Zodiakallicht als heller Lichtkegel über dem westlichen Horizont nach Sonnenuntergang

Zodiakallicht beobachten: So erkennst du das kosmische Lichtband

Das Zodiakallicht gehört zu den Erscheinungen, von denen viele Hobbyastronomen jahrelang hören, ohne sie je selbst gesehen zu haben. Nicht weil es so schwer zu sehen wäre, sondern weil die meisten Beobachtungsstandorte schlicht zu hell für dieses Phänomen sind.

Dieser Ratgeber zeigt dir, was das Zodiakallicht ist, wann und wo du es in Deutschland siehst, wie du es fotografierst und was der Gegenschein damit zu tun hat. Was du dabei nicht brauchst, ist ein Teleskop - und das ist einer der ungewöhnlichsten Aspekte dieser Beobachtung überhaupt.

Auf einen Blick

  • Das Zodiakallicht ist ein diffuser Lichtkegel entlang der Ekliptik, der durch Sonnenlichtreflexion an interplanetarem Staub entsteht und mit bloßem Auge sichtbar ist.
  • Die besten Bedingungen herrschen in Deutschland im Frühjahr abends im Westen und im Herbst morgens im Osten an Standorten mit Bortle-Klasse 3 oder besser.
  • Ich erkläre, wie du es fotografierst, was der Gegenschein ist und welche Fehler die meisten Beobachter beim ersten Versuch machen.

Was ist das Zodiakallicht?

Das Zodiakallicht ist ein blasses, diffuses Leuchten, das entlang der Ekliptik verläuft - also entlang der scheinbaren Bahn der Sonne durch die Tierkreissternbilder. Es entsteht, weil sich im inneren Sonnensystem eine dünne Scheibe aus interplanetarem Staub befindet, hauptsächlich aus Trümmern von Asteroiden und Kometen. Dieses Staubband reflektiert das Sonnenlicht und macht es als schwaches Lichtband sichtbar.

Der Name leitet sich vom Tierkreis (Zodiakus) ab, dem Gürtel von zwölf Sternbildern, durch die Sonne, Mond und Planeten ziehen. Das Zodiakallicht folgt exakt dieser Route am Himmel. Am hellsten ist es in der Nähe des Horizonts, direkt über dem Punkt, an dem die Sonne kurz zuvor untergegangen ist - dort steht es so nahe zur Sonne, dass die Staubdichte besonders hoch erscheint.

Häufig wird das Zodiakallicht mit der Milchstraße verwechselt, aber die beiden Erscheinungen unterscheiden sich klar. Die Milchstraße ist das Lichtband unserer eigenen Galaxis, verläuft als breites, strukturiertes Band quer über den Himmel und hat eine andere Ausrichtung als die Ekliptik. Das Zodiakallicht dagegen ist schmaler, gleichmäßiger und leicht gelblich - und es verläuft immer entlang der Planetenbahn am Himmel, nicht quer dazu.

Wann und wo du das Zodiakallicht siehst

Das Zodiakallicht ist nicht ganzjährig gleich gut sichtbar - der entscheidende Faktor ist die Neigung der Ekliptik gegenüber dem Horizont. Je steiler die Ekliptik über dem Horizont steht, desto höher ragt der Lichtkegel in den Himmel und desto leichter ist er vom Horizontdunst zu trennen.

In Deutschland gibt es zwei bevorzugte Fenster:

  • Frühling, abends im Westen: Von Februar bis April steht die Ekliptik nach Sonnenuntergang steil über dem Westhorizont. Das Zodiakallicht zeigt sich als heller Kegel, der deutlich über den Horizont ragt. Die beste Zeit ist etwa 100 bis 140 Minuten nach Sonnenuntergang, wenn die astronomische Dämmerung abgeschlossen ist.
  • Herbst, morgens im Osten: Von September bis November gilt das Gleiche vor Sonnenaufgang - die Ekliptik steht steil über dem Osthorizont, und der Lichtkegel zeigt sich etwa 90 bis 120 Minuten vor Sonnenaufgang (mit Beginn der astronomischen Morgendämmerung).

Ein dunkler Standort ist keine Option, sondern absolute Grundvoraussetzung dafür. Unter Bortle 4 oder schlechter ist das Zodiakallicht in Deutschland praktisch nicht erkennbar - es ertrinkt im Schleier der Lichtverschmutzung. Bortle 3 ist das Minimum, Bortle 2 oder 1 ist ideal. Wie du einen geeigneten Beobachtungsort findest und welche Orte in Süddeutschland infrage kommen, zeigt der Ratgeber zur Lichtverschmutzung mit einer Übersicht dunkler Standorte.

Der Mond spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. In Vollmondnächten ist das Zodiakallicht nicht sichtbar - das Mondlicht überstrahlt es vollständig. Die besten Nächte sind die Tage rund um Neumond und die Tage danach, wenn der Mond früh untergeht oder erst spät aufgeht und der Himmel wirklich dunkel wird. Wie stark der Standort die Beobachtung beeinflusst, erkläre ich im Ratgeber zur Lichtverschmutzung mit konkreten Standorttipps für Deutschland.

Zodiakallicht beobachten - Tipps

Der größte Fehler bei der ersten Beobachtung ist mangelnde Dunkeladaption. Das Auge braucht mindestens 20 bis 30 Minuten, um sich vollständig an die Dunkelheit zu gewöhnen - und in dieser Zeit darf kein helles Licht ins Auge fallen. Kein Smartphone-Display, kein Autoscheinwerfer, kein helles Stirnlampenicht. Wer die Dunkeladaption abbricht und neu beginnt, verliert wertvolle Minuten.

Für die Beobachtung selbst gilt:

  • Freier Horizont in der Blickrichtung: Im Frühjahr nach Westen, im Herbst nach Osten. Bäume, Gebäude oder Hügel in dieser Richtung verdecken gerade den wichtigsten Teil des Lichtkegels.
  • Schaurichtung gegen die Ekliptik: Wer weiß, wo die Planeten stehen, kennt die Ekliptik. Das Zodiakallicht erstreckt sich genau in diese Richtung.
  • Averted Vision nutzen: Indirektes Sehen - also leicht an dem Bereich vorbeischauen - macht das Zodiakallicht oft deutlicher sichtbar, weil die lichtempfindlicheren Stäbchen am Rand der Netzhaut aktiviert werden.
  • Kein Teleskop, kein Fernglas: Beide Instrumente verkleinern das Gesichtsfeld und lassen das flächige Leuchten verschwinden. Das bloße Auge ist das richtige Instrument für dieses Phänomen.

Ein Trick, der mir oft hilft: Ich halte eine Hand so, dass sie einen störenden Lichtpunkt am Horizont abdeckt, und beobachte, was dahinter sichtbar wird. Wenn ein blasser Kegel erkennbar bleibt und in Richtung der Ekliptik zeigt, ist es sehr wahrscheinlich das Zodiakallicht.

Zodiakallicht fotografieren

Die Fotografie des Zodiakallichts funktioniert mit vergleichsweise einfacher Ausrüstung - aber die Einstellungen müssen stimmen. Ein Stativ, eine Kamera mit manuellen Einstellmöglichkeiten und ein Weitwinkelobjektiv sind das Minimum. Vollformatkameras eignen sich besser als Crop-Sensoren, weil sie bei hohen ISO-Werten ein besseres Signal-Rausch-Verhältnis und somit weniger Bildrauschen bieten.

Bewährte Einstellungen für die erste Aufnahme:

  • Brennweite: 14 bis 24mm, um den gesamten Lichtkegel vom Horizont aus im Bild zu haben
  • Blende: Weitest möglich, typischerweise f/2.8 bis f/1.8
  • ISO: 1600 bis 3200, je nach Kamerarauschen
  • Belichtungszeit: 15 bis 20 Sekunden - bei längeren Zeiten entstehen Sternstriche, die das diffuse Licht überlagern
  • Format: Immer RAW, nicht JPEG - die Nachbearbeitung ist entscheidend für das Ergebnis

In der Nachbearbeitung hilft es, die Weißabgleich-Temperatur leicht in Richtung warm zu verschieben. Das Zodiakallicht hat einen leicht gelblichen Farbton - das Ergebnis wirkt dadurch natürlicher als bei einer neutralen oder kalten Verarbeitung. Wer mehr über Astrofotografie wissen will, findet im Ratgeber zum Einstieg in die Astrofotografie eine vollständige Anleitung zu Stativ-Aufnahmen, RAW-Entwicklung und der richtigen Vorbereitung einer Nacht am Teleskop.

Eine Besonderheit beim Fotografieren des Zodiakallichts: Der Horizont gehört ins Bild. Viele Astrofotografen fotografieren bewusst ohne Horizont, weil Horizontstrukturen ablenken - beim Zodiakallicht ist der Horizont aber ein wichtiger Anker, der zeigt, wo der Lichtkegel beginnt und wie hoch er aufsteigt. Außerdem hilft ein erkennbarer Vordergrund dem Bildkomposition und dem Kontext.

Wer sich für Weitwinkelfotografie des Nachthimmels interessiert - und dabei auch die Milchstraße erfassen will - findet weitere Techniken und Standorttipps im Ratgeber zur Milchstraßen-Fotografie.

Gegenschein und Zodiakalband

Das Zodiakallicht ist die bekannteste Erscheinung der interplanetaren Staubscheibe - aber nicht die einzige. Wer unter wirklich exzellenten Bedingungen beobachtet, kann noch zwei weitere Phänomene entdecken, die noch schwächer und noch seltener gesehen werden.

Der Gegenschein (englisch: Gegenschein, wird international so bezeichnet) ist ein ovaler, diffuser Lichtfleck am Himmel genau gegenüber der Sonne. Er entsteht durch dasselbe Prinzip wie das Zodiakallicht - Reflexion an interplanetarem Staub - aber weil der Beobachter beim Gegenschein genau zwischen Sonne und Staub steht, trifft das Licht im direkten Rückstreuwinkel auf das Auge. Diese Opposition-Aufhellung macht den Gegenschein etwas heller als das umliegende Zodiakallicht.

In der Praxis ist der Gegenschein extrem schwach und nur unter Bortle 2 oder besser erkennbar. Er ist kleiner als die meisten erwarten - etwa 10 Grad breit und 5 Grad hoch, also in etwa die Größe der Faust auf Armeslänge. Meine erste sichere Sichtung gelang mir im Hochgebirge auf über 2.000 Meter Höhe, fernab jeder Ortschaft, in einer mondlosen Herbstnacht - und selbst dann brauchte ich mehrere Minuten indirektes Sehen, bis ich sicher war.

Das Zodiakalband verbindet Zodiakallicht und Gegenschein als schwaches, kaum erkennbares Lichtband entlang der gesamten Ekliptik. Es zieht sich als hauchdünne Aufhellung über den ganzen Himmel und ist das schwächste der drei Phänomene. Wer es sehen will, braucht Bortle 1, absolute Dunkeladaption und viel Geduld.

Ich habe es bisher einmal gesehen - an einem der besten Standorte in Europa für Dunkelheit, im Rahmen einer Astro-Reise auf eine kaum besiedelte Insel. Es war ein schmales Leuchten, kaum heller als der Himmelshintergrund, aber eindeutig entlang der Ekliptik.

Häufige Fragen zum Zodiakallicht

Die wichtigsten Fragen rund um das Zodiakallicht mit direkten Antworten ohne Umwege.

Was ist der Unterschied zwischen Zodiakallicht und Milchstraße?

Das Zodiakallicht verläuft entlang der Ekliptik und entsteht durch Staubpartikel im Sonnensystem, während die Milchstraße das Lichtband unserer gesamten Galaxie ist. Beide sind flächige Leuchterscheinungen, aber ihre Ausrichtung am Himmel ist verschieden - das Zodiakallicht folgt den Planeten, die Milchstraße nicht. Mehr dazu im Abschnitt "Was ist das Zodiakallicht?".

Wann siehst du das Zodiakallicht in Deutschland?

Am besten im Frühjahr (Februar bis April) nach Sonnenuntergang im Westen und im Herbst (September bis November) vor Sonnenaufgang im Osten - jeweils an mondlosen Nächten an einem dunklen Standort mit Bortle 3. Alle Details stehen im Abschnitt "Wann und wo du das Zodiakallicht siehst".

Brauche ich ein Teleskop für das Zodiakallicht?

Nein - das Zodiakallicht ist ein flächiges Leuchten, das du ausschließlich mit bloßem Auge oder per Weitwinkelkamera beobachtest. Ein Teleskop würde den Bildausschnitt zu stark einengen und das Phänomen verschwinden lassen. Schau dir dazu den Bereich "Zodiakallicht beobachten - Tipps" an.

Wie hell ist das Zodiakallicht?

Die Flächenhelligkeit entspricht in etwa der der Milchstraße - also sehr schwach, aber mit bloßem Auge erkennbar. Unter Bortle 4 oder schlechter ist es in Deutschland nicht mehr wahrnehmbar. Mehr dazu im Abschnitt "Wann und wo du das Zodiakallicht siehst".

Was ist der Gegenschein?

Der Gegenschein ist ein ovaler Lichtfleck genau am Gegenpunkt der Sonne - ebenfalls durch interplanetaren Staub, aber durch Rückstreuung etwas heller als das umgebende Zodiakallicht. Er ist nur unter Bortle 2 sichtbar. Alle Details findest du im Abschnitt "Gegenschein und Zodiakalband".

Kann ich das Zodiakallicht fotografieren?

Ja - mit Stativ, Weitwinkelobjektiv (14-24mm), ISO 1600 bis 3200 und 15 bis 20 Sekunden Belichtungszeit im RAW-Format. An einem dunklen Standort ist das Ergebnis überraschend deutlich und bildwürdig. Die vollständige Anleitung steht im Abschnitt "Zodiakallicht fotografieren".