Planeten beobachten mit dem Teleskop: Jupiter, Saturn, Mars & mehr
Das erste Mal, wenn du Saturn durch ein Teleskop siehst, glaubst du kurz, es sei ein Aufkleber auf dem Okular. Der Ring ist so perfekt, so clean, dass er sich nicht nach echter Natur anfühlt - und trotzdem ist er es. Ich kann mich noch genau an diesen Moment erinnern, und seitdem ist die Planetenbeobachtung das geblieben, wozu ich am häufigsten das Teleskop heraushole.
Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Planeten du wann sehen kannst, was du durch das Okular wirklich erwartet - nicht was Hubble fotografiert hat, sondern was ein normales Amateurteleskop zeigt - und welches Teleskop für Planeten wirklich geeignet ist. Ich gehe auf Jupiter, Saturn und Mars im Detail ein und erkläre, wann sich die Mühe besonders lohnt und warum.
Auf einen Blick
- Jupiter, Saturn und Mars zeigen schon bei 60-80mm Öffnung erste Details - Jupiter seine Wolkenbänder, Saturn die Cassini-Teilung ab 100mm.
- Maksutov- und Cassegrain-Teleskope mit langer Brennweite eignen sich besonders gut, weil Planeten hohe Vergrößerungen verlangen.
- Gutes Seeing ist für Planeten mindestens so wichtig wie die Optik selbst - turbulente Luft zerstört jede Vergrößerung.
Welche Planeten kann man sehen?
Von den acht Planeten im Sonnensystem lassen sich fünf mit bloßem Auge beobachten, alle acht mit dem Teleskop. Aber nicht jeder lohnt den gleichen Aufwand, und die Bedingungen variieren stark - je nachdem, wo sich die Planeten gerade auf ihren Bahnen befinden. Als erste Orientierung hilft ein Blick auf aktuelle Planetenpositionen über Apps wie Stellarium, SkySafari oder auf Seiten wie heavens-above.com. Was die Planeten am Himmel aktuell machen, ändert sich täglich.
| Planet | Sichtbarkeit | Min. Öffnung | Was du siehst | Oppositionsabstand (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Merkur | Tief am Horizont, Dämmerung | 60mm | Phasen sichtbar, keine Oberflächendetails | Kein Oppositionsplanet (innerer Planet) |
| Venus | Morgen- oder Abendstern, sehr hell | 60mm | Deutliche Phasen, gelblich-weiße Scheibe | Kein Oppositionsplanet (innerer Planet) |
| Mars | Gut alle 2 Jahre in Opposition | 100mm | Rötliche Scheibe, Polkappen, dunkle Regionen | 55-100 Mio. km |
| Jupiter | Jährliche Opposition, stets hell | 60mm | Wolkenbänder, Großer Roter Fleck, 4 Monde | 590-650 Mio. km |
| Saturn | Jährliche Opposition, gut sichtbar | 60mm | Ringsystem, Cassini-Teilung ab 100mm, Titan | 1.200-1.650 Mio. km |
| Uranus | Schwach, aber mit bloßem Auge möglich | 80mm | Blaugrünes Scheibchen, keine Oberflächendetails | ca. 2.700 Mio. km |
| Neptun | Nur mit Teleskop sichtbar | 100mm | Winziges blaues Scheibchen | ca. 4.300 Mio. km |
Merkur ist der schwierigste Planet für Amateure - nicht weil er klein ist, sondern weil er sich nie weit von der Sonne entfernt und immer tief in der Dämmerung steht. Schlechtes Seeing in Bodennähe ist fast garantiert. Venus dagegen ist das hellste Objekt am Nachthimmel nach dem Mond und zeigt schon mit kleinen Teleskopen prägnante Phasen, aber keine Wolkenstrukturen - ihre Atmosphäre ist undurchdringlich. Uranus und Neptun sind in erster Linie Checklistenplaneten für Sammler.
Oppositionszeiten und Konjunktionen
Der Begriff Opposition ist für die Planetenbeobachtung zentral. Wenn ein äußerer Planet in Opposition steht, befindet sich die Erde direkt zwischen ihm und der Sonne. Das bedeutet: Der Planet geht bei Sonnenuntergang auf, steht um Mitternacht am höchsten und geht bei Sonnenaufgang unter. Er ist die gesamte Nacht beobachtbar - und er steht so nahe wie nur möglich an der Erde. Helligkeit und Größe sind maximal.
Jupiter erreicht alle 13 Monate Opposition und steht dann etwa 591 Millionen Kilometer von uns entfernt. Die scheinbare Größe schwankt dabei kaum - Jupiter bleibt immer ein beeindruckendes Ziel. Ganz anders Mars: Bei günstiger Opposition kommt er bis auf 55 Millionen Kilometer heran und zeigt deutliche Oberflächendetails. Bei ungünstiger Opposition beträgt der Abstand fast 100 Millionen Kilometer - Mars wirkt dann deutlich kleiner. Was der Unterschied zwischen einer günstigen und ungünstigen Mars-Opposition konkret bedeutet und welche Oppositionstermine sich besonders lohnen, habe ich dort ausführlich beschrieben. Die nächste günstige Mars-Opposition findet 2027 statt, die übernächste 2029.
Konjunktion ist das Gegenteil: Der Planet steht auf der anderen Seite der Sonne und ist für Wochen bis Monate nicht beobachtbar. Kurz vor und nach der Konjunktion steht er tief am Horizont in der Dämmerung - das ist für die Beobachtung wenig brauchbar. Bei Saturn lohnt es sich, den Zeitpunkt der Opposition Saturn im Planetenkalender im Voraus zu notieren, da er sich jedes Jahr um etwa zwei Wochen verschiebt.
Welches Teleskop für Planeten?
Für die Planetenbeobachtung gelten andere Regeln als für Deep-Sky. Planeten sind hell - sie brauchen keine gigantische Öffnung zum Lichtsammeln. Was zählt, ist Auflösung und Kontrastleistung. Je feiner das Teleskop kleine Details trennen kann, desto mehr zeigen Wolkenbänder, Ringsysteme und Oberflächenstrukturen. Das spricht für lange Brennweiten und hohe Optikgüte.
Der Maksutov-Cassegrain ist unter Planetenbeobachtern eines der beliebtesten Instrumente - und das aus gutem Grund. Das geschlossene System schützt die Optik vor Luftbewegungen im Tubus, die Brennweite ist lang, und der Kontrast ist hoch. Ein Maksutov 90/1250 oder 102/1300 kostet neu zwischen 200 und 450 Euro und liefert an Planeten mehr als ein doppelt so teurer Refraktor mit kürzerer Brennweite. Die Akklimatisierungszeit ist allerdings länger als bei offenen Systemen - ich brauche beim Maksutov mindestens 45 Minuten, bevor das Bild richtig scharf und stabil wird.
Refraktoren ab 80mm Öffnung und langer Brennweite (f/10 und mehr) sind eine weitere gute Wahl. Ein 80/900mm-Achromat zeigt Jupiter mit klaren Bändern und Saturn mit erkennbarem Ring - das ist nicht das Gleiche wie ein 127mm-Maksutov, aber für den Einstieg solide. Apochromaten mit hoher Glasqualität schlagen Achromaten deutlich beim Farbkontrast; das macht sich bei Jupiter an der Farbtrennung der Wolkenbänder bemerkbar. In der Teleskop-Kaufberatung gehe ich auf konkrete Modelle ein, die ich für verschiedene Budgets empfehle - mit direktem Vergleich der Optikleistung an Planeten.
Newton-Teleskope mit kurzer Brennweite (f/5 oder kürzer) sind für Planeten weniger ideal - nicht wegen der Öffnung, sondern wegen der kürzeren Brennweite, die hohe Vergrößerungen erschwert. Ein 130/650mm-Newton braucht ein sehr kurzes Okular für 200x, was teuer wird und Koma am Bildrand zeigt. Ein 150/750mm-Newton ist schon besser, aber für Planeten pur ist der Maksutov das effizientere Instrument.
| Teleskoptyp | Typische Öffnung | Brennweite | Stärken an Planeten | Schwächen |
|---|---|---|---|---|
| Maksutov-Cassegrain | 90-127mm | 1.250-1.900mm | Hoher Kontrast, geschlossen, kompakt | Lange Akklimatisierung, teuer ab 150mm |
| Refraktor (Achromat) | 70-102mm | 700-1.000mm | Günstig, wartungsfrei, gute Einstiegsoptik | Farbfehler bei schnellen Systemen |
| Refraktor (Apochromat) | 60-102mm | 500-900mm | Exzellenter Kontrast, farbfehlerfrei | Teuer pro Millimeter Öffnung |
| Newton-Reflektor | 114-200mm | 500-1.000mm | Günstig, große Öffnung, gut für Mars | Kurze Brennweite, Koma, Tubusthermik |
| Schmidt-Cassegrain | 127-200mm | 1.250-2.000mm | Hohe Vergrößerungen, GoTo-Kompatibilität | Teuer, schwer, Fokus-Shift |
Vergrößerung und Okulare
Für Planeten braucht man höhere Vergrößerungen als für Deep Sky - aber es gibt eine harte Grenze, die das Seeing setzt. Theoretisch kann ein gutes Teleskop das 2-fache seiner Öffnung in Millimetern als maximale sinnvolle Vergrößerung liefern. Ein 100mm-Maksutov schafft also theoretisch 200x. In der Praxis entscheidet die Atmosphäre, ob das brauchbar ist. Bei schlechtem Seeing - und das ist an den meisten Abenden der Fall - endet die sinnvolle Grenze deutlich unter der optischen Maximalvergrößerung.
Ich arbeite bei Planeten meistens in zwei Stufen: Erst mit einem 8-10mm-Okular anvisieren und das Bild beurteilen, dann auf ein 5-6mm-Okular wechseln, wenn das Seeing es erlaubt. Das entspricht bei einem 1.250mm-Teleskop etwa 125x und 200-250x. Mehr als 250x bringt an deutschen Abenden selten etwas - das Bild wird groß, aber unscharf und zitternd. Was gutes Seeing für die Planetenbeobachtung bedeutet und wie du es vorhersagst, erkläre ich im Ratgeber zu den Seeing-Bedingungen genauer - das ist für Planeten mindestens genauso wichtig wie das Teleskop.
Kurzbrennweitige Okulare unter 6mm sind für Planeten nützlich, aber teuer. Ein gutes 6mm-Okular - etwa ein Baader Classic Ortho oder ein Planetary Okular der mittleren Preisklasse - kostet um die 40-70 Euro und lohnt sich. Billige Plastik-Kellner-Okulare, die vielen Einsteigerteleskopen beiliegen, begrenzen das Bild spürbar - nicht durch fehlende Vergrößerung, sondern durch mangelnde Randschärfe und Kontrast. Schon ein Orthokularsatz für 80-120 Euro macht an Planeten einen messbaren Unterschied.
Barlow-Linsen verdoppeln oder verdreifachen die Brennweite und erlauben höhere Vergrößerungen mit normalen Okularen. Eine 2x-Barlow verwandelt ein 10mm-Okular in ein effektives 5mm-Okular. Hochwertige Barlows ab 40 Euro sind am Planeten kaum von guten Kurzbrennweiten zu unterscheiden. Billigbarlows unter 15 Euro kosten dagegen Kontrast - was bei Jupiter und Saturn direkt als Detailverlust sichtbar wird.
Jupiter: Wolkenbänder, Großer Roter Fleck, Monde
Jupiter ist das beste Einsteigerziel unter den Planeten - groß, hell, schnell rotierend und reich an Details. Schon mit 60mm Öffnung erkennst du zwei dunkle Äquatorialbänder, die den Planeten horizontal durchziehen. Mit 100mm werden die Strukturen innerhalb der Bänder sichtbar - Knotenstrukturen, hellere Zonen dazwischen, der erste Hauch von Komplexität - und ab 150mm wird Jupiter richtig interessant.
Der Große Rote Fleck (GRF) ist ein riesiger Hochdruckwirbel in Jupiters Südhalbkugel, der seit mindestens 350 Jahren besteht. Er ist heute deutlich kleiner als noch vor 50 Jahren - aktuell etwa 14.000 km im Durchmesser, Tendenz weiter schrumpfend. Um ihn zu sehen, braucht es 150mm Öffnung, gutes Seeing und vor allem den richtigen Zeitpunkt: Jupiter rotiert in knapp 10 Stunden, und der GRF ist nur dann im Sichtfeld, wenn er gerade dem Beobachter zugewandt ist. Planetensoftware wie WinJupos oder Stellarium zeigt dir, wann der GRF über den Mittelmeridian zieht.
Die vier galileischen Monde - Io, Europa, Ganymed und Kallisto - sind bei jedem Blick durch das Teleskop zu sehen, solange sie nicht gerade hinter oder vor Jupiter stehen. Mit 70mm Öffnung erscheinen sie als vier helle Pünktchen in einer Linie. Ich beobachte ihre Positionen gerne über mehrere Nächte und verfolge, wie sie sich umeinander und um Jupiter bewegen - ein faszinierendes Schauspiel, das Galileis Entdeckung von 1610 nachvollziehbar macht. Gelegentlich siehst du sogar den Schatten eines Mondes als kleinen schwarzen Fleck auf Jupiters Wolkendecke - das braucht aber 100mm Öffnung und ruhige Luft.
Was du durch das Okular bei Jupiter wirklich siehst: Keine Fotos - kein Orange, kein buntes Farbspiel. Im Okular erscheint Jupiter cremig-weiß mit leicht ockerfarbenen Bändern. Farben zeigen sich erst auf sehr guten Optiken und unter gutem Seeing - und selbst dann bleibt die Farbsättigung weit unter dem, was Kameras herausarbeiten. Das ändert nichts daran, dass der Anblick fesselnd ist, aber die Erwartungen sollten realistisch gesetzt sein.
Saturn: Ringe, Cassini-Teilung, Titan
Saturn ist für die meisten Amateurastronomen der emotionalste Anblick am Teleskop. Der Planet mit seinem Ringsystem wirkt so unwahrscheinlich, dass er beim ersten Mal immer eine Reaktion auslöst. Ich habe Leute ohne jede Astronomie-Erfahrung ans Okular gelassen, und alle haben sofort laut reagiert - das passiert mir bei keinem anderen Objekt so zuverlässig. Saturn ist der ideale Einstiegsplanet, um andere für die Astronomie zu begeistern.
Was du mit welcher Öffnung siehst: Ab 60mm erkennst du den Ring als eigenständige Struktur - der Planet sieht aus, als hätte er "Ohren". Ab 80mm ist die Ringneigung gut sichtbar. Ab 100mm lässt sich die Cassini-Teilung erahnen - der dunkle Spalt zwischen dem hellen B-Ring innen und dem etwas dunkleren A-Ring außen. Mit 127mm Öffnung und gutem Seeing ist die Cassini-Teilung unter guten Bedingungen klar und scharf zu erkennen, besonders wenn Saturn hoch über dem Horizont steht.
Die Ringneigung ist nicht konstant. Saturn neigt sich in einem 29-Jahres-Zyklus: Wenn die Ringe maximal geneigt sind (etwa 27 Grad zur Ekliptik), bieten sie den beeindruckendsten Anblick. Wenn sie fast von der Kante zu sehen sind, verschwinden sie nahezu - das war zuletzt 2009 der Fall und wird 2025 wieder so sein. In Jahren mit stark geneigten Ringen - wie aktuell - ist die Ringstruktur besonders gut zu beobachten.
Titan, Saturns größter Mond und der einzige Mond im Sonnensystem mit dichter Atmosphäre, ist bereits mit 60mm als helles Pünktchen neben Saturn sichtbar. Vier bis fünf weitere Monde sind mit 100mm erreichbar - Rhea, Dione, Tethys und Enceladus. Wirklich zu erkennen sind sie nur als Pünktchen, aber ihre Positionen über mehrere Nächte zu verfolgen hat seinen eigenen Reiz. Beim Betrachten von Saturn durch das Teleskop fällt mir jedes Mal auf, dass man dabei 1,2 bis 1,6 Milliarden Kilometer überbrückt - das ist ein Gedanke, der sich nicht abnutzt.
Mars: Polkappen, dunkle Regionen, Oppositionsjahre
Mars ist der Planet mit den größten Schwankungen in der Beobachtungsqualität. In Oppositionsnähe mit günstiger Geometrie - wenn die Erde Mars auf seiner elliptischen Bahn bei Perihel überholt - kommt er bis auf etwa 55 Millionen Kilometer heran und zeigt eine scheinbare Größe von bis zu 25 Bogensekunden. Das ist groß genug, um mit 150mm Öffnung echte Oberflächendetails zu erkennen. Bei schlechten Oppositionsbedingungen schrumpft die scheinbare Größe auf unter 10 Bogensekunden - dann ist kaum mehr als eine rötliche Scheibe zu sehen - bei Mars entscheidet der Zeitpunkt stark.
Das auffälligste Merkmal sind die Polkappen. Die hellen, weißen Eiskappen an Nord- und Südpol sind schon mit 80mm Öffnung erkennbar - der weiße Fleck fällt sofort ins Auge. Welche Polkappe sichtbar ist, hängt davon ab, welche gerade der Erde zugewandt ist. Bei günstigen Oppositionen, wenn Mars seinen Südpol zeigt, ist die Südpolkappe markant zu sehen und kann im Verlauf einer Apparition sichtbar schrumpfen, wenn Sommer auf dem Mars einsetzt. Ich habe das 2020 verfolgt und fand es bemerkenswert, jahreszeitliche Veränderungen in Echtzeit zu beobachten.
Dunkle Regionen wie Syrtis Major - eine dunkle, dreieckige Tiefebene - und Hellas Planitia - ein helles Einschlagbecken - lassen sich mit 150mm Öffnung unter gutem Seeing erkennen. Globale Staubstürme können diese Strukturen für Wochen verschwinden lassen; das ist ein bekanntes Mars-Phänomen, das gelegentlich genau rund um Oppositionen auftritt und Beobachter frustriert. Die nächste günstige Opposition mit Mars unter 60 Millionen Kilometer Abstand findet 2027 statt - das ist die nächste gute Gelegenheit für echte Oberflächendetails.
Planetenfotografie: Lucky Imaging
Planetenfotografie unterscheidet sich grundlegend von der Astrofotografie von Deep-Sky-Objekten. Lange Belichtungen funktionieren nicht - das Seeing verschwimmt alles. Stattdessen arbeitet man mit dem Prinzip Lucky Imaging: Man nimmt tausende kurze Videos auf, selektiert automatisch die schärfsten Einzelbilder und stackt sie zu einem Ergebnis. Das klingt aufwendig, ist aber mit moderner Software erstaunlich zugänglich geworden.
Als Kamera eignet sich für den Einstieg eine ZWO ASI120MC oder eine vergleichbare günstige Planetenkamera um die 80-130 Euro. Diese kleinen CMOS-Sensoren liefern Videos mit hoher Bildwiederholrate und passen direkt ins Okularsteckmaß des Teleskops. Auch ein Smartphone mit entsprechendem Adapter am Okular funktioniert für erste Versuche - die Qualität ist schlechter, aber der Einstieg ist praktisch kostenlos. Für ernsthaftes Lucky Imaging ist eine dedizierte Planetenkamera aber der entscheidende Schritt nach vorne.
Die Software AutoStakkert! ist kostenlos und der Standard für das Stacken von Planetenvideos. Sie analysiert tausende Frames, selektiert die besten nach Schärfekriterien und kombiniert sie zu einem Summenbild. Danach folgt eine Schärfung in Registax oder AstroSurface - mit Wavelet-Filter, der Strukturen herausarbeitet, die im Rohvideo kaum sichtbar waren. Das Ergebnis kann an guten Abenden erstaunlich nahe an professionelle Bilder heranreichen. Was das für die Praxis bedeutet und wie du eine vollständige Aufnahmenacht planst, erkläre ich im Ratgeber zum Einstieg in die Astrofotografie - dort geht es auch um Ausrüstung und erste Aufnahmetechnik.
Beim Teleskop für Planetenfotografie gelten dieselben Regeln wie für die visuelle Beobachtung: lange Brennweite, hoher Kontrast. Der Maksutov oder Schmidt-Cassegrain mit einer 2x-Barlow verlängert die effektive Brennweite noch weiter und vergrößert die Planetenscheibe auf dem Sensor. Bei Jupiter und Saturn mit 2.500-3.000mm effektiver Brennweite auf einem APS-C-Sensor füllen die Planeten einen guten Teil des Bildes. Aktuelle Testberichte zu geeigneten Geräten findest du im Teleskop-Test-Bereich, wo ich konkrete Modelle für die Fotografenszene bewertet habe.
Wichtig: Das Seeing ist für die Planetenfotografie noch kritischer als für die visuelle Beobachtung. Lucky Imaging kann turbulente Luft teilweise kompensieren, aber grundlegend schlechtes Seeing mit Antoniadi IV oder V macht auch das beste Equipment nutzlos. Ich filme nur an Abenden, an denen der Seeing-Index bei Meteoblue unter 2 liegt und die Sterne kaum flimmern. Wer das ignoriert, verbringt Stunden vor dem Rechner und erhält trotzdem keine brauchbaren Aufnahmen.
Häufige Fragen zur Planetenbeobachtung
Die Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden, mit direkten Antworten ohne unnötige Umwege.
Welche Planeten sind heute sichtbar?
Das ändert sich täglich und hängt von deinem Standort ab. Die zuverlässigsten Quellen sind Stellarium Web (kostenlos, im Browser), die App SkySafari oder heavens-above.com mit deiner Postleitzahl. Jupiter und Saturn sind bei ihren jährlichen Oppositionen jeweils für mehrere Monate als helle, nicht-blinkende Objekte gut zu erkennen. Planeten flimmern im Gegensatz zu Sternen kaum - sie sind groß genug als Scheibchen, um durch Seeing-Turbulenz nicht zu blitzen. Das ist der einfachste Test, um einen Planeten von einem Stern zu unterscheiden. Den aktuellen Planetenstand erfährst du unter dem Stichwort "planeten aktuell" in aktuellen Planetenkalendern oder direkt in Stellarium.
Was sehe ich wirklich durch ein Teleskop bei Saturn und Jupiter?
Weniger bunt und weniger farbenprächtig als auf Fotos - das ist die ehrliche Antwort. Saturn durch ein Teleskop zeigt einen leicht gelblichen Planeten mit einem cremefarbenen Ring, der in Opposition zur Sonne deutlich dreidimensional wirkt. Die Cassini-Teilung erscheint als dunkle Linie im Ring - kein Farbspiel, aber scharf. Jupiter durch ein Teleskop zeigt zwei bis vier dunkle Äquatorialbänder, helle Zonen dazwischen und vier Pünktchen als galileische Monde. Der Große Rote Fleck ist eher ein blasseres Ockerlachs-Oval als erwartet - nur unter gutem Seeing und mit ausreichender Öffnung deutlich zu erkennen. Mars durch ein Teleskop in Oppositionsnähe zeigt eine orange-rote Scheibe mit weißem Polfleck und dunklen Regionen - aber nur, wenn du zur richtigen Zeit schaust.
Welches Teleskop für Planeten als Einsteiger?
Ein Maksutov-Cassegrain mit 90 oder 102mm Öffnung ist meine erste Empfehlung für Planeteneinsteiger, die nicht viel Geld ausgeben wollen. Er ist kompakt, pflegeleicht, braucht keine Kollimation und liefert an Planeten hervorragende Kontraste. Für etwa 200-300 Euro bekommst du ein System, das Jupiter, Saturn und Mars ordentlich zeigt. Wer mehr Budget hat, greift zu einem 127mm-Maksutov oder einem APO-Refraktor ab 80mm Öffnung. Die Kaufberatung für Planetenteleskope enthält eine vollständige Übersicht mit konkreten Modellen und aktuellen Preisen - sortiert nach Budget und Beobachtungsziel.
Wann ist Saturn in Opposition?
Saturn erreicht einmal pro Jahr Opposition, und der Termin verschiebt sich jährlich um etwa zwei Wochen nach hinten. Die nächsten Oppositionstermine liegen im Herbst 2025 und Herbst 2026. An Opposition und in den Wochen davor und danach steht Saturn am hellsten, zeigt die größte scheinbare Größe und ist die ganze Nacht beobachtbar. Die Ringneigung bleibt ein wichtiger Faktor: Bei maximal geneigten Ringen sieht Saturn deutlich imposanter aus als bei flach gestelltem Ringsystem. Aktuelle Oppositionstermine für alle Planeten findest du in jedem Astronomie-Jahrbuch oder auf interstellarum.de.
Welche Vergrößerung brauche ich für Planeten?
Als Faustregel gilt: 1x bis 2x die Öffnung in Millimetern. Mit einem 100mm-Teleskop arbeitest du also zwischen 100x und 200x. In der Praxis nutze ich an den meisten Abenden 120x bis 180x, weil das Seeing höhere Vergrößerungen oft nicht zulässt. Das Okular für diesen Bereich bei einem 1.250mm-Maksutov ist ein 6-8mm-Okular. Ein 5mm-Okular für 250x hole ich nur an den ruhigsten Abenden heraus - dann aber macht es den Unterschied bei der Cassini-Teilung und Jupiters Wolkenstruktur.
Kann ich die Jupiter-Monde im Teleskop sehen?
Ja - das ist eines der zugänglichsten Wunder der Planetenbeobachtung. Die vier galileischen Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto sind mit jedem Teleskop ab 40mm Öffnung zu sehen, solange sie nicht gerade hinter oder vor Jupiter versteckt sind. Sie erscheinen als helle Pünktchen in einer Linie links und rechts von Jupiter. Ihre Positionen ändern sich von Nacht zu Nacht sichtbar - Io läuft mit einem Umlauf von nur 1,8 Tagen so schnell, dass sich seine Position innerhalb einer einzigen Nacht verändert. Das zu beobachten ist eindrücklich und kostet nur eine klare Nacht.