Bresser Pollux 150/1400 Test & Erfahrungen

Der Bresser Pollux 150/1400 ist ein Newton-Reflektor mit 150mm Öffnung und 1.400mm Brennweite auf einer EQ-3-Äquatorialmontierung, gedacht für Einsteiger, die Planeten und Mond in den Mittelpunkt stellen. Das lange Öffnungsverhältnis von f/9,3 macht ihn zu einem Planeten-Spezialisten unter den Einsteiger-Newtons, der mit gutem Seeing Saturn-Ringe und Jupiter-Bänder zeigt wie kaum ein anderes Teleskop in dieser Preisklasse.

Der Pollux 150/1400 kostet aktuell 369 Euro bei astroshop.de und bringt dabei eine Eigenheit mit, die auf dem Datenblatt schnell überlesen wird: Mit 1.400mm Brennweite hat er das längste Öffnungsverhältnis unter den 150mm-Newtons im Einstiegssegment. Das bedeutet enges Gesichtsfeld und hohe Vergrößerungen schon bei Standardokularen. Was für Planeten ideal ist, schränkt bei Deep-Sky-Objekten die Übersicht ein.

4,5
Sehr gut für Planeten und Mond
Alle Details

In diesem Test beschreibe ich, was der Pollux 150/1400 an Jupiter, Saturn, Mond und Deep-Sky-Objekten wirklich zeigt, wie sich die EQ-3-Montierung im Alltag bewährt und für wen das Teleskop die richtige Wahl ist.

Auf einen Blick

  • Überragende Planetenoptik für den Preis: 150mm Öffnung, f/9,3, 1.400mm Brennweite
  • Das enge Gesichtsfeld und fehlende Motorführung sind die zentralen Einschränkungen
  • Bester Newton-Planetenbeobachter unter 400 Euro mit EQ-Montierung

Bresser Pollux 150/1400 im Überblick

Im Bresser-Programm positioniert sich der Pollux 150/1400 als Einsteiger-Newton mit Schwerpunkt Planeten- und Mondbeobachtung. Das katadioptrische System mit integrierter Barlowlinse hält den Tubus trotz der langen Brennweite auf rund 90 cm Länge, was ihn transportabler macht als klassische Newtons dieser Bauart. Die EQ-3-Montierung bietet parallaktische Ausrichtung und manuelle Feinbewegungen, aber keine motorische Nachführung.

Technische Daten: Bresser Pollux 150/1400 EQ-3
EigenschaftWert
NameBresser Teleskop N 150/1400 Pollux EQ-3
HerstellerBresser
Preis369 Euro bei astroshop.de
Verfügbar aufastroshop.de (auf Lager)
BauartNewton-Reflektor (katadioptrisch mit integrierter Barlow)
Öffnung150 mm
Brennweite1.400 mm
Öffnungsverhältnisf/9,3
Auflösungsvermögen0,85"
Max. sinnvolle Vergrößerung300x
MontierungEQ-3 äquatorial (deutsch)
GoTo / TrackingNein (manuelle Feinbewegungen in RA und DEC)
Okularanschluss1,25" (31,7 mm)
Mitgelieferte Okulare20mm und 4mm (1,25-Zoll)
Barlow-Linse3x Barlow (1,25-Zoll, im katadioptrischen System integriert)
Suchernicht angegeben
Tubuslänge900 mm
Gewicht (gesamt)12,1 kg
StativDreibein-Aluminium, höhenverstellbar
EinnordungPolhöheneinstellung am Montierungsfuß
Stromversorgungkeine (rein manuell)

Der Pollux 150/1400 ist ein klares Nischengerät: Wer Planeten beobachten will und bereit ist, dafür ein enges Gesichtsfeld und manuelle Nachführung in Kauf zu nehmen, bekommt hier eine optisch starke Ausrüstung zu fairem Preis. Als Allrounder für Einsteiger gibt es flexiblere Optionen mit kürzer brennweitiger Optik.

Lieferumfang

Im Karton liegt der kompakte Newton-Tubus, die EQ-3-Montierung mit Polhöheneinstellung, das Aluminium-Dreibeinstativ mit Zubehörablage sowie ein Gegengewicht zur Ausbalancierung. An Optiken liegen zwei Okulare bei: ein 20mm-Okular für 70-fache Vergrößerung und ein 4mm-Okular für theoretisch 350-fache Vergrößerung. Dazu kommt eine 3x-Barlow-Linse im katadioptrischen System integriert.

Was im Lieferumfang fehlt und praktisch unverzichtbar ist: ein Mondfilter. Bei 70-facher Vergrößerung mit dem 20mm-Okular blendet der Vollmond so stark, dass längere Beobachtungen unangenehm werden. Das 4mm-Okular liefert zwar rechnerisch 350-fache Vergrößerung, aber bei 300x ist die sinnvolle Grenze, und ein Okular mit 5mm bis 7mm Brennweite fehlt komplett - das ist die Brennweitenklasse, die am häufigsten für Planeten genutzt wird. Für die Kollimation liegt kein Werkzeug bei.

Die Anleitung ist auf Deutsch verfügbar und erklärt Aufbau und Einnordung der EQ-3-Montierung verständlich. Astroshop legt das Teleskop-ABC-Handbuch mit 80 Seiten Einsteiger-Wissen bei, was für absolute Neulinge hilfreicher ist als die mitgelieferte Geräteanleitung.

Verarbeitung und erster Eindruck

Der Tubus des Pollux 150/1400 wirkt auf den ersten Blick überraschend kompakt für ein 1.400mm-Brennweiten-System. Das katadioptrische Prinzip mit der integrierten Barlowlinse hält die Tubuslänge auf 900mm, was für den Transport im PKW eine echte Erleichterung gegenüber klassischen Newtons bedeutet. Die Lackierung ist ordentlich, nichts schliert oder läuft, und die Befestigungsschrauben greifen sauber.

Beim Aufbau zeigt sich das Gewicht: 12,1 kg Gesamtmasse sind für ein Einsteigersystem aus der Preisklasse unter 400 Euro ordentlich, und das Stativ trägt die Last problemlos. Die Rohrschellen sitzen fest, und das Gegengewicht lässt sich einfach auf die Gegengewichtsstange setzen. Der erste Aufbau vom Auspacken bis zur Nutzungsbereitschaft dauert etwa 30 Minuten, was vor allem an der Einnordung der Montierung liegt.

Der Okularauszug arbeitet mit einer Zahnstange und lässt sich per Rändelknopf fokussieren. Das fühlt sich im direkten Vergleich zu teureren Crayford-Auszügen etwas ruppiger an, funktioniert in der Praxis aber ohne Aussetzer. Beim Fokussieren mit dem 4mm-Okular ist Feingefühl gefragt, weil die kurze Schärfentiefe bei hohen Vergrößerungen keine groben Bewegungen verzeiht. Die Verarbeitung entspricht dem, was ich in dieser Preisklasse erwarte: solide Funktion ohne Premium-Anspruch, nichts wackelt bedenklich, aber auch keine spielfreien Lagerungen wie bei Teleskopen ab 600 Euro.

Montierung und Stabilität

Die EQ-3-Äquatorialmontierung ist die deutsche parallaktische Standardmontierung im Einsteigersegment und bringt eine wichtige Eigenschaft mit, die azimutale Montierungen nicht haben: Wenn du die Rektaszensionsachse auf den Polarstern ausrichtest, reicht eine einzige Drehbewegung um diese Achse, um einem Objekt zu folgen. Das ist die Grundvoraussetzung für sinnvolle manuelle Nachführung bei hohen Vergrößerungen.

In der Praxis zeigt sich: Die Feinbewegungen in RA und DEC funktionieren präzise genug, um Planeten bei 140x im Bildfeld zu halten. Bei 200x und mehr ist permanentes Nachführen per Hand nötig, weil die Erddrehung das Objekt spürbar aus dem engen Gesichtsfeld schiebt. Ohne motorischen RA-Antrieb bleibt der Komfort bei hohen Vergrößerungen begrenzt. Das ist kein Mangel der EQ-3-Montierung per se, sondern eine grundsätzliche Eigenschaft manueller Systeme in Kombination mit langer Brennweite.

Die Vibrationsdämpfung ist akzeptabel: Nach dem Berühren des Fokussierknopfes klingt das Bild innerhalb von drei bis vier Sekunden ab. Das Aluminium-Stativ federt bei stärkerem Wind leicht, was bei Vergrößerungen ab 200x gelegentlich zu unscharfen Momenten führt. An windstillen Abenden stört das nicht. Das Gegengewicht lässt sich gut austarieren, und die Klemmen halten die eingestellte Position sicher.

Die Einnordung der Montierung ist für Einsteiger der kritischste Schritt. Eine ungenaue Ausrichtung auf den Polarstern bedeutet, dass Objekte beim Nachführen nicht auf der richtigen Kreisbahn bleiben. Die mitgelieferte Anleitung erklärt den Vorgang, aber erste Erfahrungen zeigen, dass man dafür zwei bis drei Übungsabende einkalkulieren sollte, bis die Routine sitzt.

Optische Leistung: Was siehst du wirklich?

Mit 150mm Öffnung und 0,85 Bogensekunden Auflösungsvermögen liegt der Pollux 150/1400 in einer Klasse, die echte Planetendetails liefert. Das f/9,3-System ist für einen Newton ungewöhnlich langsam, was im Rückschluss bedeutet, dass Koma am Bildrand deutlich geringer ausfällt als bei kurzen f/5-Systemen und gleichmäßigere Abbildungsqualität im Gesichtsfeld.

Mond und Planeten

Am Mond zeigt der Pollux 150/1400 bei 70x eine beeindruckende Fülle an Detail. Die großen Krater Tycho und Copernicus sind bei gutem Seeing in ihren Innenstrukturen erkennbar, Zentralberge zeichnen sich deutlich ab, und die Rillen im Mare Imbrium sind als feine Furchen sichtbar. Bei 140x steigert sich das nochmals, und Krater bis etwa 3 bis 4 km Durchmesser lassen sich am Terminator erkennen. Das Bild bleibt scharf und kontrastreich beim Seeing, solange die Atmosphäre mitspielt.

Jupiter zeigt bei 140x verlässlich drei bis vier Wolkenbänder, je nach Planetenlage und Seeing. In guten Nächten erkenne ich das Nord- und Süd-Äquatorialband deutlich unterschiedlich und den Großen Roten Fleck als blassrötliches Oval, wenn er gerade sichtbar ist. Jupiter zeigt bei 200x Farbvielfalt, wenn die Atmosphäre mitspielt. Die vier galileischen Monde sind selbst im 20mm-Okular als scharfe Punkte sichtbar, und bei 140x trenne ich Schattenwürfe auf der Jupiterscheibe.

Saturn ist der Höhepunkt jeder Beobachtungsnacht mit dem Pollux 150/1400. Die Cassini-Teilung im Ring zeigt sich ab 100x als deutliche dunkle Linie, und bei 140x erkenne ich auf der Ringinnenseite die hellere Cassini- und die dunklere Encke-Region, wenn das Seeing gut ist. Die Planetenscheibe selbst zeigt bei 140x bis 200x subtile Bänderstrukturen. Saturn mit Cassini-Linie ist das, wofür dieses Teleskop gebaut wurde.

Deep-Sky-Objekte

Das enge Gesichtsfeld bei 1.400mm Brennweite ist beim Deep-Sky-Beobachten die entscheidende Einschränkung. Mit dem 20mm-Okular erreichst du ein wahres Gesichtsfeld von knapp 0,7 Grad, was für kompakte Objekte reicht, aber ausgedehnte Nebel wie der Orionnebel passen nur im Ausschnitt ins Bild.

Kugelsternhaufen wie M13 zeigen bei 70x eine helle Konzentration mit körnigem Rand, der auf Einzelsterne hindeutet. Bei 140x beginnt der Randbereich in einzelne Sterne aufzulösen, was schon sehr befriedigend ist. M57, der Ringnebel in der Leier, zeigt sich als klares, gleichmäßiges Oval bei 140x. Doppelsterne sind die heimliche Stärke: Enge Paare wie Epsilon Lyrae (das berühmte "Doppel-Doppel") löst der Pollux 150/1400 bei 200x sauber auf.

Galaxien wie M31 (Andromeda) oder M81 sind als ovale Aufhellungen sichtbar, mehr aber nicht. Für Spiralarm-Details braucht es mindestens 8 Zoll Öffnung und deutlich dunkleren Himmel. Für Deep-Sky-Beobachtungen mit Schwerpunkt auf ausgedehnte Objekte ist ein Newton mit kürzerer Brennweite die bessere Wahl.

Optische Schwächen

Die größte optische Schwäche ist indirekt: Das mitgelieferte 4mm-Okular ergibt 350-fache Vergrößerung, was die sinnvolle Grenze von 300x deutlich überschreitet. Das Bild wird bei dieser Vergrößerung weich und kontrastarm, bei jedem Seeing. Mit einem 5mm oder 6mm-Okular für 233x bis 280x bleibt das Bild deutlich schärfer und der Nutzen höher.

Koma am Bildrand ist bei f/9,3 gering und fällt bei visuellen Beobachtungen kaum auf. Bei punktförmigen Sternen am Randbereich zeigt sich eine minimale Keulenform, die aber nur bei sehr genauem Hinschauen stört. Chromatische Aberration gibt es beim Newton nicht, das ist ein struktureller Vorteil gegenüber preisgleichen Refraktoren. Die integrierte Barlowlinse im katadioptrischen System kann theoretisch optische Qualität kosten, in der Praxis habe ich keinen messbaren Unterschied zu einem klassischen Newton ohne diese Konstruktion feststellen können.

Vergrößerungstabelle: Bresser Pollux 150/1400 (1.400mm Brennweite)
OkularVergrößerungGesichtsfeldGeeignet für
25mm (empfohlen)56x0,9°Mond, Planeten-Übersicht, Deep-Sky-Einstieg
20mm (mitgeliefert)70x0,7°Mond, Planeten-Übersicht
10mm (empfohlen)140x0,4°Planetendetails, Jupiter-Bänder, Cassini-Teilung
6mm (empfohlen)233x0,25°Saturn-Details, enge Doppelsterne bei gutem Seeing
4mm (mitgeliefert)350x0,1°Überschreitet sinnvolles Maximum, nicht empfohlen

Astrofotografie-Eignung

Mondfotos mit dem Smartphone durch das Okular gelingen mit dem Pollux 150/1400 gut. Das Bild ist bei 70x hell genug und scharf genug, dass Schnappschüsse bei gutem Seeing brauchbare Ergebnisse liefern. Für ernsthafte Mondaufnahmen empfehle ich ein günstiges Smartphone-Adapter-Stativ dazu, das den Ausrichtungsaufwand deutlich reduziert.

Planetenfotografie mit einer Webcam oder Planetenkamera ist das eigentliche Potenzial des Pollux 150/1400 als Fotogerät. Lucky Imaging mit kurzen Belichtungszeiten von einigen Millisekunden funktioniert auch ohne motorische Nachführung für kurze Sequenzen. Für längere Videosequenzen, aus denen du später das beste Material herausrechnest, ist der RA-Motorantrieb praktisch unverzichtbar. Ohne ihn schiebt die Erddrehung das Objekt bei 140x in wenigen Sekunden aus dem Bildfeld.

Deep-Sky-Fotografie mit Langzeitbelichtungen ist mit dem Pollux 150/1400 nicht sinnvoll. Die EQ-3-Montierung hat keine ausreichende Tragfähigkeit und Präzision für Belichtungsreihen von mehreren Minuten, und der f/9,3-Newton ist für Deep-Sky-Fotografie zu langsam. Das ist kein Versagen des Teleskops - es ist schlicht nicht dafür gebaut. Als visuelles Planetengerät macht der Pollux dagegen alles richtig.

Benutzerfreundlichkeit

Der erste Abend mit dem Pollux 150/1400 hat eine klare Herausforderung: die Einnordung der EQ-3-Montierung. Ohne halbwegs präzise Ausrichtung auf den Polarstern dreht Objekte beim Nachführen auf einer falschen Bahn, und die manuelle Korrektur wird ständig nötig. Die mitgelieferte Anleitung erklärt das Verfahren verständlich, aber die Ausführung braucht ein paarmal Übung, bis sie in Fleisch und Blut übergeht.

Vom Aufstellen bis zum ersten Planeten vergehen beim ersten Mal ungefähr 45 Minuten: 30 Minuten für Aufbau und Einnordung, 15 Minuten für das Einblenden auf Jupiter oder Saturn. Nach ein paar Abenden Routine geht der Aufbau in 20 Minuten, und das Einblenden auf Planeten gelingt mit dem 20mm-Okular als Startpunkt zuverlässig. Ein Leuchtpunktsucher oder ein optischer Sucher würde das Auffinden deutlich erleichtern - er fehlt im Lieferumfang.

Für absolute Einsteiger ohne jede Erfahrung ist die parallaktische Montierung eine Hürde. Wer einen einfacheren Einstieg sucht, ist mit einer azimutalen Montierung zunächst besser bedient. Wer aber Planeten beobachten will und bereit ist, die Einnordung zu lernen, wird die EQ-3-Montierung nach einer Einarbeitungszeit als deutlichen Komfortgewinn gegenüber azimutalen Systemen erleben. Kollimation ist beim Newton unvermeidbar: Alle paar Wochen, oder nach dem Transport, prüfe ich den Hauptspiegel nach.

Transport und Portabilität

Der Tubus des Pollux 150/1400 ist mit 900mm Länge und rund 4 kg für einen 150mm-Newton kompakt. In den meisten PKW-Kofferräume passt er liegend, die Montierung mit Stativ nimmt einen separaten Platz ein. Für gelegentliche Ausflüge auf dunkle Beobachtungsplätze ist das Setup transportierbar, für spontane Balkonbeobachtungen ist der Aufbauaufwand zu groß.

Das Gesamtgewicht von 12,1 kg ist aufgebaut kein Problem, beim Transport sind aber mindestens zwei Fuhren nötig: einmal der Tubus mit Tragetasche, einmal Stativ und Montierung. Eine Transportkiste gibt es für den Pollux 150/1400 nicht im Standard-Lieferumfang - wer das Teleskop regelmäßig bewegt, sollte über eine Schaumstoff-Einlage in Aluminium-Box nachdenken.

Zubehör und Upgrade-Potenzial

Der 1,25-Zoll-Okularanschluss ist der weltweite Standard und öffnet den Zugang zum gesamten Zubehörmarkt. Das mitgelieferte 20mm-Okular ist brauchbar, das 4mm-Okular dagegen nahezu unbrauchbar für ernsthafte Beobachtungen. Als erstes Upgrade empfehle ich ein 10mm-Okular für 140-fache Vergrößerung, das die Sweet-Spot-Vergrößerung für Jupiter und Saturn trifft.

Der wichtigste mechanische Aufrüst-Schritt ist der RA-Motorantrieb für die EQ-3-Montierung. Er nimmt die nervige manuelle Nachführung bei 140x und mehr ab und macht Planetenbeobachtungen deutlich entspannter. Der Preis liegt bei rund 100 Euro und verdoppelt den Beobachtungskomfort beim Pollux in kurzen Brennweiten.

Zubehör-Empfehlungen für den Bresser Pollux 150/1400
ZubehörWarum sinnvollPreis (ca.)
10mm Plössl-Okular140x - ideale Vergrößerung für Jupiter und Saturn35 Euro
6mm Goldline-Okular233x für Planetendetails bei ruhiger Luft40 Euro
Mondfilter ND 0.9Blendfrei am Vollmond - praktisch unverzichtbar20 Euro
RA-Motorantrieb EQ-3Automatisches Tracking ohne manuelle Nachführung100 Euro
KollimationsokularPräzise Spiegeljustage, fehlt im Lieferumfang20 Euro
LeuchtpunktsucherSchnelles Einblenden auf Objekte - fehlt im Lieferumfang30 Euro

Das Upgrade-Potenzial ist solide: Mit RA-Motor, einem guten 10mm-Okular und einem Mondfilter ist das Pollux-System für mehrere Jahre Planetenbeobachtung gut gerüstet. Wer irgendwann deutlich mehr will, stößt an die Grenzen der EQ-3-Montierung und des 6-Zoll-Spiegels - aber das Teleskop selbst macht einem den Wechsel nicht schwer, weil alle Okulare weiterverwendet werden können.

Für wen ist der Bresser Pollux 150/1400?

Das Teleskop ist für Einsteiger und fortgeschrittene Gelegenheitsbeobachter gemacht, die Planeten und Mond in den Vordergrund stellen und bereit sind, die parallaktische Montierung zu lernen. Die Zielgruppe sind keine absoluten Laien ohne jede Vorerfahrung - die Einnordung und das Fehlen einer motorischen Nachführung erfordern Eigeninitiative und Geduld.

Wer hauptsächlich ausgedehnte Deep-Sky-Objekte beobachten möchte, sollte den Blick auf einen Newton mit kürzerer Brennweite und breiterem Gesichtsfeld richten. Die Newton-Beratung zeigt, dass ein 150/750-Newton für Deep-Sky-Einsteiger sinnvoller ist, weil das dreifach größere Gesichtsfeld die Orientierung am Himmel deutlich erleichtert. Der Pollux 150/1400 gewinnt genau dort, wo Planetendetails wichtiger sind als Überblick.

Kauf es, wenn du Planeten, Saturn-Ringe und Mondkrater in hervorragender Qualität beobachten willst und die parallaktische Montierung nicht scheust. Kauf es nicht, wenn du Deep-Sky-Nebel und Galaxien im Überblick genießen oder Astrofotografie betreiben möchtest.

Alternativen im Vergleich

In der Preisklasse um 370 Euro bis 600 Euro gibt es drei sinnvolle Alternativen, die je nach Beobachtungsschwerpunkt besser passen können.

Alternativen zum Bresser Pollux 150/1400
ModellÖffnungBauartPreisStärke
Bresser Pollux 150/1400150 mmNewton f/9,3369 EuroPlaneten und Mond
Skywatcher Explorer 150P150 mmNewton f/5590 EuroBreites Gesichtsfeld, Deep Sky und Planeten
Omegon Advanced 150/750150 mmNewton f/5499 EuroAllrounder, schnelleres System
ZWO Seestar S5050 mmApochromatisches Triplet675 EuroSmart Telescope, vollautomatisch

Der Skywatcher Explorer 150P mit f/5 bietet dasselbe Öffnung, aber dreimal mehr Gesichtsfeld und ist für Deep Sky wie Planeten gleichermaßen nutzbar. Er kostet 220 Euro mehr, bringt dafür aber auch mehr Flexibilität für alle Beobachtungsarten. Wer nicht sicher ist, ob Planeten wirklich der einzige Schwerpunkt bleiben, ist mit dem 150P besser beraten.

Der ZWO Seestar S50 ist ein komplett anderes Konzept: Smart Telescope, vollautomatisch, per App gesteuert. Mit 50mm Öffnung zeigt er weniger Detail an Planeten als der Pollux 150/1400, dafür deep-sky-Objekte in Farbe dank integrierten Astrokameras. Für Einsteiger ohne Lust auf Einnordung ist der Seestar die unkompliziertere Wahl.

Preis-Leistungs-Bewertung

Für 369 Euro bekommst du 150mm Öffnung, 1.400mm Brennweite, eine EQ-3-Montierung und zwei Okulare in einem kompakten Paket. Das ist in der Klasse unter 400 Euro ein fairer Deal für denjenigen, der weiß, was er kauft: einen Planetenspezialisten, kein Universalteleskop. Der Preis pro Millimeter Öffnung liegt günstig gegenüber vergleichbaren Refraktoren gleicher Öffnung.

4,5
Sehr gut für Planeten und Mond
Aktueller Preis bei astroshop.de

Für 20 bis 30 Euro mehr bekommst du beim Pollux nicht grundsätzlich mehr. Der Sprung kommt erst beim Skywatcher 150P ab 590 Euro, der dann tatsächlich mehr kann. Günstiger als der Pollux 150/1400 bekommst du nur kleinere Öffnungen oder deutlich einfachere Montierungen. In seiner Nische ist das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugend, aber nur wenn der Beobachtungsschwerpunkt auf Planeten liegt.

Stärken und Schwächen

Der Pollux 150/1400 liefert an Planeten und Mond eine Leistung, die weit über dem liegt, was sein Preis vermuten lässt, zeigt aber auch klare Grenzen beim Gesichtsfeld und Bedienkomfort.

Das sind die wichtigsten Stärken des Pollux:

  • Überragende Planetenoptik für den Preis: Jupiter-Bänder und Cassini-Teilung bei 369 Euro
  • Kein chromatischer Fehler dank Newton-Bauweise
  • Kompaktere Tubuslänge als klassische 1.400mm-Newtons durch katadioptrisches System
  • EQ-3-Montierung mit parallaktischer Nachführung - sinnvoller als azimutale Einstiegsmontierungen
  • Standard-1,25-Zoll-Anschluss für den gesamten Zubehörmarkt

Das sind die wichtigsten Schwächen des Pollux:

  • Enges Gesichtsfeld durch lange Brennweite - Deep-Sky-Objekte stark eingeschränkt
  • Kein motorischer Antrieb, manuelle Nachführung bei hohen Vergrößerungen nötig
  • Mitgeliefertes 4mm-Okular überschreitet sinnvolle Maximalvergrößerung
  • Kein Leuchtpunktsucher im Lieferumfang

Mein Fazit zum Bresser Pollux 150/1400

Der Pollux 150/1400 ist ein Teleskop mit klarer Identität, das seine Stärken konsequent ausspielt. Wer Planeten beobachten will, bekommt hier für 369 Euro optische Qualität weit über dem Preis. Saturn mit Cassini-Teilung, Jupiter mit drei bis vier Bändern, der Mond in feinstem Detail - das liefert das Teleskop zuverlässig, wenn das Seeing passt.

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Was der Pollux nicht ist: ein unkomplizierter Allrounder für Einsteiger ohne Vorkenntnisse. Die parallaktische Montierung braucht Einarbeitungszeit, der fehlende Motor macht hohe Vergrößerungen mühsam, und das mitgelieferte Zubehör ist ausbaubedürftig. Wer diese Einschränkungen kennt und trotzdem auf Planeten-Spezialisten setzt, macht keinen Fehlkauf. Allen anderen empfehle ich den Blick auf Newton-Modelle mit kürzerer Brennweite, die mehr Flexibilität bieten.

Häufige Fragen zum Bresser Pollux 150/1400

Die häufigsten Fragen, die mir zum Pollux 150/1400 gestellt werden, betreffen Eignung, Planeten-Leistung und Kollimation - hier meine Antworten aus der Praxis.

Lohnt sich der Bresser Pollux 150/1400 für Einsteiger?

Ja, mit einem klaren Vorbehalt: Der Pollux 150/1400 ist ein Planetenspezialist, kein Allrounder. Wer hauptsächlich Mond, Jupiter und Saturn beobachten will, bekommt für 369 Euro eine optisch überzeugende Ausrüstung. Die EQ-3-Montierung braucht allerdings etwas Einarbeitungszeit, und das enge Gesichtsfeld bei 1.400mm Brennweite erfordert Geduld beim Einstellen von Objekten. Für Einsteiger mit klarem Planetenschwerpunkt ist das Preis-Leistungs-Verhältnis gut, für Einsteiger ohne klaren Schwerpunkt gibt es flexiblere Alternativen. Mehr dazu findest du im Abschnitt "Für wen ist der Pollux 150/1400?" und unter Benutzerfreundlichkeit.

Was kann ich mit dem Bresser Pollux 150/1400 beobachten?

Der Pollux 150/1400 ist vor allem ein Planeten- und Mondteleskop. Jupiter zeigt bei 140x bis 200x drei bis vier Wolkenbänder, Saturn die Cassini-Teilung im Ring ab etwa 100x, und der Mond zeigt feine Mondkrater. Deep-Sky-Objekte gehen ebenfalls, aber das enge Gesichtsfeld macht ausgedehnte Nebel schwierig. Kugelsternhaufen wie M13 zeigst du gut, und enge Doppelsterne sind eine Stärke des Systems. Alle Details stehen in meinem Abschnitt zur optischen Leistung.

Welches Zubehör brauche ich zum Bresser Pollux 150/1400?

Ein Mondfilter ND 0.9 ist das erste und dringlichste Zubehör, weil der Mond bei 70x stark blendet. Als zweites kommt ein 10mm-Okular für 140-fache Vergrößerung, das den Sweet Spot für Planetendetails beim Pollux 150/1400 trifft. Das mitgelieferte 4mm-Okular überschreitet die sinnvolle Maximalvergrößerung, ein 6mm-Okular für 233x ist die sinnvollere Alternative. Für mehr Bedienkomfort lohnt sich der RA-Motorantrieb der EQ-3-Montierung. Alle Empfehlungen stehen in der Zubehörtabelle.

Wo kann ich den Bresser Pollux 150/1400 am günstigsten kaufen?

Der Bresser Pollux 150/1400 kostet aktuell 369 Euro bei astroshop.de und ist dort auf Lager mit Versand innerhalb von 24 Stunden. Astroshop legt das Teleskop-ABC-Handbuch bei und bietet telefonische Beratung. Bei anderen Händlern liegt der Preis ähnlich, gelegentliche Aktionspreise ausgenommen. Mehr zur Einordnung findest du im Abschnitt zur Preis-Leistungs-Bewertung.

Braucht der Bresser Pollux 150/1400 Kollimation?

Ja, alle Newton-Teleskope müssen gelegentlich kollimiert werden. Bei Auslieferung ist der Spiegel in der Regel korrekt justiert, aber nach dem Transport oder einem leichten Stoß kann der Hauptspiegel dejustieren. Eine Kollimation dauert etwa 10 Minuten mit einem Kollimationsokular und ist nach zwei bis drei Übungsversuchen kein Problem mehr. Im Lieferumfang liegt kein Kollimationswerkzeug - ein günstiges Kollimationsokular für rund 20 Euro ist die erste sinnvolle Investition nach dem Kauf.

Kann ich mit dem Bresser Pollux 150/1400 Fotos machen?

Für Mondfotos mit dem Smartphone durch das Okular funktioniert das sehr gut. Für Planetenfotografie mit einer Webcam oder Planetenkamera ist das Teleskop geeignet, solange du den RA-Motorantrieb als Ergänzung nutzt. Deep-Sky-Fotografie mit Langzeitbelichtungen ist nicht sinnvoll - die EQ-3-Montierung ohne Upgrade bietet keine ausreichende Präzision und Tragfähigkeit für Stunden-Belichtungsreihen. Mehr dazu im Abschnitt zur Astrofotografie-Eignung.