Konjunktion in der Astronomie: Was passiert und wann die nächste stattfindet
Zwei helle Planeten stehen plötzlich eng beieinander am Himmel, fast so, als würden sie sich berühren. Was da passiert, nennen Astronomen eine Konjunktion, und es gehört zu den visuell beeindruckendsten Himmelsschauspielen, die du ohne jede Ausrüstung erleben kannst.
Ich verpasse keine enge Planetenkonjunktion, weil sich diese Momente hervorragend fotografieren lassen und auch für Laien faszinierend wirken. In diesem Ratgeber erkläre ich dir, was bei einer Konjunktion physikalisch passiert, welche Arten es gibt und wann die nächsten Termine sind.
Auf einen Blick
- Bei einer Konjunktion erreichen zwei Himmelskörper die gleiche ekliptikale Länge und stehen scheinbar eng beieinander.
- Konjunktionen sind rein perspektivische Effekte, die Objekte stehen in Wirklichkeit hunderte Millionen Kilometer auseinander.
- Die nächsten engen Planetenkonjunktionen sind bereits mit bloßem Auge spektakulär und brauchen kein Teleskop.
Was ist eine Konjunktion?
Eine Konjunktion tritt ein, wenn zwei Himmelskörper von der Erde aus gesehen die gleiche ekliptikale Länge erreichen. Sie stehen dann in der gleichen Himmelsrichtung und erscheinen eng beieinander. Wichtig zu verstehen: Es handelt sich um einen rein perspektivischen Effekt. Die beiden Objekte befinden sich in Wirklichkeit in völlig unterschiedlichen Entfernungen und kommen sich nicht physisch nahe.
Bei inneren Planeten (Merkur und Venus) unterscheidet man obere und untere Konjunktion. Die untere Konjunktion tritt ein, wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht. Die obere Konjunktion bedeutet, dass der Planet hinter der Sonne steht. In beiden Fällen ist der Planet nicht oder kaum beobachtbar, weil er zu nahe an der Sonne am Himmel steht.
Die Elongation beschreibt den Winkelabstand eines Planeten von der Sonne. Bei maximaler Elongation steht ein innerer Planet am weitesten von der Sonne entfernt und ist am besten beobachtbar. Zwischen zwei Elongations-Maxima durchläuft er sowohl die obere als auch die untere Konjunktion.
Arten von Konjunktionen
Nicht jede Konjunktion ist gleich spektakulär. Die Astronomie unterscheidet verschiedene Typen, die sich in Häufigkeit und visuellem Reiz stark unterscheiden.
| Art | Beteiligte Objekte | Häufigkeit | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Planet-Mond-Konjunktion | Planet + Mond | Mehrmals monatlich | Mond nahe Jupiter |
| Planetenkonjunktion | Zwei Planeten | Mehrmals jährlich | Venus nahe Mars |
| Große Konjunktion | Jupiter + Saturn | Alle 20 Jahre | Dezember 2020 |
| Enge Konjunktion (<1°) | Zwei Planeten | Alle paar Jahre | Venus-Jupiter 2023 |
| Bedeckung | Mond + Planet/Stern | Mehrmals jährlich | Mond bedeckt Saturn |
Die Große Konjunktion von Jupiter und Saturn ist historisch besonders bedeutsam. Sie findet nur alle 20 Jahre statt, und im Dezember 2020 standen beide Planeten nur 6 Bogenminuten auseinander. Das war die engste Begegnung seit 1623. Im Teleskop waren beide Planeten gleichzeitig im Okular sichtbar, ein einmaliger Anblick.
Nächste Konjunktionen (2026-2027)
Die folgenden Termine zeigen ausgewählte Konjunktionen der nächsten zwei Jahre. Ich empfehle dir, die Ereignisse vorher in Stellarium zu simulieren, um den besten Beobachtungszeitpunkt und die Horizontsituation einzuschätzen.
| Datum | Objekte | Winkelabstand | Sichtbarkeit |
|---|---|---|---|
| Februar 2026 | Venus und Saturn | ca. 1,1° | Abendhimmel West |
| März 2026 | Jupiter und Venus | ca. 1,0° | Abendhimmel West |
| August 2026 | Mars und Saturn | ca. 0,5° | Morgenhimmel Ost |
| November 2026 | Venus und Jupiter | ca. 0,7° | Morgenhimmel Ost |
| März 2027 | Venus und Saturn | ca. 0,8° | Abendhimmel West |
Die Angaben sind Näherungswerte. Die genauen Abstände und Zeitpunkte hängen von deinem Standort ab. Ich empfehle, etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang (bei Abendsichtbarkeit) oder 60 Minuten vor Sonnenaufgang (bei Morgensichtbarkeit) mit der Beobachtung zu beginnen.
Konjunktionen beobachten
Die meisten Konjunktionen sind Freiaugen-Ereignisse. Zwei helle Planeten eng beieinander am Dämmerungshimmel wirken bereits ohne Hilfsmittel eindrucksvoll und fotogen. Trotzdem gibt es ein paar Dinge zu beachten. Was du von den einzelnen Planeten zu den verschiedenen Jahreszeiten erwartest, erklärt der Ratgeber zur Planetenbeobachtung im Detail.
Freie Horizontsicht ist die wichtigste Voraussetzung. Konjunktionen mit inneren Planeten wie Venus finden immer in Sonnennähe statt, also tief am West- oder Osthorizont. Gebäude, Bäume und Hügel können den Blick versperren. Ich suche mir vorher über Stellarium den exakten Himmelsbereich und prüfe, ob mein Standort freie Sicht in diese Richtung bietet.
Ein Fernglas ist bei engen Konjunktionen wertvoller als ein Teleskop. Im Fernglas siehst du beide Objekte im selben Gesichtsfeld, dazu eventuell Jupitermonde oder Mondkrater. Ein Teleskop mit seiner hohen Vergrößerung und dem engen Feld trennt die Objekte optisch und zerstört den Reiz des engen Beieinanderstehens. Nur bei extrem engen Konjunktionen wie der Großen Konjunktion 2020 lohnt sich das Teleskop, weil beide Planeten gleichzeitig ins Okular passen.
Konjunktion fotografieren
Konjunktionen sind ideale Fotomotive, weil sie auch mit einfacher Ausrüstung eindrucksvolle Bilder ergeben. Eine Kamera auf einem stabilen Stativ, eine Brennweite zwischen 50 und 200 mm und manuelle Belichtungseinstellung reichen völlig aus. Den Einstieg in die Astrofotografie mit konkreten Einstellungsempfehlungen erkläre ich im Ratgeber zum Astrofotografie-Einstieg.
Ich fotografiere Konjunktionen bei der Dämmerung, wenn der Himmel noch Restlicht zeigt. Das ergibt einen schönen Farbverlauf von Blau zu Orange, vor dem die Planeten als helle Punkte stehen. Die Belichtungszeit liegt typischerweise bei 1 bis 4 Sekunden bei ISO 400-800, je nach Dämmerungsphase. Mit einem Smartphone gelingt das ebenfalls, wenn du den Nachtmodus aktivierst und das Handy auf ein kleines Stativ klemmst.
Häufige Fragen
Die wichtigsten Aspekte im Überblick.
Wie oft gibt es Konjunktionen?
Konjunktionen sind gar nicht selten. Planet-Mond-Begegnungen finden mehrmals im Monat statt, weil der Mond in 27 Tagen alle Planeten passiert. Konjunktionen zweier Planeten sind seltener und hängen von deren Umlaufzeiten ab. Jupiter und Saturn treffen sich nur alle 20 Jahre eng, während schnellere Planeten wie Venus und Jupiter fast jährlich eine enge Begegnung zeigen.
Sind Konjunktionen seltene Ereignisse?
Das hängt von der Art der Konjunktion ab. Gewöhnliche Konjunktionen, bei denen zwei Planeten einige Grad voneinander entfernt stehen, passieren relativ häufig. Besonders enge Begegnungen unter einem halben Grad sind deutlich seltener. Die Große Konjunktion von Jupiter und Saturn im Dezember 2020 war mit 6 Bogenminuten Abstand die engste seit fast 400 Jahren.
Kann ich eine Konjunktion ohne Teleskop sehen?
Ja, die meisten Konjunktionen sind sogar mit bloßem Auge am eindrücklichsten. Zwei helle Planeten oder ein Planet und der Mond nebeneinander am Himmel ergeben ein faszinierendes Bild, das kein Teleskop braucht. Ein Fernglas zeigt bei engen Konjunktionen beide Objekte im selben Gesichtsfeld und bringt zusätzliche Details wie Jupitermonde oder die Mondkrater.
Was war der Stern von Bethlehem?
Eine populäre Theorie besagt, dass der Stern von Bethlehem eine enge Konjunktion von Jupiter und Saturn im Jahr 7 v. Chr. gewesen sein könnte. In diesem Jahr gab es eine dreifache Konjunktion der beiden Planeten im Sternbild Fische, die im Nahen Osten kulturell bedeutsam gewesen wäre. Andere Erklärungen umfassen eine Nova, einen Kometen oder eine Konjunktion von Jupiter mit dem Stern Regulus.
Was ist der Unterschied zwischen Konjunktion und Opposition?
Eine Konjunktion bedeutet, dass zwei Himmelskörper nahe beieinander am Himmel stehen. Die Opposition ist das Gegenteil: Ein Planet steht gegenüber der Sonne, also 180 Grad entfernt am Himmel. In Opposition ist ein äußerer Planet die ganze Nacht sichtbar und der Erde am nächsten. In Konjunktion mit der Sonne steht ein Planet dagegen hinter der Sonne und ist für Wochen nicht beobachtbar.