Blick durch einen beleuchteten Polsucher mit Polaris auf der Kreismarkierung

Polsucher: Einnordung einfach und präzise erklärt

Ohne saubere Polausrichtung driftet jedes Foto nach wenigen Sekunden. Die Sterne werden zu Strichen, und die Nacht war umsonst. Der Polsucher ist ein kleines, aber entscheidendes Werkzeug, das die Einnordung deiner parallaktischen Montierung einfach und präzise macht. Ich nutze meinen Polsucher bei jedem einzelnen Aufbau.

In diesem Ratgeber erkläre ich dir, wie der Polsucher funktioniert, wie du ihn justierst und Schritt für Schritt einsetzt. Außerdem vergleiche ich den klassischen optischen Polsucher mit modernen elektronischen Alternativen, die gerade in der Astrofotografie-Community immer beliebter werden.

Auf einen Blick

  • Der Polsucher ist ein kleines beleuchtetes Teleskop in der RA-Achse deiner Montierung, das die Ausrichtung auf den Himmelspol ermöglicht.
  • Du positionierst Polaris auf einer Kreismarkierung im Fadenkreuz, und die Montierung zeigt dann genau auf den Himmelsnordpol.
  • Die erreichbare Genauigkeit liegt bei 2 bis 5 Bogenminuten, was für Astrofotografie mit Guiding ausreichend ist.

Was ist ein Polsucher?

Der Polsucher sitzt in der hohlen Rektaszensionsachse deiner parallaktischen Montierung. Er ist ein kleines Teleskop mit einem beleuchteten Fadenkreuz, das ein Sternmuster oder einen Kreis zeigt. Der entscheidende Trick: Du positionierst nicht das Teleskop auf Polaris, sondern die gesamte Montierungsachse. Wenn Polaris korrekt auf der Kreismarkierung sitzt, zeigt die RA-Achse exakt auf den Himmelspol.

Warum steht Polaris nicht einfach im Zentrum? Weil der Polarstern nicht exakt am Himmelsnordpol steht, sondern mit etwa 0,7 Grad Abstand um ihn kreist. Die Position auf dem Kreis ändert sich mit der Uhrzeit und dem Datum. Deshalb zeigt das Fadenkreuz im Polsucher einen kleinen Kreis, auf dem du Polaris je nach aktueller Position an die richtige Stelle setzen musst.

Polsucher einsetzen: Schritt für Schritt

Die Einnordung mit dem Polsucher folgt immer dem gleichen Ablauf. Ich mache das inzwischen in weniger als fünf Minuten, aber am Anfang darfst du dir ruhig mehr Zeit nehmen.

  • Montierung grob nach Norden ausrichten: Stell das Stativ so auf, dass die Markierung am Stativkopf nach Norden zeigt. Ein Kompass oder die Nordrichtung per Smartphone reichen für den Anfang.
  • Polhöhe auf Breitengrad einstellen: Die Polhöhe entspricht deinem geografischen Breitengrad. In Deutschland sind das etwa 48 bis 54 Grad. Die Skala an der Montierung zeigt den Wert an.
  • Beleuchtung einschalten: Die rote LED im Polsucher beleuchtet das Fadenkreuz. Die Helligkeit sollte so niedrig wie möglich sein, damit du die Sterne im Hintergrund noch siehst.
  • Polaris im Polsucher finden: Schau durch den Polsucher und drehe die Montierung, bis Polaris im Gesichtsfeld auftaucht. Bei grob korrekter Aufstellung sollte er bereits sichtbar sein.
  • Aktuelle Position bestimmen: Eine App wie Synscan oder Polar Scope Align zeigt dir, wo Polaris gerade auf dem Kreis im Fadenkreuz stehen muss. Die Position hängt von Uhrzeit und Datum ab.
  • Azimut und Polhöhe feinjustieren: Mit den Feinbewegungsschrauben der Montierung schiebst du Polaris auf die korrekte Position auf der Kreismarkierung. Azimut dreht links/rechts, Polhöhe kippt hoch/runter.
  • Kontrollblick: Abschließend prüfe ich, ob Polaris noch an der richtigen Stelle sitzt. Manchmal verschiebt sich die Montierung beim Festziehen der Schrauben minimal.

Polsucher justieren

Bevor der Polsucher zuverlässig funktioniert, muss seine optische Achse mit der RA-Achse der Montierung übereinstimmen. Bei neuen Montierungen ist das oft nicht perfekt ab Werk justiert. Die Justage machst du am besten bei Tag an einem entfernten Objekt.

Richte den Polsucher auf einen markanten Punkt in der Ferne, zum Beispiel eine Kirchturmspitze oder einen Schornstein. Das Objekt sollte im Zentrum des Fadenkreuzes stehen. Jetzt drehst du die RA-Achse um 180 Grad. Wenn das Objekt aus dem Zentrum wandert, ist der Polsucher dejustiert. Mit den kleinen Justierschrauben am Polsucher korrigierst du die Abweichung um die Hälfte. Dann wiederholst du den Drehtest, bis das Objekt beim Drehen im Zentrum stehen bleibt.

Optisch vs elektronisch

Optischer vs elektronischer Polsucher
Merkmal Optisch (klassisch) Elektronisch (Software)
Genauigkeit 2-5 Bogenminuten unter 1 Bogenminute
Preis 30-80 Euro (oft im Lieferumfang) Kamera + Software (ab 150 Euro)
Voraussetzung Sicht auf Polaris Kamera am Teleskop, beliebige Sterne
Lernkurve Einfach nach Übung Software-Einarbeitung nötig
Beispiele SynScan-Polsucher, Skywatcher Polsucher SharpCap Polar Align, ASIAIR

Der klassische Polsucher reicht für die meisten Anwendungsfälle vollkommen aus. Wenn du mit Autoguiding fotografierst, kompensiert der Guider die Restfehler der Einnordung. Die elektronische Polausrichtung über Software wie SharpCap oder ASIAIR erreicht bessere Genauigkeiten und funktioniert auch ohne Sicht auf Polaris. Dafür brauchst du eine Kamera am Teleskop und einen Laptop oder ASIAIR-Controller.

Für rein visuelle Beobachtung mit GoTo ist der optische Polsucher mehr als ausreichend. Die Investition in elektronische Polausrichtung lohnt sich erst, wenn du regelmäßig Astrofotografie betreibst und ohne Autoguiding längere Belichtungszeiten erreichen willst.

Häufige Fragen

Die wichtigsten Aspekte im Überblick.

Wie genau muss die Einnordung sein?

Das hängt vom Einsatzzweck ab. Für visuelle Beobachtung mit GoTo reichen 1 bis 2 Grad Genauigkeit. Für Astrofotografie ohne Guiding brauchst du 5 Bogenminuten oder besser. Mit Autoguiding reichen 10 bis 15 Bogenminuten, weil der Guider die Restfehler korrigiert.

Funktioniert der Polsucher auch auf der Südhalbkugel?

Das Prinzip funktioniert, aber du brauchst einen Polsucher mit Fadenkreuz für Sigma Octantis statt Polaris. Sigma Octantis ist mit Magnitude 5,5 deutlich schwächer als Polaris und unter aufgehelltem Himmel kaum zu sehen. Viele Südhalbkugel-Beobachter nutzen deshalb elektronische Polausrichtung.

Brauche ich eine Polsucher-App?

Nicht zwingend, aber eine App macht es einfacher. Der Polarstern kreist mit etwa 0,7 Grad Abstand um den Himmelspol. Die App zeigt dir, wo Polaris gerade auf dem Kreis steht, so dass du ihn an die richtige Stelle im Fadenkreuz setzen kannst. Synscan und Polar Scope Align sind bewährte kostenlose Apps.

Was tun, wenn Polaris verdeckt ist?

Dann brauchst du eine Alternative. Die elektronische Polausrichtung über SharpCap oder den ASIAIR Polar Alignment funktioniert ohne Sicht auf Polaris, weil sie die Abweichung über beliebige Sterne berechnet. Als klassische optische Alternative ohne Sicht auf Polaris eignet sich die Scheiner-Methode (Einscheinern, auch Drift-Methode).

Kann ich den Polsucher nachrüsten?

Bei vielen Montierungen ja. EQ5, HEQ5 und EQ6 haben standardmäßig eine Bohrung in der RA-Achse für den Polsucher. Manche günstigere Montierungen haben keine Aufnahme, dann funktioniert ein externes Polsucher-Teleskop als Alternative.