernrohr liegen bei. Dazu kommen Staubschutzdeckel, eine Zubehörablageplatte fürs Stativ, ein Kompass, eine Sternkarte und das 80-seitige Einsteiger-Handbuch "Teleskop-ABC" von astroshop.de.
Das Highlight ist der Hartschalenkoffer: Alles passt hinein, und das Teleskop reist sicher auf dem Rücksitz, im Kofferraum oder im Urlaub. Für diese Preisklasse ist das ungewöhnlich und ein starkes Verkaufsargument.
Beim Zubehör gibt es eine Einschränkung, die ich dir nicht verschweigen will. Das 4mm SR-Okular liefert 175x Vergrößerung - rechnerisch weit über die empfohlenen 120x hinaus. In der Praxis zeigt es bei dieser Brennweite ein so dunkles, weiches Bild, dass es kaum nutzbar ist. Das 12,5mm-Okular für 56x ist das Arbeitstier für Planeten und Mond, das 20mm-Okular für 35x liefert schöne Übersichtsbilder. Die Bedienungsanleitung ist auf Deutsch und für Einsteiger verständlich geschrieben.
Verarbeitung und erster Eindruck
Beim Aufbau fällt als erstes die Leichtigkeit auf: Der gesamte Aufbau dauert keine zehn Minuten, und Werkzeug braucht man dafür nicht. Stativ auseinanderklappen, Montierung aufsetzen, Tubus befestigen, Sucher montieren - fertig. Das Aluminium-Stativ ist einfach konstruiert, die Klemmschrauben fühlen sich solide an. Beim Vergleich mit billigeren Kaufhaus-Teleskopen merkt man, dass Bresser die Fertigungstoleranzen im Griff hat.
Der schwarze Tubus ist lackiert und macht einen ordentlichen Eindruck. Die Kunststoffteile an der Montierung und am Okularauszug sind funktional, aber nicht wertig. Für ein Teleskop dieser Preisklasse ist das normal und kein Kritikpunkt. Was mich bei meiner ersten Begegnung mit dem Arcturus gefreut hat: Der Fokussierknopf läuft gleichmäßig und bleibt nach dem Scharfstellen fixiert, kein Rückdrehen, kein Driften. Das klingt selbstverständlich, ist es in diesem Preissegment aber nicht.
Die Mehrschichtvergütung der Linse ist erkennbar; direkte Reflexionen beim Gegenlichtest zeigen die typischen Violett-Grün-Töne einer beschichteten Optik. Das macht sich später am Himmel bemerkbar - das Bild bleibt kontrastreich und nicht grau-schleierig, wie es bei unbeschichteten Einsteigeroptiken vorkommt. Insgesamt macht das Arcturus für 112 Euro einen deutlich solideren Eindruck als sein Preis vermuten lässt.
Montierung und Stabilität
Die azimutale Montierung des Arcturus ist das, was Einsteiger brauchen: zwei Achsen, zwei Klemmschrauben, ein Gegengewicht, fertig. Kein Einnorden, kein Alignment, keine Elektronik. Du zeigst einfach auf ein Objekt und beobachtest. Für erste Nächte am Mond ist das die richtige Wahl.
Die Klemmschrauben lassen sich auf Reibung einstellen, was das Nachführen per Hand erleichtert. Objekte wandern durch die Erdrotation langsam aus dem Bild - bei 35x alle zwei bis drei Minuten, bei 56x schneller. Das manuelle Nachführen mit dem Feinbewegungsknopf sitzt nach einer Nacht in Fleisch und Blut. Für visuelle Beobachtung ist das kein Problem, für Fotografie fehlt die motorische Nachführung komplett.
Die Stabilität beim täglichen Einsatz habe ich als ausreichend empfunden. Vibrationen nach dem Berühren des Tubus klingen in etwa zwei bis drei Sekunden ab - beim Fokussieren muss man kurz warten. Bei Wind merkt man die Grenzen des leichten Aluminiumstativs; bei Stärke 3 zittert das Bild bei 56x merklich. Für einen Balkon oder einen windgeschützten Garten reicht die Stabilität, für offene Felder bei windiger Nacht wird es bei hohen Vergrößerungen unruhig.
Optische Leistung: Was siehst du wirklich?
Mit 60mm Öffnung und f/11,7 ist das Arcturus klar positioniert: Mond und die hellen Planeten funktionieren gut, Deep-Sky-Objekte bleiben größtenteils unerreichbar. Das ist keine Schwäche, sondern eine konstruktive Entscheidung - langer Brennweitenrefraktor für Planeten, kein Universalgerät.
Mond und Planeten
Beim Mond läuft das Arcturus zu seiner Hochform auf. Mit dem 20mm-Okular (35x) passt der fast volle Mond gerade noch ins Bild, und schon auf dieser Vergrößerung sieht man die großen Krater wie Tycho oder Copernicus deutlich. Beim Wechsel auf das 12,5mm-Okular (56x) erschließt sich die Kraterlandschaft weiter: Gebirgszüge am Rand der Maria, die Zentralberge großer Krater, schmale Rillensysteme. Der Mond ist bei diesem Teleskop das beeindruckendste Objekt ohne Einschränkung.
Jupiter zeigt sich bei 56x als klare Scheibe mit erkennbaren Wolkenbändern - bei ruhiger Luft sind die zwei Äquatorbänder zumindest andeutungsweise zu erahnen. Die vier galileischen Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto leuchten als scharfe Pünktchen um die Scheibe. Ein Detailbild wie in Astronomie-Büchern ist das nicht - aber der erste Blick auf die Scheibe des Jupiters mit eigenen Augen ist trotzdem ein Erlebnis.
Saturn ist der emotionale Höhepunkt. Schon bei 35x hebt sich der Ring als eigenständige Struktur von der Scheibe ab, bei 56x ist das Bild wirklich schön: der abgesetzte Ring mit dem dunklen Spalt zwischen Ring und Planet. Wenn man zum ersten Mal Saturn durchs Okular sieht, fragt man unweigerlich, ob das stimmt. Auf diese Reaktion kannst du bei Kindern verlässlich zählen. Die Cassini-Teilung im Ring ist mit 60mm Öffnung nicht erkennbar - dafür braucht man mindestens 80 bis 100mm.
Deep-Sky-Objekte
Hier wird's nüchtern. Mit 60mm Öffnung und f/11,7 bleibt das Gesichtsfeld klein, und das Lichtsammelvermögen reicht für helle Deep-Sky-Objekte gerade so. Den Orionnebel M42 erkennst du als grauen, nebligen Fleck mit dem Trapez-Sternhaufen darin - das Ergebnis ist erkennbar, aber wenig aufregend. Kugelsternhaufen wie M13 zeigen sich als diffuse Aufhellung, kein Auflösen in Einzelsterne bei dieser Öffnung.
Offene Sternhaufen wie die Plejaden oder der Praesepe-Haufen machen im Übersichtsmodus mit dem 20mm-Okular Freude - da passen viele Sterne ins Bild. Galaxien bleiben bei 60mm und städtischem Himmel so gut wie unsichtbar. Selbst Andromeda M31 zeigt sich allenfalls als blasser Schimmer. Für tiefes Deep-Sky brauchst du Refraktor-Beratung, mindestens 100 bis 130mm.
Optische Schwächen
Das Arcturus ist ein achromatischer Refraktor - und das merkt man. Bei hohen Vergrößerungen ab 56x tritt Farbsaum an hellen Objekten auf: Helle Sterne zeigen einen violetten Hof, der Mondrand leuchtet farbig. Bei 35x mit dem 20mm-Okular ist das kaum auffällig, beim 12,5mm-Okular deutlicher. Das ist kein Produktionsfehler, sondern eine bauartbedingte Eigenschaft aller einfachen Achromaten ohne APO-Korrektion - warum das physikalisch unvermeidbar ist und was man dagegen tun kann, erklärt mein Ratgeber zur chromatischen Aberration.
Das 4mm SR-Okular mit 175x überfordert die Optik. Das Bild wird dunkel, weich und kaum mehr nutzbar. Ich nutze es im Test nicht weiter - das ist meiner Einschätzung nach ein Fehler im Zubehörpaket, der leider bei günstigen Einsteigerpaketen häufig vorkommt. Die sinnvolle Grenze liegt bei etwa 100x maximaler Vergrößerung, was das 7mm-Okular als gute Ergänzung nahelegt.
| Okular | Vergrößerung | Gesichtsfeld | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| 20mm H (mitgeliefert) | 35x | 1,5° | Mond Übersicht, Sternhaufen |
| 12,5mm H (mitgeliefert) | 56x | 0,9° | Mond Details, Jupiter, Saturn |
| 7mm (empfohlen) | 100x | 0,6° | Planeten bei gutem Seeing |
| 4mm SR (mitgeliefert) | 175x | 0,3° | Praxis kaum nutzbar - zu hoch |
Benutzerfreundlichkeit
Vom Auspacken bis zum ersten Blick auf den Mond vergehen keine 15 Minuten. Das Stativ aufklappen, die Montierung aufstecken, den Tubus einhängen und den Sucher grob ausrichten - fertig. Die azimutale Montierung erfordert kein Wissen über Himmelskoordinaten, kein Einnorden, keine Kalibrierung. Das Arcturus ist das Gegenteil eines technisch überfordernden Einstiegsgeräts.
Den Sucher auf die Optik abzustimmen klingt komplizierter als es ist: Man zielt auf ein weit entferntes Objekt am Tag, stellt das Fadenkreuz mittig, dann dreht man an den Stellschrauben des Suchers, bis er zum gleichen Punkt zeigt wie das Okular. Das ist in fünf Minuten erledigt und im Handbuch gut beschrieben. Die Anleitung ist für Einsteiger verständlich, erklärt Grundbegriffe und gibt einen kurzen Einstieg in die Himmelskunde.
Kollimation des Tubus ist bei einem Refraktor normalerweise kein Thema - die Linse sitzt fest und justiert sich nicht heraus. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber Newtons und Dobsons, die regelmäßig nachjustiert werden müssen. Beim Arcturus montierst du auf, beobachtest und packst wieder ein.
Transport und Portabilität
Der Hartschalenkoffer ist hier der entscheidende Unterschied zu vergleichbaren Teleskopen dieser Preisklasse. Alles passt hinein: Tubus, Stativkopf, Okulare, Zubehör. Im Kofferraum nimmt das Stativ etwas Platz weg, aber in einen normalen PKW passt alles problemlos. Auf den Rücksitz passt der Koffer ebenfalls.
Das Gesamtgewicht liegt bei etwa 3 kg mit Koffer, was das Arcturus zum leichtesten Teleskop für vollwertige Himmelsbeobachtung macht, das ich kenne. Ein Kind trägt es alleine zur Wiese. Für Campingurlaub, Familienausflüge oder spontane Nächte im Garten ist diese Portabilität unschlagbar in der Preisklasse.
Zubehör und Upgrade-Potenzial
Der 1,25-Zoll-Okularanschluss ist Industriestandard, und das gesamte Zubehörsortiment von astroshop.de ist kompatibel. Das ist gut, weil das mitgelieferte Okularsortiment Lücken hat. Das 4mm-Okular ist kaum nutzbar, ein 7mm-Okular für 100x fehlt komplett. Als ersten Kauf empfehle ich einen Mondfilter - der Vollmond durch 60mm Öffnung bei 56x blendet stark.
| Zubehör | Warum sinnvoll | Preis (ca.) |
|---|---|---|
| Mondfilter ND 0.9 (1,25") | Vollmond bei 56x ist ohne Filter zu hell | 15 Euro |
| 7mm Okular (1,25") | 100x für Planetendetails, sinnvollste Ergänzung | 25 Euro |
| Barlow 2x (1,25") | Verdoppelt jede Vergrößerung ohne neues Okular | 20 Euro |
| Roter LED-Sucher | Kinder-freundlichere Alternative zum optischen Sucher | 20 Euro |
Das Upgrade-Potenzial des Arcturus ist begrenzt - und das ist auch gut so. Ein 60mm Refraktor ist kein System, in das man Hunderte Euro an Zubehör investiert. Das nächste sinnvolle Upgrade ist ein größeres Teleskop. Das Arcturus ist ein Einstiegsgerät, das seinen Zweck erfüllt: zeigen, ob Astronomie ein dauerhaftes Hobby wird. Wer nach einem Jahr mehr will, steigt auf 100mm bis 130mm Öffnung auf und trägt dabei wertvolle Beobachtungserfahrung mit.
Für wen ist das Arcturus 60/700?
Das Arcturus ist das richtige Teleskop für alle, die ohne Vorwissen einsteigen wollen und den Aufwand für Aufbau, Bedienung und Lernkurve so gering wie möglich halten möchten. Das trifft auf Eltern zu, die ihren Kindern ein erstes Teleskop kaufen, genauso wie auf Erwachsene, die sich seit Jahren fragen, ob Astronomie etwas für sie wäre. Die Einstiegshürde ist minimal, der Erkenntnisgewinn in der ersten Nacht hoch.
Wer in der Beratung fragt, was unter 150 Euro empfehlenswert ist, bekommt von mir meistens das Arcturus als Antwort - nicht weil es das beste Teleskop ist, sondern weil es für den Einstieg das Richtigste ist. Es zeigt Mond, Saturn und Jupiter so klar, dass das Wow-Erlebnis garantiert ist, und überfordert nicht durch Komplexität.
Kauf es, wenn du oder ein Kind einfach, risikoarm und ohne technisches Vorwissen mit der Astronomie anfangen wollen. Kauf es nicht, wenn du weißt, dass Deep-Sky-Objekte dein Hauptinteresse sind oder du länger als ein bis zwei Jahre damit beobachten willst.
Alternativen im Vergleich
In der Preisklasse unter 150 Euro gibt es Alternativen, die sich an ähnliche Zielgruppen richten, aber unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
| Modell | Öffnung | Bauart | Preis | Stärke |
|---|---|---|---|---|
| Bresser Arcturus 60/700 | 60 mm | Achromatischer Refraktor | 112 Euro | Koffer inklusive, sehr einfach |
| Omegon AC 70/700 AZ-2 | 70 mm | Achromatischer Refraktor | 129 Euro | 17 Euro mehr, 10mm mehr Öffnung |
| Skywatcher Heritage 130P | 130 mm | Newton-Reflektor (Dobson) | 265 Euro | Doppelte Öffnung, deutlich mehr Deep Sky |
| Vaonis Hestia | 30 mm | Linsen-Teleskop (Smart) | 249 Euro | Automatisch, Smartphone-gesteuert |
Der Omegon AC 70/700 kostet 17 Euro mehr und hat 10mm mehr Öffnung. Das sind 36 Prozent mehr Lichtsammelfläche, was in der Praxis sichtbar ist. Für Beobachter, die schon beim Kauf wissen, dass sie ernsthaft weitermachen wollen, ist das sinnvollere Wahl. Das Arcturus punktet mit dem Hartschalenkoffer und dem Einsteiger-Handbuch.
Das Skywatcher Heritage 130P spielt in einer anderen Liga. Mit 130mm Öffnung zeigt es Deep-Sky-Objekte deutlich besser, kostet aber mehr als doppelt so viel und ist deutlich voluminöser. Wer Dobsons nicht scheut, bekommt hier optisch deutlich mehr für das Geld.
Preis-Leistungs-Bewertung
Für 112 Euro bekommst du ein vollständiges Einsteiger-Setup mit drei Okularen, Zenitspiegel, Umkehrlinse, Hartschalenkoffer und dem Einsteiger-Handbuch. Das ist für den Preis ein sehr gutes Gesamtpaket. Die Optik liefert das, was ein 60mm Refraktor leisten kann: sehr gute Mondbilder, erkennbare Planetendetails, erste Eindrücke von Deep-Sky-Objekten bei dunklem Himmel.
Was den Score nach oben treibt, ist nicht die Optik allein, sondern das Gesamtpaket: Koffer, Handbuch, 5 Jahre Garantie, einfache Montierung. Was fehlt, ist ein sinnvoll abgestuftes Okularsortiment - das 4mm SR-Okular wäre besser durch ein 7mm ersetzt. Günstiger als das Arcturus gibt es kaum etwas Empfehlenswertes. Für mehr Geld bekommt man mit dem Omegon AC 70/700 mehr Öffnung für nur 17 Euro Aufpreis.
Stärken und Schwächen
Das Arcturus ist ein ehrliches Einsteigerwerkzeug - stark dort, wo es sein soll, und klar begrenzt an erwartbaren Stellen.
Das Arcturus glänzt bei Einfachheit und vollständigem Lieferumfang. Stärken:
- Sehr einfache Bedienung: keine Elektronik, kein Einnorden, sofort beobachten
- Hartschalenkoffer inklusive - sicherer Transport und Lagerung
- Mond und Saturn zeigen klare, beeindruckende Bilder
- 5 Jahre Garantie und Einsteiger-Handbuch als Beilage
- Auch als Naturbeobachtungs-Fernrohr nutzbar mit Umkehrlinse
Die Grenzen sind konstruktiv bedingt und klar. Schwächen:
- 4mm SR-Okular ist in der Praxis kaum nutzbar, überfordert die Optik
- Farbsaum bei höheren Vergrößerungen (bauartbedingt, kein Fehler)
- Deep-Sky-Objekte bleiben weitgehend außer Reichweite
- Kein motorisches Tracking: Objekte wandern aus dem Bild
Mein Fazit zum Bresser Arcturus 60/700
Das Arcturus 60/700 macht genau das, wofür es gebaut wurde: Es zeigt Einsteigern den Mond, die Ringe des Saturns und die Scheibe des Jupiters - ohne Lernaufwand, ohne Frustration und für einen Preis, bei dem der Fehlkauf-Risiko minimal ist. Nach mehreren Nächten damit komme ich zum Urteil, dass es für seine Klasse das beste Komplettpaket unter 120 Euro ist.
Wer nach einem Jahr mehr will, wird aus dem Arcturus herauswachsen - aber das ist kein Makel, sondern das Zeichen, dass das Einstiegsteleskop seinen Job erledigt hat. Wer dauerhaft dabei bleiben will, steigt auf 100mm oder mehr auf. Das Arcturus ist der richtige erste Schritt auf diesem Weg.
Häufige Fragen zum Bresser Arcturus 60/700
Die Fragen, die ich am häufigsten zum Arcturus bekomme, drehen sich um Beobachtungsziele, Eignung für Kinder und den Saturnring. Hier die wichtigsten Antworten im Überblick.
Lohnt sich das Bresser Arcturus 60/700 für Einsteiger?
Ja, besonders für Kinder und Erwachsene, die ohne Vorkenntnisse loslegen wollen. Die azimutale Montierung braucht kein Einnorden und kein Alignment, du stellst auf ein Objekt und beobachtest. Für erste Mond- und Planetenbeobachtungen reicht die 60mm Öffnung aus. Langfristig wächst du aus dem Arcturus heraus - wer nach einem Jahr mehr will, braucht mindestens 100mm Öffnung. Was du konkret damit siehst und ob es zu dir passt, erkläre ich im Abschnitt "Für wen ist das Arcturus 60/700?" und unter Optische Leistung.
Was kann ich mit dem Bresser Arcturus 60/700 beobachten?
Den Mond am besten: Krater, Gebirgszüge und die großen Ebenen zeigen sich bei 35x bis 56x sehr eindrucksvoll. Jupiter erscheint als klare Scheibe, und bei ruhiger Luft erkennst du andeutungsweise die Wolkenbänder sowie die vier galileischen Monde. Saturn zeigt seinen Ring als deutlich abgesetzte Struktur. Für Deep-Sky-Objekte wie Kugelsternhaufen oder helle Nebel reicht die Öffnung nur bei dunklem Himmel. Alle Details findest du in meinem Abschnitt zur optischen Leistung.
Welches Zubehör sollte ich zum Bresser Arcturus 60/700 dazukaufen?
Als erstes einen Mondfilter (ND 0.9), damit der Vollmond nicht blendet. Das mitgelieferte 4mm SR-Okular liefert bei diesem Teleskop kaum brauchbare Bilder, weil die Optik bei 175x überfordert ist. Ein 7mm-Okular für 100x Vergrößerung ist eine sinnvollere Ergänzung. Alle Empfehlungen mit Preisen stehen in meiner Zubehörtabelle. Budget einplanen: 30 bis 40 Euro für die wichtigsten Ergänzungen.
Wo kann ich das Bresser Arcturus 60/700 am günstigsten kaufen?
Das Bresser Arcturus 60/700 kostet aktuell 112 Euro bei astroshop.de und ist dort kurzfristig lieferbar. Astroshop legt das 80-seitige Einsteiger-Handbuch "Teleskop-ABC" bei und bietet Fachberatung nach dem Kauf. Die Preise schwanken kaum zwischen den Händlern bei diesem Modell. Mehr zur Einordnung findest du in meiner Preis-Leistungs-Bewertung.
Sieht man mit dem Bresser Arcturus 60/700 wirklich den Saturnring?
Ja, bei guten Bedingungen und einer Vergrößerung von 56x ist der Ring als deutlich eigenständige Struktur erkennbar. Du siehst Saturn klar als Scheibe mit einem abgesetzten, ovalen Ring darum. Das ist ein wirkliches Wow-Erlebnis, auch wenn es kein Vergleich zu größeren Teleskopen ist. Die Cassini-Teilung bleibt bei 60mm Öffnung unsichtbar - dafür braucht man mindestens 80 bis 100mm. Das 12,5mm-Okular liefert die beste Balance aus Schärfe und Vergrößerung.
Eignet sich das Bresser Arcturus 60/700 auch als Naturbeobachtungs-Fernrohr?
Mit der mitgelieferten Umkehrlinse liefert das Arcturus aufrechte Bilder und eignet sich für Vogelbeobachtung oder Landschaft. Die azimutale Montierung erlaubt das schnelle Nachführen bewegter Objekte. Für reine Naturbeobachtung gibt es spezialisierte Spotting Scopes, die komfortabler sind - als Kombigerät für Astronomie und Tagbeobachtung funktioniert das Arcturus gut.