Nachthimmel mit Großem Wagen und Linie zum Polarstern, beschriftet

Polarstern finden: So findest du den Nordstern am Himmel

Der Polarstern war jahrtausendelang der wichtigste Fixpunkt am Himmel. Seefahrer haben nach ihm navigiert, Wüstenreisende sich an ihm orientiert. Für mich als Teleskopbesitzer ist er immer noch unverzichtbar, weil ich ihn zum Einnorden meiner parallaktischen Montierung brauche. Ohne den Polarstern funktioniert keine präzise Nachführung.

In diesem Ratgeber zeige ich dir zwei einfache Methoden, um den Polarstern zu finden. Ich erkläre dir, warum er so besonders ist und warum er seinen Status als Nordstern nicht für immer behalten wird.

Auf einen Blick

  • Der Polarstern (Polaris) steht im Sternbild Kleiner Bär und markiert fast exakt den Himmelsnordpol.
  • Du findest ihn am einfachsten über die hinteren Kastensterne des Großen Wagens.
  • Für Teleskopbesitzer ist er unverzichtbar zum Einnorden jeder parallaktischen Montierung.

So findest du den Polarstern

Den Polarstern zu finden ist einfacher als die meisten denken. Du brauchst keine App, keinen Kompass und keine Sternkarte. Eine der beiden folgenden Methoden funktioniert in jeder klaren Nacht, weil beide Ausgangssternbilder zirkumpolar sind und immer über dem Horizont stehen.

Methode 1: Über den Großen Wagen

Suche den Großen Wagen am nördlichen Himmel. Seine sieben hellen Sterne in der typischen Wagenform sind auch aus der Stadt leicht erkennbar. Konzentriere dich auf die zwei hinteren Kastensterne: Merak (unten) und Dubhe (oben). Verlängere die Linie von Merak durch Dubhe nach oben. In etwa fünfmal dem Abstand zwischen diesen beiden Sternen triffst du auf einen mittelshellen Stern, der allein steht. Das ist der Polarstern.

Die Methode funktioniert zu jeder Jahreszeit, weil der Große Wagen von Deutschland aus nie untergeht. Im Frühling steht er hoch über dem Polarstern, im Herbst tiefer darunter. Die Richtung der Verlängerung ändert sich also mit der Jahreszeit, aber das Prinzip bleibt immer gleich.

Methode 2: Über Kassiopeia

Wenn der Große Wagen tief am Horizont steht oder durch Bäume verdeckt ist, hilft Kassiopeia. Sie steht auf der gegenüberliegenden Seite des Polarsterns und ist als markantes W (oder M, je nach Stellung) erkennbar. Verbinde den mittleren Stern des W mit dem Stern am oberen Ende des steileren Schenkels. Verlängere diese Linie in gleicher Richtung und du triffst auf den Polarstern.

In der Praxis nutze ich meist den Großen Wagen, weil die Methode intuitiver ist. Kassiopeia ist aber die perfekte Absicherung, besonders im Herbst, wenn der Große Wagen tief im Norden steht und Kassiopeia hoch am Himmel über dem Polarstern.

Steckbrief Polarstern

Steckbrief: Der Polarstern (Polaris)
Eigenschaft Wert
BezeichnungAlpha Ursae Minoris (Polaris)
Scheinbare Helligkeit1,97 mag (variabel, Cepheiden-Veränderlicher)
Entfernungca. 433 Lichtjahre
SpektralklasseF7 Ib (gelber Überriese)
SternsystemDreifachsystem (Polaris A, Ab, B)
SternbildKleiner Bär (Ursa Minor)
Koordinaten (J2000)RA 02h 31m 49s, Dec +89° 15' 51"
Abstand zum Himmelspolca. 0,7 Grad

Warum der Polarstern so wichtig ist

Die besondere Bedeutung des Polarsterns liegt in seiner Position, nicht in seiner Helligkeit. Er steht nur 0,7 Grad vom Himmelsnordpol entfernt. Das bedeutet: Während alle anderen Sterne im Lauf der Nacht Kreisbahnen um den Pol ziehen, bleibt der Polarstern nahezu ortsfest. Er zeigt immer nach Norden.

Für die Seefahrt war das jahrhundertelang die wichtigste Navigationshilfe. Die Höhe des Polarsterns über dem Horizont entspricht ungefähr deinem Breitengrad. In Hamburg (53,5° Nord) steht er 53,5 Grad hoch, in München (48° Nord) nur 48 Grad. Diese Eigenschaft nutzten Seefahrer, um ihre Position auf dem offenen Meer ohne andere Hilfsmittel zu bestimmen.

Der Polarstern war allerdings nicht immer der Nordstern. Die Erdachse taumelt wie ein Kreisel, ein Effekt namens Präzession mit einer Periode von etwa 26.000 Jahren. Vor 5.000 Jahren, als die Pyramiden gebaut wurden, war Thuban im Sternbild Drache der nächste helle Stern am Pol. In etwa 12.000 Jahren wird Wega in der Leier in die Nähe des Himmelspols wandern.

Einnorden mit dem Polarstern

Für Teleskopbesitzer mit parallaktischer Montierung ist der Polarstern ein unverzichtbares Werkzeug. Einnorden bedeutet, die Rektaszensions-Achse der Montierung parallel zur Erdachse auszurichten. Nur dann kann die Montierung die Nachführung mit einer einzigen Achse erledigen, was für Astrofotografie essentiell ist.

Die einfachste Methode: Richte den Polsucher auf den Polarstern. Der Polsucher ist ein kleines Teleskop in der RA-Achse mit einem Fadenkreuz, das die Position des Himmelspols markiert. Weil der Polarstern 0,7 Grad neben dem Pol steht, zeigen gute Polsucher einen kleinen Kreis, auf den du Polaris setzen musst. Nach dieser Grobausrichtung ist die Nachführung für visuelle Beobachtung bereits gut genug.

Für Astrofotografie mit langen Brennweiten muss die Ausrichtung noch präziser sein. Hier hilft das Scheinern: Du beobachtest einen Stern am Himmelsäquator und korrigierst die Drift in Deklination. Softwarelösungen wie SharpCap oder NINA bieten auch computergestützte Polar-Alignment-Routinen, die noch genauer arbeiten als das manuelle Verfahren.

Häufige Fragen

Ist der Polarstern der hellste Stern am Himmel?

Nein, bei weitem nicht. Der Polarstern hat eine scheinbare Helligkeit von 1,97 mag und ist nur der 48.-hellste Stern am Nachthimmel. Sirius im Großen Hund ist mit -1,46 mag mehr als zehnmal heller. Der Polarstern ist wichtig wegen seiner Position, nicht wegen seiner Helligkeit.

Gibt es einen Südstern?

Keinen so guten wie unseren Polarstern. Der südliche Himmelspol hat keinen hellen Stern in unmittelbarer Nähe. Sigma Octantis, der nächste Stern am Süd-Himmelspol, ist mit 5,4 mag so schwach, dass er mit bloßem Auge kaum sichtbar ist. Beobachter auf der Südhalbkugel nutzen stattdessen das Kreuz des Südens.

Warum wandert der Polarstern?

Die Erdachse taumelt wie ein Kreisel mit einer Periode von etwa 26.000 Jahren (Präzession). Dadurch verschiebt sich der Himmelsnordpol langsam. Vor 5.000 Jahren war Thuban im Drachen der Polarstern. Aktuell ist Polaris mit nur 0,7 Grad Abstand zum Pol ein sehr guter Nordstern.

Sehe ich den Polarstern aus der Stadt?

Ja, der Polarstern ist mit 1,97 mag hell genug, um selbst unter starker Lichtverschmutzung sichtbar zu sein. Du siehst ihn aus jeder deutschen Stadt. Die Herausforderung ist eher, ihn unter den wenigen sichtbaren Sternen zu identifizieren.

Was sehe ich, wenn ich den Polarstern durch ein Teleskop betrachte?

Ein Dreifachsternsystem. Polaris A ist der Hauptstern, ein Cepheiden-Veränderlicher. Polaris B steht in 18 Bogensekunden Abstand und ist ab 75mm Öffnung bei ruhiger Luft als separater Stern trennbar. Polaris Ab sitzt nur 0,17 Bogensekunden entfernt und ist visuell nicht trennbar.