Screenshot von Stellarium mit Sternbildern und Milchstraße

Stellarium: Kostenlose Planetariumssoftware einrichten und nutzen

Stellarium zeigt dir den Himmel über deinem Standort, kostenlos, sekundengenau und mit einer Darstellung, die an ein echtes Planetarium erinnert. Die Software gehört seit Jahren zum Standardwerkzeug jedes Hobbyastronomen und ist der beste Einstieg in die computergestützte Beobachtungsplanung.

Ich nutze Stellarium vor jeder Beobachtungsnacht zur Planung und schätze besonders die Okular-Simulation, mit der ich vorab sehen kann, wie ein Objekt in meinem Teleskop aussehen wird. In diesem Ratgeber zeige ich dir, wie du Stellarium einrichtest, die wichtigsten Funktionen nutzt und damit deine Beobachtungsnächte planst.

Auf einen Blick

  • Stellarium ist kostenlos, Open Source und verfügbar als Desktop-Software (Windows, Mac, Linux), als Webversion und als Mobile-App.
  • Die Software simuliert den Himmel für jeden beliebigen Ort und Zeitpunkt mit Millionen Sternen, Deep-Sky-Objekten und Planeten.
  • Über Plugins lässt sich sogar eine GoTo-Montierung direkt aus Stellarium steuern.

Was ist Stellarium?

Stellarium ist eine kostenlose Planetariumssoftware, die den Himmel realistisch auf deinem Bildschirm darstellt. Du siehst Sterne, Planeten, den Mond, Sternbilder, Nebel und Galaxien genau so, wie sie von deinem Standort aus zu einer bestimmten Zeit sichtbar sind. Die Darstellungsqualität übertrifft viele kommerzielle Produkte.

Es gibt drei Versionen: Stellarium Desktop ist die Vollversion mit allen Funktionen und läuft auf Windows, macOS und Linux. Stellarium Web (stellarium-web.org) funktioniert direkt im Browser und braucht keine Installation. Stellarium Mobile Plus ist die kostenpflichtige App für iOS und Android mit Touchbedienung und AR-Modus. Für die Beobachtungsplanung empfehle ich immer die Desktop-Version, weil sie die meisten Funktionen bietet.

Die Desktop-Version kannst du unter stellarium.org kostenlos herunterladen. Die Installation ist unkompliziert und funktioniert auf jedem halbwegs aktuellen Rechner. Stellarium ist nicht besonders ressourcenhungrig, selbst ältere Laptops laufen damit problemlos.

Stellarium einrichten

Nach der Installation solltest du als Erstes deinen Standort setzen. Stellarium nutzt diese Information, um den Himmel korrekt für deine Position zu berechnen. Über das Standort-Fenster (Taste F6) gibst du deine Stadt ein oder setzt die Position manuell auf der Karte. Die Genauigkeit auf wenige Kilometer reicht für die meisten Zwecke völlig aus.

Die Zeitzone wird normalerweise automatisch erkannt. Wenn du den Himmel für einen anderen Ort simulieren möchtest, etwa für einen Urlaub im Süden, ändere sowohl den Standort als auch die Zeitzone. Die Spracheinstellung findest du unter Konfiguration (F2), wobei Deutsch von Haus aus verfügbar ist.

Für Deep-Sky-Beobachter lohnt es sich, zusätzliche Kataloge zu installieren. Standardmäßig enthält Stellarium die wichtigsten Objekte, aber über die Erweiterungen kannst du den kompletten NGC/IC-Katalog und erweiterte Sternkataloge nachladen. Das erweitert die Datenbank auf Millionen von Objekten und ist für die Detailplanung nützlich.

Die wichtigsten Funktionen

Stellarium bietet eine Fülle an Funktionen, die du über Tastenkürzel schnell erreichst. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Kürzel, die ich am häufigsten verwende.

Die wichtigsten Tastenkürzel in Stellarium
Tastenkürzel Funktion
Leertaste Himmel pausieren / Zeit anhalten
L / J Zeit schneller vorwärts / rückwärts laufen lassen
8 Aktuelle Echtzeit wiederherstellen
C Sternbild-Linien ein/aus
V Sternbild-Namen ein/aus
D Deep-Sky-Objekte anzeigen/verbergen
G Boden/Horizont ein/aus
A Atmosphäre ein/aus (zeigt Taghimmel)
F3 / Strg+F Suchfenster öffnen (Objekt per Name finden)
F6 Standort ändern
O Okular-Plugin aktivieren
Strg+0 bis Strg+9 Landschaft wechseln

Die Zeitreise-Funktion (Tasten L und J) ist eine meiner meistgenutzten Features. Du kannst die Zeit vorspulen und beobachten, wie Planeten über Wochen und Monate wandern, wann der Mond in welcher Phase steht und wann ein bestimmtes Objekt am höchsten über dem Horizont steht.

Die Suchfunktion (F3) findet jedes Objekt per Name oder Katalognummer. Du tippst "M42" ein, drückst Enter, und Stellarium schwenkt direkt zum Orionnebel. Dazu zeigt ein Infofenster Helligkeit, Koordinaten und Auf-/Untergangszeiten. Für die Beobachtungsplanung ist das unverzichtbar.

Das Okular-Plugin simuliert den Blick durch dein Teleskop mit einem bestimmten Okular. Du gibst die Brennweite deines Teleskops und deiner Okulare ein, und Stellarium zeigt dir den exakten Ausschnitt, den du am Himmel sehen wirst. Das hilft enorm bei der Frage, ob ein Objekt ins Gesichtsfeld passt und welche Vergrößerung sinnvoll ist.

Beobachtungsnacht mit Stellarium planen

Ich plane jede Beobachtungsnacht nach einem festen Schema in Stellarium. Das dauert 15 bis 20 Minuten und spart am Teleskop deutlich mehr Zeit. Hier ist mein Ablauf in sechs konkreten Schritten.

  1. Datum und Uhrzeit einstellen: Ich setze den Abend auf die geplante Beobachtungszeit, typischerweise 1-2 Stunden nach Sonnenuntergang. So sehe ich sofort, welche Sternbilder am Himmel stehen.
  2. Mondphase prüfen: Ein heller Mond stört die Deep-Sky-Beobachtung. Ich prüfe, wann der Mond auf- und untergeht und plane entsprechend.
  3. Objekte suchen: Über die Suchfunktion finde ich meine Wunschobjekte und prüfe, ob sie zum gewählten Zeitpunkt ausreichend hoch über dem Horizont stehen (mindestens 30 Grad empfehle ich).
  4. Auf- und Untergangszeiten checken: Manche Objekte sind nur in einem bestimmten Zeitfenster optimal sichtbar. Ich notiere mir die Transitzeit, also den Moment der höchsten Position.
  5. Gesichtsfeld simulieren: Mit dem Okular-Plugin prüfe ich, wie das Objekt in meinem Teleskop aussehen wird und welches Okular die beste Darstellung liefert.
  6. Beobachtungsliste erstellen: Ich sortiere die Objekte nach der Reihenfolge, in der sie ihre optimale Höhe erreichen, und arbeite die Liste am Teleskop von Ost nach West ab.

Teleskop-Steuerung über Stellarium

Stellarium kann GoTo-Montierungen direkt ansteuern. Dafür aktivierst du das Teleskop-Steuerungs-Plugin in den Einstellungen und konfigurierst die Verbindung zu deiner Montierung. Unter Windows nutzt Stellarium das ASCOM-Framework, unter Linux und macOS das freie INDI-Protokoll.

Die Einrichtung funktioniert in der Regel so: Du verbindest die Montierung per USB oder WLAN mit dem Computer, startest den entsprechenden Treiber (ASCOM oder INDI-Server) und wählst in Stellariums Teleskop-Plugin den Anschluss aus. Nach der Verbindung erscheint ein Fadenkreuz auf dem Bildschirm, das die aktuelle Position deines Teleskops am Himmel zeigt.

Die Kalibrierung über einen bekannten, hellen Stern ist der wichtigste Schritt. Du fährst das Teleskop manuell auf einen bekannten Stern, zentrierst ihn im Okular und teilst Stellarium mit, dass diese Position korrekt ist. Danach stimmt die Positionierung für den gesamten Abend. Ich kalibriere normalerweise über zwei bis drei Sterne in verschiedenen Himmelsregionen für die beste Genauigkeit.

Stellarium vs Alternativen

Stellarium ist nicht die einzige Planetariumssoftware, aber sie ist für die meisten Hobbyastronomen die beste Wahl. Die folgende Tabelle vergleicht Stellarium mit den wichtigsten Alternativen.

Planetariumssoftware im Vergleich
Software Preis Plattform Teleskop-Steuerung Besonderheit
Stellarium Kostenlos Windows, Mac, Linux, Web Ja (ASCOM/INDI) Beste Darstellungsqualität, Open Source
SkySafari Pro ca. 40 Euro iOS, Android, Mac Ja (WiFi/Bluetooth) Beste mobile App, riesige Datenbank
Cartes du Ciel Kostenlos Windows, Linux Ja (ASCOM) Professionelle Sternkarten, viele Kataloge
KStars Kostenlos Linux, Mac, Windows Ja (INDI, integriert Ekos) Volle Astrofotografie-Suite mit Ekos

Für die mobile Nutzung im Feld empfehle ich SkySafari Pro als Ergänzung. Die App bietet WiFi-Steuerung für viele Montierungen und arbeitet mit einer enormen Objektdatenbank. Stellarium Desktop bleibt aber für die Planung am Schreibtisch unschlagbar.

Tipps für Fortgeschrittene

Stellarium bietet einige versteckte Funktionen, die fortgeschrittene Nutzer kennen sollten. Die Okulardatenbank lässt sich manuell erweitern, indem du eigene Okulare mit exakten Gesichtsfeld-Angaben einträgst. Je genauer diese Daten sind, desto realistischer wird die Simulation deines Blicks durchs Teleskop.

Eigene Landschaften kannst du aus Panoramafotos deines Beobachtungsplatzes erstellen. Damit siehst du in Stellarium genau, welche Horizont-Hindernisse den Blick versperren, ein unterschätztes Feature für die Planung. Das Satelliten-Plugin zeigt die ISS und andere helle Satelliten mit ihren Überflugzeiten. Für Meteorströme gibt es ein eigenes Plugin, das die Radiantenpositionen und die erwarteten Raten darstellt.

Skripte erlauben automatisierte Abläufe. Du kannst eine Tour durch bestimmte Objekte programmieren oder zeitgeraffte Sequenzen für Präsentationen erstellen. Die Skriptsprache basiert auf ECMAScript und ist gut dokumentiert im Stellarium-Wiki.

Häufige Fragen

Die wichtigsten Aspekte im Überblick.

Ist Stellarium wirklich kostenlos?

Ja, Stellarium Desktop ist vollständig kostenlos und Open Source unter der GNU General Public License. Du kannst es frei herunterladen, nutzen und den Quellcode einsehen. Stellarium Web ist ebenfalls kostenlos. Nur Stellarium Mobile Plus für iOS und Android kostet eine kleine Gebühr, die die Entwicklung der App finanziert.

Was ist der Unterschied zwischen Stellarium Web und Desktop?

Stellarium Web läuft direkt im Browser und braucht keine Installation. Die Desktop-Version bietet deutlich mehr Funktionen: erweiterte Kataloge mit Millionen Sternen, Okular-Simulation, Teleskop-Steuerung, Skript-Unterstützung und deutlich umfangreichere Einstellungsmöglichkeiten. Für ernsthafte Beobachtungsplanung empfehle ich immer die Desktop-Version.

Kann ich Stellarium auf einem Tablet nutzen?

Ja, über Stellarium Mobile Plus für iOS und Android. Die mobile Version enthält die wichtigsten Funktionen der Desktop-Version, angepasst auf Touchbedienung. Ein besonderer Vorteil ist der AR-Modus, der den simulierten Himmel über das Kamerabild legt. Für die Nutzung am Teleskop im Feld ist ein Tablet mit Stellarium Mobile eine praktische Lösung.

Kann ich mein Teleskop mit Stellarium steuern?

Ja, Stellarium unterstützt die Teleskop-Steuerung über ASCOM (Windows) und INDI (Linux/Mac). Du verbindest deine GoTo-Montierung per USB oder WLAN, konfigurierst das Plugin und kannst dann Objekte anklicken und anfahren. Die Kalibrierung über einen bekannten Stern ist dabei wichtig für genaue Positionierung.

Funktioniert Stellarium auch offline?

Ja, Stellarium Desktop funktioniert vollständig offline. Alle Sternkataloge und Berechnungen laufen lokal. Das ist besonders wichtig für die Nutzung im Feld, wo es oft kein Internet gibt. Einzige Ausnahme: Online-Sternkataloge und Satellitendaten brauchen bei der erstmaligen Installation eine Internetverbindung.

Wie genau ist Stellarium?

Stellarium verwendet präzise astronomische Algorithmen und erreicht für aktuelle Zeiträume eine Genauigkeit im Bereich von Bogensekunden. Für die praktische Beobachtungsplanung ist die Genauigkeit mehr als ausreichend und konkurriert mit professioneller Software. Bei historischen Simulationen über Tausende von Jahren nimmt die Genauigkeit bei Planetenpositionen etwas ab.