Meade LX200 8" ACF Test & Erfahrungen
Das Meade LX200 8" ACF ist ein Schmidt-Cassegrain-Teleskop der Premium-Klasse mit 203mm Öffnung, fortschrittlichem ACF-Korrektorsystem und vollautomatischer GoTo-Gabelmontierung. In der Preisklasse knapp unter 4.000 Euro positioniert es sich als ernsthaftes Instrument für Fortgeschrittene und Experten, die weder bei der Optik noch bei der Elektronik Kompromisse akzeptieren wollen. Die integrierte GPS-Ausrichtung mit Level-North-Technologie hebt es dabei klar über einfachere GoTo-Systeme hinaus.
Das LX200 8" ACF kostet aktuell 3.890 Euro bei astroshop.de und bringt dabei eine Kombination mit, die in dieser Preisklasse ihresgleichen sucht: 203mm Öffnung mit obstruktionsminimiertem Strahlengang, 144.000 GoTo-Objekte im AutoStar-II-Controller und ein 146mm Schneckengetriebe, das Nachführgenauigkeit auf Profiniveau liefert.
In diesem Test beschreibe ich meine Erfahrungen mit dem LX200 nach mehreren Wochen im Einsatz. Du erfährst, was die ACF-Optik an Planeten und Deep-Sky-Objekten wirklich zeigt, wie die GPS-gestützte Ausrichtung in der Praxis funktioniert und wo die Grenzen dieser Montierung für die Astrofotografie liegen.
Auf einen Blick
- Premium-GoTo mit GPS, 144.000 Objekten und ACF-Optik in einem kompakten Tubus
- Eingeschränkt bei Deep-Sky-Fotografie durch azimutale Gabelmontierung ohne Polhöhenwiege
- Bestes visuelles Schmidt-Cassegrain unter 4.000 Euro mit professioneller Nachführelektronik
Meade LX200 8" ACF im Überblick
In Meades Produktlinie steht das LX200 ganz oben in der Dobson-freien Kategorie. Das ACF-Design verbessert den klassischen Schmidt-Cassegrain durch einen korrigierten Sekundärspiegel, der Koma am Bildrand eliminiert. Das Ergebnis ist ein flacheres Bildfeld und schärfere Randsterne, was besonders für Astrofotografie relevant ist.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Name | Meade LX200 8" ACF (ACF-SC 203/2000 UHTC GoTo) |
| Hersteller | Meade |
| Preis | 3.890 Euro bei astroshop.de |
| Verfügbar auf | astroshop.de (auf Lager, Versand in 24h) |
| Bauart | ACF Schmidt-Cassegrain |
| Öffnung | 203 mm (Hauptspiegel: 209,6 mm) |
| Brennweite | 2.000 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/9,8 |
| Optische Vergütung | UHTC Ultra High Transmission Coatings |
| Montierung | LX200 GoTo-Gabelmontierung |
| Montierungslager | 102 mm Kegellager |
| Schneckengetriebe | 146 mm LX-Schneckengetriebe in beiden Achsen |
| GoTo / Tracking | Ja, 144.000+ Objekte, AutoStar II |
| GPS | Sony GPS mit Level-North-Technologie (LNT) |
| Handcontroller | AutoStar II, 3,5 MB Flash-Speicher, digitales Display |
| Nachführgeschwindigkeiten | 9 Stufen, Smart Drive in beiden Achsen |
| Schnittstellen | Multifunktions-Port, zwei RS-232-Schnittstellen |
| Max. sinnvolle Vergrößerung | ca. 400x |
| Okularanschluss | 2" (SC-Gewinde, Adapter auf 1,25" im Lieferumfang) |
| Stativ | Dreibein-Edelstahlstativ |
| Stromversorgung | 12V Gleichstrom |
Das LX200 bedient eine Nische zwischen dem Celestron NexStar 8 SE und professionellen Observatoriumsinstrumenten. Es ist klar auf ernsthafte visuelle Beobachtung und Planetenfotografie ausgelegt, bietet aber durch das ACF-System auch Astrofotografen einen Mehrwert, der messbar ist.
Lieferumfang
Im Karton liegt der optische Tubus mit ACF-Optik, die vollständige LX200-Gabelmontierung mit integriertem GPS-Empfänger, das Edelstahlstativ mit Zubehörablage, der AutoStar-II-Handcontroller mit Spiralkabel sowie das Stromkabel für den 12V-Betrieb. Ein 1,25-Zoll-Adapter für den 2-Zoll-SC-Anschluss liegt bei, außerdem die AutoStar-Suite-Software und eine gedruckte Bedienungsanleitung auf Papier.
Was nicht dabei ist, überrascht für diesen Preis: Kein einziges Okular liegt im Lieferumfang. Meade geht offensichtlich davon aus, dass Käufer in dieser Preisklasse eigene Okulare mitbringen, was realistisch ist, aber im Kaufentscheidungsprozess beachtet werden muss. Der Sucher fehlt ebenfalls, auch wenn an der Montierung ein Halterungsschuh für einen optionalen Leuchtpunktsucher vorhanden ist. Wer mit dem LX200 von null anfängt, muss weitere 200 bis 400 Euro für ein sinnvolles Okularsortiment einplanen.
Die Bedienungsanleitung ist ausführlich und setzt astronomische Grundkenntnisse voraus. Für absolute Anfänger ist sie stellenweise schwer zugänglich, für Fortgeschrittene liefert sie die nötigen Informationen. Die AutoStar-Suite-Software ermöglicht Firmware-Updates und erweiterte Planetariumsfunktionen am PC.
Verarbeitung und erster Eindruck
Beim ersten Aufbau fällt die solide Konstruktion sofort auf. Der schwarze Tubus ist präzise gefertigt, die Korrekturplatte plan und sauber montiert. Die Gabelmontierung mit ihren 102mm Kegellagern wirkt massiv, fast schon überdimensioniert für den Tubus. Das ist ein gutes Zeichen, denn die Montierung trägt den Tubus mit deutlicher Reserve, was Vibrationen minimiert und die Nachführgenauigkeit erheblich verbessert.
Der AutoStar-II-Handcontroller liegt angenehm in der Hand. Das beleuchtete Display ist auch bei Dunkelheit gut lesbar, ohne die Dunkeladaptation zu ruinieren. Die Tasten haben einen sauberen Druckpunkt, der AutoStar II wirkt im Vergleich zu günstigeren Controllern eine Qualitätsklasse besser, auch wenn er optisch etwas in die Jahre gekommen ist.
Der Aufbau dauert beim ersten Mal etwa 25 bis 30 Minuten, weil der Handcontroller konfiguriert und das GPS-System initialisiert werden muss. Danach geht es schneller. Das Stativ lässt sich werkzeuglos verstellen, der Tubus wird mit zwei Schrauben in der Gabelhalterung fixiert. Alles wirkt für jahrzehntelangen Betrieb ausgelegt, und tatsächlich sind ältere LX200-Montierungen noch heute im Einsatz. Das Preisniveau rechtfertigt diese Erwartung, und die Verarbeitung erfüllt sie.
Montierung und Stabilität
Die LX200-Gabelmontierung ist das Herzstück des Systems. Das 146mm Schneckengetriebe in beiden Achsen arbeitet mit einem programmierbaren Smart Drive, der periodische Fehler des Getriebes kompensiert. In der Praxis bedeutet das: Nach einer kurzen Trainingsphase, bei der das System seinen eigenen Getriebefehler erlernt, sinkt der Getriebefehler spürbar, sodass es für Planeten- und kurze Deep-Sky-Fotografie ausreicht.
Die GPS-Komponente mit Level-North-Technologie übernimmt automatisch Standort, Datum und Uhrzeit. Damit entfällt die manuelle Eingabe komplett, was den Ausrichtungsvorgang deutlich vereinfacht. Nach dem Einschalten richtet der AutoStar II das Teleskop mit einem automatischen Two-Star-Alignment aus, bei dem ich nur zwei Referenzsterne bestätigen muss. Das hat in meinem Test zuverlässig funktioniert: Das GoTo landet beim 25mm Okular fast immer im Gesichtsfeld, ohne manuelle Korrekturen.
Vibrationen nach dem Berühren des Fokusknopfes klingen innerhalb von zwei Sekunden ab. Die Kegellager der Gabelmontierung schlucken die Erschütterung deutlich besser als einfache Zapfenlager, und das merkt man beim Beobachten sofort. Bei Wind ab Stärke 3 merke ich ein Rauschen im Bild, das bei 300x störend wirkt, was bei dieser Baugröße kaum vermeidbar ist.
Für Deep-Sky-Fotografie mit langen Belichtungszeiten über mehrere Minuten fehlt die parallaktische Nachführung. Die azimutale Gabelmontierung erzeugt Bildfelddrehung, die bei Lucky Imaging mit kurzen Belichtungszeiten kein Problem ist, bei Deep-Sky-Fotografie aber eine Polhöhenwiege erfordert. Das ist der größte Kompromiss dieses Systems.
Optische Leistung: Was siehst du wirklich?
Das ACF-Design mit UHTC-Vergütung ist das, was dieses Teleskop von normalen Schmidt-Cassegrain-Systemen abhebt. Die UHTC-Beschichtung (Ultra High Transmission Coatings) erhöht die Transmission auf über 96 Prozent pro Glasfläche, was in der Summe deutlich hellere Bilder ergibt. Das merkt man vor allem an schwachen Deep-Sky-Objekten, die mit dem LX200 deutlich heller wirken als mit vergleichbar großen SC-Teleskopen ohne UHTC.
Mond und Planeten
Hier zeigt das LX200 seine stärkste Seite. Am Mond erkenne ich bei 200x Krater bis hinunter zu 3 km Durchmesser, feine Rillensysteme im Mare Imbrium und die Zentralberge großer Einschlagkrater. Die langen Schatten am Terminator lassen sich bei 300x noch klarer differenzieren, was das LX200 zu einem Monderlebnis der Extraklasse macht.
Jupiter ist der Prüfstein. Bei 200x zeigt das LX200 vier bis fünf Wolkenbänder gleichzeitig, an guten Abenden sogar subtile Strukturen innerhalb der Bänder. Der Große Rote Fleck erscheint nicht als blasses Oval, sondern als deutlich rötlich-braune Ellipse mit erkennbaren Festonstrukturen an seinem Rand. Die galileischen Monde wirken als punktförmige Scheibchen statt als Lichtpunkte, und bei gutem Seeing zeigen sich Monddurchgänge als klare runde Schatten auf der Jupiterscheibe.
Saturn ist schlicht der schönste Anblick, den dieses Teleskop bietet. Die Cassini-Teilung zeigt sich bei 150x als sauber getrennte schwarze Linie, klar und ohne Verwischung, was schon bei geringerer Vergrößerung klar sichtbar ist. Bei 250x werden Bänderstrukturen auf der Planetenscheibe sichtbar, und die Encke-Teilung lässt sich an guten Beobachtungsabenden erahnen. Venus zeigt Phasen wie ein Minimond. Mars in Oppositionsnähe zeigt bei 250x beide Polkappen, dunkle Regionen wie Syrtis Major und bei sehr gutem Seeing sogar helle Wolkenstrukturen über Olympus Mons.
Deep-Sky-Objekte
Mit 203mm Öffnung und obstruktionsminimiertem ACF-Strahlengang zeigt das LX200 Deep-Sky-Objekte auf einem Niveau, das visuelle Beobachter begeistert. Kugelsternhaufen sind das deutlichste Beispiel: M13 im Hercules löst sich bei 150x bis tief in den Kern in Einzelsterne auf. Einzelsterne sind klar zu erkennen, der Kern bleibt ein heller, aber nicht mehr amorphes Leuchten. M92 und M3 zeigen dasselbe Auflösungsniveau, was an einem 6-Zoll-Teleskop schlicht nicht möglich ist.
Planetarische Nebel profitieren enorm von der langen Brennweite: M57 (Ringnebel) zeigt sich bei 200x als sauber geformter Ring, bei sehr guten Bedingungen ist der Zentralstern erkennbar. M27 (Hantelnebel) zeigt die charakteristische Doppelkegelform in voller Deutlichkeit. Offene Sternhaufen passen bei f/9,8 oft kaum ins Gesichtsfeld, deshalb nutze ich für diese Objekte immer ein 2-Zoll-Okular mit Weitwinkel.
Galaxien zeigen bei gutem Seeing und dunklem Himmel strukturelle Details: M51 (Strudelgalaxie) zeigt die Verbindungsbrücke zum Begleiter NGC 5195 als schwaches Band. M104 (Sombrero) zeigt seinen markanten Staubring als dunkle Linie. Das Auflösungsvermögen des ACF-Systems kommt dabei voll zur Geltung, weil Randsterne am Bildrand scharf und koma-frei bleiben.
Optische Schwächen
Koma am Bildrand, der klassische Fehler eines normalen SC, ist beim ACF weitgehend beseitigt. Sterne an der Gesichtsfeldgrenze zeigen keine Schweifartefakte, die ich von anderen SC-Teleskopen kenne. Chromatische Aberration gibt es bei einem reinen Spiegelsystem nicht, was das ACF zu einem optisch sehr ausgereiften Design macht.
Was bleibt, ist die Fangspiegelabschattung. Mit 203mm Öffnung und einem Fangspiegel dieser Baugröße liegt die Obstruktion bei etwa 33 Prozent der Fläche. Das kostet messbar Kontrast gegenüber einem obstruktionsfreien Refraktor gleicher Öffnung. An Planeten bei sehr hohen Vergrößerungen fehlen die letzten Prozent Kontrast, die ein 5-Zoll-APO zeigen würde. In der Praxis stört das weniger als erwartet, weil das LX200 durch die größere Öffnung trotzdem mehr Details zeigt. Spiegelshifting beim Fokussieren kommt gelegentlich vor, ist aber deutlich weniger ausgeprägt als bei älteren SC-Designs.
| Okular | Vergrößerung | Gesichtsfeld | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| 25mm (empfohlen) | 80x | 0,7° | Übersicht, Deep-Sky, GoTo-Zentrierung |
| 10mm (empfohlen) | 200x | 0,3° | Planetendetails, Kugelsternhaufen |
| 6mm (empfohlen) | 333x | 0,2° | Maximale Planetenvergrößerung |
| 5mm (bei gutem Seeing) | 400x | 0,15° | Absolute Grenze, nur unter besten Bedingungen |
Fokussierer im Detail
Das LX200 nutzt Hauptspiegelfokussierung, wie es bei Schmidt-Cassegrain-Teleskopen üblich ist. Der Fokussierknopf sitzt am hinteren Tubusende und bewegt den Hauptspiegel axial. Der Mechanismus ist mit vorgespannten Lagern ausgeführt, was Spiegelshifting deutlich reduziert gegenüber einfachen SC-Konstruktionen.
Für visuelle Beobachtung funktioniert die Fokussierung präzise und ohne merkliches Ruckeln. Ich habe beim Scharfstellen selten ein Bildzittern bemerkt, das über eine Sekunde anhält. Für Astrofotografie empfehle ich einen elektrischen Fokussiermotor, der auf den Fokussierknopf aufgesteckt wird. Das eliminiert das Berühren des Teleskops beim Scharfstellen und ist für Langzeitbelichtungen nahezu obligatorisch. Motorische Fokussierer von Baader oder JMI passen direkt auf den Fokussierknopf des LX200 und kosten 80 bis 150 Euro.
Der Backfokus ist großzügig bemessen und nimmt Off-Axis-Guider, Filterschubladen sowie DSLR-Adapter auf, ohne aus dem Fokus zu fallen. Gegenüber Newton-Reflektoren ist das ein erheblicher Vorteil, weil der SC-Anschluss beim Fotoequipment kaum Sorgen mit dem Fokus bereitet.
Astrofotografie-Eignung
Für Mond- und Planetenfotografie ist das LX200 hervorragend geeignet. Die Smart-Drive-Nachführung hält Planeten präzise im Bild, und die langen Brennweite von 2.000mm liefert auch mit einer einfachen Planetenkamera große Planetenscheiben. Lucky Imaging mit kurzen Belichtungszeiten von Millisekunden stellt keine hohen Ansprüche an die Montierung, weshalb sehr gute Planetenfotos auch ohne perfektes Polar-Alignment möglich sind.
Deep-Sky-Fotografie ist die eingeschränkte Disziplin. Die azimutale Gabelmontierung erzeugt Bildfelddrehung, die bei Belichtungszeiten über eine Minute sichtbar wird. Mit einer Polhöhenwiege lässt sich das umgehen, dieses Zubehör kostet aber mehrere hundert Euro zusätzlich. Alternativ eignet sich der Einstieg in die Astrofotografie mit kurzen gestackten Belichtungen, bei denen die Bildfelddrehung kaum stört.
Mit dem optionalen f/6,3-Fokal-Reducer von Meade verkleinert sich die effektive Brennweite auf 1.260mm und das Öffnungsverhältnis verbessert sich auf f/6,3. Das macht Deep-Sky-Objekte deutlich zugänglicher und die Belichtungszeiten um den Faktor 2,4 kürzer. Für seriöse Deep-Sky-Fotografie empfehle ich diesen Reducer als Pflichtausstattung.
Benutzerfreundlichkeit
Der größte Komfortgewinn gegenüber einfacheren GoTo-Systemen liegt im GPS. Nach dem Einschalten sucht das Sony-GPS-Modul automatisch nach Satelliten und übergibt Standort und Uhrzeit an den AutoStar II. Das dauert je nach Umgebung 30 bis 90 Sekunden. Danach folgt das automatische Alignment: Das Teleskop schwenkt auf zwei Referenzsterne, ich bestätige die Zentrierung, und das GoTo ist sofort für alle 144.000 Objekte in der Datenbank einsatzbereit.
Die "Tonight's Best"-Funktion des AutoStar II erstellt automatisch eine Tour zu den aktuell lohnendsten Objekten, was besonders für Beobachter praktisch ist, die einen Abend ohne viel Planung verbringen wollen. Die neun Schwenkgeschwindigkeiten lassen sich am Controller direkt einstellen. Das Menüsystem des AutoStar II ist tief verschachtelt und braucht einige Einarbeitungszeit. Nach zwei bis drei Abenden sitzt die Navigation, die Bedienung wird routiniert und sehr schnell.
Kollimation ist beim ACF-Design kein häufiges Thema. Das geschlossene Tubussystem schützt den Hauptspiegel vor Temperaturwechseln und Staub, und die werksseitige Justage hält deutlich länger als bei offenen Newton-Reflektoren. In meinem Test war keine Nachjustierung nötig, was das LX200 zu einem sehr wartungsarmen Teleskop macht.
Transport und Portabilität
Das LX200 ist kein Reiseteleskop. Mit Montierung, Stativ und Tubus kommt das System auf etwa 25 kg Gesamtgewicht und lässt sich nicht in einzelne Teile unter 10 kg zerlegen. Das Stativ braucht einen eigenen Transportschritt, und die Gabelmontierung mit Tubus ist ein zweiter. In einen PKW-Kofferraum passt das System, aber komfortables Herumtragen auf längeren Wegen ist das nicht.
Wer damit zur Beobachtungswiese fahren will, sollte eine Sackkarre einplanen. Für stationäre Aufstellung auf einer Terrasse oder in einem Garten-Observatorium ist das LX200 dagegen sehr gut geeignet: Es bleibt aufgebaut, schützt seine Optik durch das geschlossene SC-System vor Schmutz und kondensiert bei richtiger Lagerung nicht. Ein fester Aufstellungsplatz macht das LX200 zu einem grundlegend anderen Gerät.
Zubehör und Upgrade-Potenzial
Das Zubehör-Ökosystem um das LX200 ist umfangreich. Meade und Drittanbieter bieten alles von motorischen Fokussierern bis zu speziellen Kameraadaptern. Der SC-Anschluss ist ein Industriestandard, der direkte Kompatibilität mit Kameras, Spektrografen und Off-Axis-Guidern garantiert. Der Backfokus ist sehr großzügig: Fast kein Zubehör fällt aus dem Fokusbereich komplett heraus, was die Kombination mit umfangreichem Fotoequipment deutlich erleichtert., was die Kombination mit umfangreichem Fotoequipment deutlich erleichtert.
| Zubehör | Warum sinnvoll | Preis (ca.) |
|---|---|---|
| 25mm Weitwinkelokular (2") | 80x Übersicht, ganzes Gesichtsfeld nutzbar | 100 Euro |
| 10mm Okular (1,25") | 200x für Planeten und Kugelsternhaufen | 60 Euro |
| 6mm Okular (1,25") | 333x für maximale Planetendetails | 50 Euro |
| f/6,3 Fokal-Reducer | Kürzere Brennweite, größeres Bildfeld für Deep-Sky | 150 Euro |
| Motorischer Fokussierer | Berührungsfreies Scharfstellen für Astrofotografie | 100 Euro |
| Off-Axis-Guider | Präzises Guiding für Deep-Sky-Langzeitbelichtungen | 200 Euro |
| Guidingkamera (z.B. ZWO ASI120) | Autoguiding-Sensor für Off-Axis-Guider | 150 Euro |
| Mondfilter ND 0.9 | Blendfrei am Vollmond beobachten | 20 Euro |
| UHC-Filter (2") | Kontrastverbesserung an Emissionsnebeln | 80 Euro |
Das Upgrade-Potenzial des LX200 ist auf hohem Niveau: Wer tiefer in die Astrofotografie einsteigen will, ergänzt Off-Axis-Guider und Guidingkamera. Wer rein visuell bleibt, investiert in hochwertige Okulare und Farbfilter. Das System wächst mit den Ansprüchen mit und macht nach mehreren Jahren nicht den Eindruck, man müsse es ersetzen.
Für wen ist das Meade LX200 8" ACF?
Das LX200 richtet sich an Beobachter, die bereits Erfahrung mit GoTo-Teleskopen haben und den nächsten Schritt in der Qualität gehen wollen. Mit fast 4.000 Euro Kaufpreis und dem Bedarf an Zubehör für die Kernfunktionalität ist es kein Teleskop für den Einstieg. Wer dagegen seit Jahren mit einem kleineren Instrument beobachtet und die Grenzen der eigenen Öffnung kennt, bekommt hier einen deutlichen Sprung in Auflösung, Lichtsammelvermögen und GoTo-Komfort.
Planetenbeobachter bekommen mit diesem Teleskop das Beste, was in dieser Preisklasse ohne dedizierte Planetenoptik möglich ist. Visuelle Deep-Sky-Beobachter profitieren von der großen Öffnung und der automatischen Objektsuche. Astrofotografen müssen in Guiding-Zubehör investieren, bekommen dafür aber ein stabiles Fundament mit professionellen Schneckengetrieben.
Kauf es, wenn du ein erfahrener Beobachter bist, der ein Premium-GoTo-System mit ACF-Optik, GPS und seriöser Nachführelektronik in kompakter Bauform sucht. Kauf es nicht, wenn du primär Deep-Sky-Fotografie über mehrere Minuten Belichtungszeit betreiben willst, ohne in eine Polhöhenwiege zu investieren.
Alternativen im Vergleich
In der Preisklasse des LX200 gibt es drei direkte Vergleichskandidaten, die jeweils andere Schwerpunkte setzen. Für mich zeigen alle drei auf unterschiedliche Weise, dass das LX200 eine ganz eigene Nische besetzt.
| Modell | Öffnung | Bauart | Preis | Stärke |
|---|---|---|---|---|
| Meade LX200 8" ACF | 203 mm | ACF Schmidt-Cassegrain | 3.890 Euro | GPS, ACF-Optik, 144.000 GoTo-Objekte |
| Celestron NexStar 8 SE | 203 mm | Schmidt-Cassegrain | 2.149 Euro | 1.741 Euro günstiger, einfachere Bedienung |
| Unistellar Odyssey | 85 mm | Newton-Reflektor | 2.399 Euro | Smart-Telescope, App-gesteuert |
| Vaonis Vespera II | 50 mm | Apochromatischer Refraktor | 1.590 Euro | Vollautomatisch, Deep-Sky-Fotografie |
Das Celestron NexStar 8 SE mit identischer 203mm Öffnung kostet fast 1.750 Euro weniger. Es hat kein GPS und kein ACF-Korrektorsystem, aber für rein visuelle Beobachtung zeigt es fast dasselbe wie das LX200. Der Aufpreis beim Meade bezahlt die GPS-Ausrichtung, das 146mm Schneckengetriebe und das ACF-Design. Wer Astrofotografie betreibt, spürt den Unterschied. Wer rein visuell beobachtet, muss selbst entscheiden, ob dieser Mehrwert 1.750 Euro wert ist.
Das Unistellar Odyssey und der Vaonis Vespera II sind Smart Telescopes anderer Philosophie: App-gesteuert, ohne Okulare, für Deep-Sky-Fotografie per Stacking optimiert. Wer diesen Weg bevorzugt, kauft kein LX200. Wer am traditionellen Okularblick hängt und klare Bilder durch das Okular will, ist beim Meade besser aufgehoben.
Preis-Leistungs-Bewertung
Für 3.890 Euro bekommst du ein Premium-GoTo-System mit GPS, professionellem Schneckengetriebe und ACF-Optik, das weit über dem liegt, was günstigere GoTo-Teleskope bieten. Die Verarbeitungsqualität, die Nachführelektronik und die Langlebigkeit rechtfertigen den Preis für ernsthafte Beobachter. Das Fehlen von Okularen ist in dieser Preisklasse allerdings ein echter Mangel.
Günstiger bekommst du mit dem Celestron NexStar 8 SE fast dieselbe Öffnung für deutlich weniger Geld. Für mehr Geld gibt es parallaktische GoTo-Montierungen wie die Celestron CGX, die Deep-Sky-Fotografie ohne Polhöhenwiege ermöglichen. Das LX200 sitzt in einer Nische, die es für visuelle Beobachtung und Planetenfotografie ideal und klar positioniert, für ernsthafte Deep-Sky-Fotografie aber zu teuer und zu eingeschränkt ist.
Stärken und Schwächen
Das Meade LX200 8" ACF glänzt bei visueller Beobachtung und Planetenfotografie, zeigt aber bei Deep-Sky-Fotografie durch die azimutale Montierung klare strukturelle Grenzen.
Stärken: Das LX200 glänzt dort, wo Optik und Elektronik zusammenspielen.
- GPS-Ausrichtung mit LNT eliminiert manuelle Standort- und Zeiteneingabe
- ACF-Optik mit UHTC-Vergütung liefert koma-freie Bilder bis an den Bildrand
- 146mm Schneckengetriebe mit Smart Drive für präzise, korrigierbare Nachführung
- Großzügiger Backfokus für umfangreiches Astrofoto-Zubehör ohne Fokussorgen
- 144.000 GoTo-Objekte mit AutoStar-II-Controller und Tonight's-Best-Tour
Schwächen: Zwei Punkte sollte man vor dem Kauf kennen.
- Keine Okulare im Lieferumfang trotz Premiumpreis
- Azimutale Gabelmontierung begrenzt Deep-Sky-Fotografie auf kurze Belichtungszeiten
- Gesamtgewicht von etwa 25 kg macht mobilen Einsatz beschwerlich
- AutoStar-II-Menü veraltet und für Neueinsteiger nicht intuitiv
Mein Fazit zum Meade LX200 8" ACF
Das LX200 ist ein Instrument, das seinen Preis verdient, wenn du weißt, wofür du es kaufst. Die ACF-Optik zeigt an Planeten und Kugelsternhaufen Bilder, die mich nach Jahren der Beobachtung noch begeistern. Das GPS-gestützte GoTo funktioniert zuverlässig und spart jeden Abend wertvolle Zeit beim Aufsuchen. Wer in dieser Bauform das Beste visuell will, kauft das LX200. Mehr dazu in meiner Schmidt-Cassegrain-Kaufberatung.
Wer dagegen erwartet, damit sofort in die ernsthafte Deep-Sky-Fotografie einzusteigen, kauft an den Möglichkeiten dieses Teleskops vorbei. Die azimutale Gabelmontierung und das fehlende Okularsortiment im Lieferumfang sind Punkte, die in anderen Testberichten zu wenig offen kommuniziert werden. Mit der richtigen Erwartungshaltung ist das LX200 aber eines der besten Schmidt-Cassegrain-Teleskope, die man für unter 4.000 Euro kaufen kann.
Häufige Fragen zum Meade LX200 8" ACF
Die häufigsten Fragen, die ich zum LX200 bekomme, drehen sich um die Unterschiede zum normalen SC-Design, die Astrofotografie-Eignung und die Montierung. Hier die wichtigsten Antworten auf einen Blick.
Lohnt sich das Meade LX200 8" ACF für Einsteiger?
Nein, das LX200 ist kein Einsteigerteleskop. Mit einem Preis von knapp 3.900 Euro und einer Lernkurve, die Erfahrung mit GoTo-Ausrichtung, Kollimation und optionalem Guiding voraussetzt, richtet es sich klar an Fortgeschrittene und Experten. Wer sich die Grundlagen angeeignet hat und jetzt in die Premium-Klasse wechseln will, ist hier richtig. Mehr dazu findest du in meinem Abschnitt "Für wen ist das LX200?" und zur Benutzerfreundlichkeit.
Was kann ich mit dem Meade LX200 8" ACF beobachten?
Mit 203mm Öffnung und dem ACF-Korrektorsystem zeigt das LX200 an Planeten eine Stufe mehr als kleinere Schmidt-Cassegrain-Teleskope. Jupiter gibt vier bis fünf Wolkenbänder und den Großen Roten Fleck als farbiges Oval preis, Saturn zeigt die Cassini-Teilung scharf und sauber getrennt. An M13 lösen sich die Sterne bis in den Kern auf. Bei Deep-Sky-Objekten profitierst du von der großen Lichtstärke und dem koma-freien Strahlengang. Die genauen Beobachtungsergebnisse beschreibe ich im Abschnitt zur optischen Leistung.
Welches Zubehör sollte ich zum Meade LX200 dazukaufen?
Im Lieferumfang fehlen Okulare vollständig. Für den Einstieg empfehle ich ein 25mm Okular für Übersicht (80x), ein 10mm für Planeten bei 200x und ein 6mm für maximale Vergrößerung bei gutem Seeing. Wer Astrofotografie betreibt, braucht zusätzlich Off-Axis-Guider plus Guidingkamera sowie einen Fokal-Reducer auf f/6,3. Alle Empfehlungen mit Preisen stehen in meiner Zubehörtabelle.
Wo kann ich das Meade LX200 am günstigsten kaufen?
Das Meade LX200 8" ACF kostet aktuell 3.890 Euro bei astroshop.de und ist dort auf Lager mit Versand innerhalb von 24 Stunden. In dieser Preisklasse empfiehlt sich der Kauf beim Fachhändler, weil Garantieabwicklung und Beratung einen echten Mehrwert haben. Die Preise schwanken bei Premium-GoTo-Teleskopen kaum zwischen seriösen Händlern. Mehr zur Preiseinordnung findest du im Abschnitt Preis-Leistungs-Bewertung.
Wie gut ist das LX200 für Astrofotografie geeignet?
Sehr gut für Planeten, eingeschränkt für Deep Sky. Die Smart-Drive-Nachführung hält Planeten präzise im Bild, und Lucky Imaging stellt keine hohen Ansprüche an die Montierung. Für Deep-Sky-Fotografie mit Langzeitbelichtungen fehlt die parallaktische Nachführung. Mit dem optionalen f/6,3-Fokal-Reducer und kurzen gestackten Belichtungen lassen sich aber auch Deep-Sky-Objekte fotografieren. Den vollständigen Abschnitt findest du bei der Astrofotografie-Eignung.
Was ist der Unterschied zwischen ACF und normalem Schmidt-Cassegrain?
Das ACF-System (Advanced Coma-Free) ersetzt den sphärischen Sekundärspiegel eines klassischen SC durch einen speziell korrigierten Spiegel. Koma am Bildrand wird dadurch eliminiert, was besonders bei Astrofotografie mit größeren Sensoren sichtbar wird. Das Ergebnis ist ein flacheres Bildfeld und schärfere Sterne bis in die Ecken. Visuell fällt der Unterschied bei Planeten kaum auf, bei Deep-Sky-Fotografie mit Vollformat- oder APS-C-Sensoren ist das ACF-System klar überlegen.