Verschiedene Suchertypen nebeneinander: optischer 8x50-Sucher, Leuchtpunktsucher und Telrad

Sucher fürs Teleskop: Optisch, Leuchtpunkt oder Telrad?

Ohne Sucher ist das Teleskop blind. Du siehst durch das Okular nur einen winzigen Himmelsausschnitt von vielleicht einem Grad und hast keine Chance, ein bestimmtes Objekt gezielt zu finden. Ich habe bei meinen allerersten Beobachtungsversuchen zehn Minuten gebraucht, um den Mond zu finden, und der ist wirklich nicht schwer zu übersehen.

Der Sucher gibt dir den Überblick. Er zeigt ein größeres Feld als das Teleskop und ermöglicht es dir, Objekte gezielt anzuvisieren. Aber welcher Suchertyp passt zu dir? In diesem Ratgeber vergleiche ich die drei Haupttypen, erkläre die Justage und helfe dir bei der Entscheidung.

Auf einen Blick

  • Der Sucher zeigt ein größeres Himmelsfeld als das Teleskop und ist für das Auffinden von Objekten unverzichtbar.
  • Die drei Haupttypen sind optischer Sucher (vergrößernd), Leuchtpunktsucher (1x, roter Punkt) und Telrad (1x, drei Kreise).
  • Die korrekte Justage des Suchers ist entscheidend. Ein dejustierter Sucher zeigt woanders hin als das Teleskop.

Warum ein Sucher unverzichtbar ist

Ein Teleskop bei 100x Vergrößerung zeigt etwa 0,5 bis 1 Grad Himmel. Das bloße Auge sieht dagegen über 100 Grad auf einmal. Zwischen diesen beiden Extremen klafft eine Lücke, die der Sucher überbrückt. Ein optischer 8x50-Sucher zeigt etwa 6 Grad, ein Leuchtpunktsucher das gesamte Gesichtsfeld deines Auges mit einem markierten Zentrum.

Auch bei GoTo-Teleskopen brauchst du einen Sucher. Das initiale Alignment verlangt, dass du helle Referenzsterne genau ins Zentrum des Okulars bringst. Ohne Sucher ist das ein mühsames Ratespiel. Star-Hopping, die Methode zum manuellen Auffinden von Deep-Sky-Objekten, funktioniert sogar ausschließlich über den Sucher. Du springst von Stern zu Stern, bis du dein Ziel im Sucherfernrohr siehst.

Suchertypen im Vergleich

Suchertypen im Vergleich
Typ Vergrößerung Gesichtsfeld Grenzgröße Gewicht Preis-Range Bester Einsatz
Optisch 6x30 6x ca. 7 Grad ca. 9 mag 200-250 g 15-40 Euro Einsteigerteleskope
Optisch 8x50 8x ca. 6 Grad ca. 10 mag 300-400 g 30-80 Euro Deep-Sky Star-Hopping
Optisch 9x50 RACI 9x ca. 5 Grad ca. 10,5 mag 350-450 g 60-120 Euro Komfortable Deep-Sky-Suche
Leuchtpunktsucher 1x (keine) Unbegrenzt Wie bloßes Auge 50-80 g 15-30 Euro Schnelles Ausrichten, Einsteiger
Telrad 1x (keine) Unbegrenzt Wie bloßes Auge ca. 200 g 40-50 Euro Star-Hopping, Dobson

Wann welchen Sucher wählen?

Die Wahl hängt von deinem Beobachtungsstil und deiner Erfahrung ab. Hier sind die typischen Szenarien, die ich aus meiner eigenen Praxis kenne.

Als Einsteiger ist der Leuchtpunktsucher die unkomplizierteste Wahl. Du schaust mit beiden Augen offen auf den Himmel und legst den roten Punkt auf dein Ziel. Kein umgedrehtes Bild, keine Verwirrung. Für Mond, Planeten und helle Objekte reicht das völlig aus.

Für ernsthafte Deep-Sky-Beobachtung per Star-Hopping führt kein Weg an einem optischen 8x50-Sucher vorbei. Er zeigt Sterne bis zur 10. Größe, was dir ermöglicht, auch in sternarmen Regionen die Sternmuster zu erkennen, die dich zum Ziel führen. Ein RACI-Modell mit 90-Grad-Einblick und aufrechtem Bild ist dabei deutlich bequemer.

Dobson-Beobachter profitieren am meisten von der Kombination Telrad plus optischer Sucher. Der Telrad gibt die grobe Richtung vor, der optische Sucher ermöglicht die Feinnavigation. Diese Doppelkombination ist unter erfahrenen Deep-Sky-Beobachtern der absolute Standard.

Für die Astrofotografie brauchst du einen beleuchteten Fadenkreuzsucher. Das beleuchtete Fadenkreuz hilft beim exakten Zentrieren von Leitsternen für das Autoguiding. Ein 50mm-Sucher mit beleuchtetem Doppelfahdenkreuz ist dafür die gängige Wahl.

Sucher justieren

Ein dejustierter Sucher zeigt in eine andere Richtung als das Teleskop und ist damit nutzlos. Die Justage ist einfach und folgt immer dem gleichen Ablauf. Ich empfehle, die Grundjustage bei Tag an einem terrestrischen Objekt vorzunehmen.

  • Teleskop auf entferntes Objekt richten: Wähle ein markantes Objekt in mindestens 500 Metern Entfernung. Kirchturmspitzen, Antennen oder Schornsteine eignen sich gut. Zentriere es im Okular des Teleskops.
  • Durch den Sucher schauen: Das gleiche Objekt sollte auch im Sucher sichtbar sein, sitzt aber wahrscheinlich nicht im Zentrum.
  • Justierschrauben anpassen: Drei Schrauben an der Sucherhalterung bewegen den Sucher in zwei Achsen. Drehe an den Schrauben, bis das Objekt im Zentrum des Sucher-Fadenkreuzes steht.
  • Bei Nacht an hellem Stern kontrollieren: Richte das Teleskop auf einen hellen Stern und prüfe, ob er auch im Sucher zentriert ist.
  • Bei Bedarf nachjustieren: Transport und Temperaturschwankungen können die Justage leicht verschieben. Eine kurze Kontrolle am Anfang jeder Nacht dauert nur eine Minute.

Häufige Fragen

Die wichtigsten Aspekte im Überblick.

Reicht der mitgelieferte Sucher?

Bei den meisten Einsteiger-Teleskopen wird ein 5x24-Sucher mitgeliefert, der schwach vergrößert und ein enges Gesichtsfeld zeigt. Für die ersten Nächte reicht das, aber sobald du Deep-Sky-Objekte per Star-Hopping finden willst, stößt du schnell an Grenzen. Ein Upgrade auf einen 8x50-Sucher oder ein Telrad lohnt sich.

Kann ich zwei Sucher gleichzeitig nutzen?

Ja, und das ist sogar eine sehr bewährte Kombination. Viele erfahrene Beobachter nutzen einen Telrad für die grobe Ausrichtung und ein optisches Sucherfernrohr für die Feinnavigation. Beide werden parallel auf dem Tubus montiert und ergänzen sich perfekt.

Leuchtpunkt oder optischer Sucher: Was ist einfacher?

Der Leuchtpunktsucher ist für absolute Einsteiger am einfachsten, weil du mit beiden Augen offen schaust und den roten Punkt direkt auf das Ziel legst. Der optische Sucher zeigt ein umgedrehtes Bild, was anfangs verwirrend ist. Für den Einstieg empfehle ich den Leuchtpunktsucher, für Deep-Sky-Beobachtung den optischen.

Was ist ein RACI-Sucher?

RACI steht für Right Angle Correct Image. Das ist ein optischer Sucher mit eingebautem Amici-Prisma, der ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild zeigt. Der 90-Grad-Einblick ist beim Beobachten in Zenitnähe deutlich bequemer als ein gerader Sucher. RACI-Sucher sind teurer, aber der Komfortgewinn ist erheblich.

Wie oft muss ich den Sucher nachjustieren?

Nach dem ersten Justieren bleibt ein guter Sucher in der Regel über viele Nächte korrekt ausgerichtet. Beim Transport kann sich die Justage allerdings verstellen. Ich kontrolliere die Ausrichtung am Anfang jeder Beobachtungsnacht kurz an einem hellen Stern. Das dauert nur eine Minute.