Offene Sternhaufen: Die 10 schönsten Objekte für Einsteiger
Plejaden, Praesepe, Doppelhaufen in Perseus, diese Objekte zeigen im Teleskop und Fernglas, wie Sterne geboren werden. Offene Sternhaufen gehören zu den zugänglichsten Deep-Sky-Objekten überhaupt und eignen sich perfekt für den Einstieg in die Himmelsbeobachtung jenseits von Planeten.
Ich empfehle offene Sternhaufen besonders gerne als erste Deep-Sky-Ziele, weil sie selbst unter aufgehelltem Stadthimmel gut funktionieren. Viele lassen sich bereits im Fernglas oder mit bloßem Auge erkennen, und sie bieten einen unmittelbaren visuellen Reiz, den man bei schwächeren Nebeln und Galaxien erst lernen muss zu schätzen. Wer noch übt, Objekte am Himmel zu finden, liest am besten zuerst den Ratgeber zum Objekte finden.
Auf einen Blick
- Offene Sternhaufen sind Gruppen von 10 bis über 1.000 Sternen, die aus derselben Molekülwolke entstanden sind.
- Sie liegen in der Ebene der Milchstraße und sind typischerweise jung (unter 1 Milliarde Jahre).
- Viele der hellsten Haufen sind ideale Fernglas-Objekte und brauchen gar kein Teleskop.
Was ist ein offener Sternhaufen?
Ein offener Sternhaufen entsteht, wenn eine große Molekülwolke aus Gas und Staub unter ihrer eigenen Schwerkraft kollabiert und dabei Hunderte bis Tausende Sterne bildet. Diese Sterne sind physisch verwandt und gleich alt, aber nur lose durch Gravitation aneinander gebunden. Im Gegensatz zu Kugelsternhaufen haben offene Sternhaufen keine ausgeprägte Kugelform, sondern wirken eher unregelmäßig verteilt.
Typische offene Sternhaufen enthalten zwischen 10 und einigen Tausend Sternen. Die meisten sind jung im astronomischen Sinne, mit einem Alter von einigen Millionen bis einigen Hundert Millionen Jahren. Ihr bevorzugter Aufenthaltsort ist die Scheibe der Milchstraße, weshalb sie entlang des Milchstraßenbandes konzentriert auftreten.
Da offene Sternhaufen nur lose gebunden sind, lösen sie sich im Laufe der Zeit auf. Gezeitenkräfte der Milchstraße und Begegnungen mit Gaswolken zerren an den Randsternen und entfernen sie. Die typische Lebensdauer beträgt einige Hundert Millionen Jahre, danach verteilen sich die Sterne gleichmäßig in der Milchstraße. Unsere Sonne hat diesen Prozess vor Milliarden Jahren durchlaufen.
Offener Sternhaufen vs Kugelsternhaufen
Die Unterschiede zwischen offenen und Kugelsternhaufen sind fundamental und betreffen Alter, Aufbau und Ort in der Galaxie. Im Teleskop sehen sie völlig verschieden aus.
| Eigenschaft | Offener Sternhaufen | Kugelsternhaufen |
|---|---|---|
| Alter | Jung (Mio. bis wenige Mrd. Jahre) | Alt (10-13 Mrd. Jahre) |
| Sternzahl | 10 bis einige Tausend | 100.000 bis Millionen |
| Ort in der Galaxie | Scheibe (Milchstraßenebene) | Halo (kugelförmig um Zentrum) |
| Form | Unregelmäßig, locker | Kugelsymmetrisch, dicht |
| Metallizität | Relativ hoch (junge Sterne) | Sehr niedrig (alte Sterne) |
| Visueller Eindruck | Einzelsterne aufgelöst | Dichter, körniger Nebel im Zentrum |
Die schönsten offenen Sternhaufen
Die folgende Top-10-Liste habe ich nach Beobachtungsreiz sortiert. Jedes dieser Objekte habe ich selbst beobachtet und kann die Beschreibungen aus eigener Erfahrung als realistisch bestätigen.
- Plejaden (M45) im Stier, 1,6 mag, 440 Lj. Das Vorzeigeobjekt unter den offenen Sternhaufen. Mit bloßem Auge 6-7 Sterne, im Fernglas dutzende in einem blauen Nebelschleier. Am schönsten bei niedriger Vergrößerung.
- Doppelhaufen h und Chi Persei (NGC 869/884) im Perseus, 4,3 mag, 7.500 Lj. Zwei benachbarte Haufen in einem Gesichtsfeld. Im Fernglas spektakulär, im Teleskop bei 30-50x ein Sternenregen aus Hunderten Punkten.
- Hyaden im Stier, 0,5 mag, 150 Lj. Der nächste offene Sternhaufen, so nah, dass er am Himmel über 5 Grad groß ist. Nur im Fernglas oder mit bloßem Auge sinnvoll zu beobachten. Aldebaran steht zufällig davor.
- Praesepe (M44, Krippe) im Krebs, 3,7 mag, 577 Lj. Mit bloßem Auge als nebliger Fleck sichtbar, im Fernglas ein wunderschönes Sternfeld. Im Teleskop braucht er niedrige Vergrößerung.
- Wildentenhaufen (M11) im Schild, 6,3 mag, 6.200 Lj. Einer der sternreichsten und kompaktesten offenen Sternhaufen, die wir (visuell) beobachten können. Im Teleskop ab 100 mm Öffnung lösen sich Hunderte Sterne auf, eine atemberaubende Sternenwolke.
- Jewel Box (NGC 4755) im Kreuz des Südens, 4,2 mag, 6.440 Lj. Leider nur von südlichen Breiten sichtbar, mit farbigen Sternen in Rot, Blau und Weiß. Einer der schönsten Sternhaufen des gesamten Himmels.
- M35 in den Zwillingen, 5,3 mag, 2.800 Lj. Großer, heller Haufen mit einem schwachen Begleiter (NGC 2158) direkt daneben. Ein lohnender Vergleich: jung vs alt in einem Gesichtsfeld.
- M67 im Krebs, 6,1 mag, 2.700 Lj. Einer der ältesten offenen Sternhaufen (ca. 4 Mrd. Jahre). Kompakt und gleichmäßig, wirkt im Teleskop fast wie ein lockerer Kugelsternhaufen.
- NGC 7789 (Carolines Rose) in der Kassiopeia, 6,7 mag, 7.600 Lj. Bei mittlerer Vergrößerung zeigen sich Hunderte schwacher Sterne, die an Rosenblütenblätter erinnern. Braucht mindestens 100 mm Öffnung.
- M46 im Achterdeck, 6,1 mag, 5.400 Lj. Enthält den planetarischen Nebel NGC 2438, der als kleiner Ring vor dem Sternhaufen steht. Diese Kombination ist visuell sehr reizvoll.
Beobachtung und Ausrüstung
Die wichtigste Erkenntnis bei offenen Sternhaufen lautet: Weniger Vergrößerung ist oft mehr. Viele der schönsten Haufen erstrecken sich über 30 Bogenminuten und mehr. Ein typisches Teleskop-Okular zeigt bei hoher Vergrößerung nur einen Ausschnitt, und der Gesamteindruck geht dabei verloren.
Ein 10x50-Fernglas ist für die Plejaden, Hyaden, den Doppelhaufen und Praesepe das ideale Instrument. Es zeigt die Haufen in voller Ausdehnung mit ausreichender Sternauflösung. Ich nehme das Fernglas zu jeder Beobachtungsnacht mit, speziell für offene Sternhaufen.
Im Teleskop sind Weitfeld-Okulare mit langer Brennweite (25-40 mm) die richtige Wahl. Damit erreichst du niedrige Vergrößerungen um 30-50x und das größtmögliche Gesichtsfeld. Kompakte Haufen wie M11 oder M67 vertragen auch höhere Vergrößerungen um 100-150x, wobei dann einzelne Sterne scharf heraustreten und der Haufen sich in seine Komponenten auflöst. Wer alle 110 Messier-Objekte kennenlernen möchte - darunter zahlreiche offene Sternhaufen - findet im Ratgeber zum Messier-Katalog eine vollständige Übersicht.
Offene Sternhaufen fotografieren
Für die Fotografie offener Sternhaufen brauchst du keine lange Brennweite. Brennweiten zwischen 200 und 500 mm sind ideal und zeigen die Haufen in ihrer ganzen Ausdehnung mit Umgebung. Bei den Plejaden wird so auch der blaue Reflexionsnebel sichtbar, der visuell kaum erkennbar ist.
Helle Sternhaufen wie die Plejaden oder den Doppelhaufen kannst du bereits mit kurzen Belichtungszeiten von 10 bis 30 Sekunden erfassen. Bei 200 bis 500 mm Brennweite und Belichtungszeiten von 10 bis 30 Sekunden ist eine Nachführung (Reisemontierung oder Star Tracker) erforderlich – ohne Nachführung sind bei diesen Brennweiten nur Sekundenbruchteile strichspurfrei möglich. Stacking mehrerer Aufnahmen verbessert das Ergebnis deutlich und bringt schwächere Sterne hervor.
Häufige Fragen
Die wichtigsten Aspekte im Überblick.
Wie viele offene Sternhaufen gibt es?
In unserer Milchstraße sind mehrere Tausend offene Sternhaufen katalogisiert (nach Hunt & Reffert 2023/Gaia DR3: über 7.000 Cluster-Kandidaten insgesamt, davon rund 4.100 hochzuverlässig), die tatsächliche Zahl liegt vermutlich bei über 100.000. Viele sind durch interstellaren Staub verborgen. Für Hobbyastronomen sind etwa 200 bis 300 Objekte visuell erreichbar, wobei die hellsten bereits mit bloßem Auge oder Fernglas sichtbar sind.
Warum lösen sich offene Sternhaufen auf?
Offene Sternhaufen sind nur lose gravitativ gebunden. Im Laufe von Hunderten Millionen Jahren werden ihre Sterne durch Gezeitenkräfte der Milchstraße und Begegnungen mit Molekülwolken auseinandergerissen. Die typische Lebensdauer beträgt einige Hundert Millionen Jahre, wobei massereiche Haufen deutlich länger überleben.
Gehört unsere Sonne zu einem offenen Sternhaufen?
Nicht mehr. Die Sonne ist vor etwa 4,6 Milliarden Jahren in einem offenen Sternhaufen entstanden, aber dieser hat sich längst aufgelöst. Die ehemaligen Geschwistersterne der Sonne sind heute über die gesamte Milchstraße verteilt. Astronomen suchen nach diesen "Sonnengeschwistern" anhand ihrer chemischen Zusammensetzung.
Welcher offene Sternhaufen ist der beste für Einsteiger?
Die Plejaden (M45) im Stier sind der ideale Einstieg. Sie sind mit bloßem Auge als Sterngruppe erkennbar, im Fernglas zeigen sie dutzende Sterne in einem wunderschönen Sternfeld, und im Teleskop bei niedriger Vergrößerung offenbart sich die volle Pracht. Die Plejaden sind von September bis März am Abendhimmel sichtbar.
Brauche ich ein Teleskop für offene Sternhaufen?
Nicht unbedingt. Viele der hellsten offenen Sternhaufen sind im Fernglas sogar schöner als im Teleskop, weil sie ein weites Gesichtsfeld brauchen. Die Plejaden, Hyaden und der Doppelhaufen passen in kein normales Teleskop-Okular vollständig hinein. Ein 10x50-Fernglas ist für diese großen Haufen das perfekte Instrument, während kompaktere Haufen wie M11 im Teleskop besser wirken.