Deep-Sky-Objekte des Caldwell-Katalogs, darunter Nebel und Sternhaufen

Der Caldwell-Katalog: 109 Deep-Sky-Objekte jenseits von Messier

Wer den Messier-Katalog durchbeobachtet hat, steht irgendwann vor der Frage: Was kommt danach? Der Caldwell-Katalog ist die naheliegendste Antwort. Er enthält 109 Objekte, die nicht bei Messier stehen - und er ist kein zweiter Messier-Katalog, sondern eine andere Art von Liste. Manche Caldwell-Objekte sind heller als viele Messier-Objekte, andere sind so schwach, dass sie erst mit einem 300mm-Spiegel wirklich zeigen, was in ihnen steckt.

Ich erkläre dir, was hinter dem Caldwell-Katalog steckt, welche Objekte ich als besonders lohnend empfinde und welches Teleskop du brauchst, um ernsthaft in die Liste einzutauchen. Am Ende gehe ich auf die Caldwell-Challenge ein - das Ziel, alle 109 Objekte selbst zu beobachten - und erkläre, warum das ein realistisches Vorhaben ist.

Auf einen Blick

  • Der Caldwell-Katalog enthält 109 Deep-Sky-Objekte, die nicht im Messier-Katalog stehen - zusammengestellt 1995 von Patrick Caldwell-Moore als gezielte Ergänzung für Fortgeschrittene.
  • Ab 150mm Öffnung werden die meisten Caldwell-Objekte wirklich interessant - einige der besten Objekte wie der Doppel-Cluster C14 sind aber schon mit bloßem Auge erkennbar.
  • Für Beobachter auf der Nordhalbkugel sind 70-80 der 109 Objekte erreichbar - die restlichen 30 liegen zu weit südlich und sind von Deutschland aus nicht zu sehen.

Was ist der Caldwell-Katalog?

Patrick Caldwell-Moore war einer der bekanntesten britischen Popularisatoren der Astronomie - Moderator einer BBC-Sendung über Astronomie für über 50 Jahre, Buchautor und selbst leidenschaftlicher Beobachter. 1995 veröffentlichte er in der Zeitschrift Sky & Telescope eine Liste mit 109 Deep-Sky-Objekten, die seiner Ansicht nach jeder ernsthaft interessierte Hobbyastronom beobachtet haben sollte.

Die 109 Objekte standen alle nicht im Messier-Katalog. Den Katalognamen "Caldwell" wählte Moore, weil sein Nachname mit "M" begann und dieses Kürzel bereits für Messier vergeben war. "C" für Caldwell war noch frei und passte gut.

Die 109 Objekte des Katalogs sind keine homogene Gruppe. Sie umfassen Galaxien, Nebel aller Art (Emissions-, Reflexions- und planetarische Nebel), offene und Kugelsternhaufen sowie einige Sternenwolken und Dunkelwolken.

Was sie eint: Sie sind visuell lohnend zu beobachten und wurden von Messier im 18. Jahrhundert aus verschiedenen Gründen nicht verzeichnet - entweder weil sie von Paris aus nicht sichtbar waren, weil sie zu schwach für Messiers Equipment waren oder weil Messier schlicht andere Prioritäten hatte. Der Caldwell-Katalog füllt diese Lücke und erweitert die Beobachtungsliste deutlich.

Ein wichtiger Unterschied zum Messier-Katalog ist der Südhimmel-Anteil. Messier beobachtete von Paris aus und verzeichnete fast ausschließlich Objekte des Nordhimmels. Caldwell-Moore lebte zwar auch in England, bezog aber bewusst 30 Südhimmel-Objekte ein, die von zentraleuropäischen Standorten nicht erreichbar sind - darunter einige der spektakulärsten Deep-Sky-Objekte des gesamten Himmels wie der Eta-Carinae-Nebel oder der Kugelsternhaufen Omega-Centauri. Wer Urlaub auf der Südhalbkugel macht, hat also plötzlich neue Caldwell-Ziele vor sich.

Die Highlights des Caldwell-Katalogs

Die besten Einstiegsziele im Caldwell-Katalog sind die Objekte, die auch mit kleinen Teleskopen bereits beeindrucken. Wer mit dem Katalog beginnt, sollte mit diesen Objekten starten - sie zeigen, was der Katalog kann, bevor du dich zu den schwächeren Objekten vorarbeitest.

C14, der Doppel-Cluster Perseus (NGC 869 und NGC 884), ist eines der eindrücklichsten Objekte des gesamten Himmels. Zwei dicht benachbarte offene Sternhaufen, die nebeneinander stehen und mit bloßem Auge bereits als heller, diffuser Fleck erkennbar sind. Im Fernglas zeigen sie hunderte Sterne gleichzeitig.

Mit einem 100mm Teleskop und einem Übersichtsokular für 30-40-fache Vergrößerung füllen die beiden Haufen das gesamte Gesichtsfeld und lassen kaum schwarzen Hintergrund übrig. Ich habe dieses Objekt schon Dutzende Male beobachtet und es fesselt mich jedes Mal erneut - C14 gehört zu den besten Deep-Sky-Zielen des Nordhimmels.

C49, der Rosettennebel (NGC 2237), ist ein großflächiger Emissionsnebel im Einhorn, dessen offener Sternhaufen NGC 2244 im Zentrum liegt. Der Nebel selbst ist so groß wie der vierfache Monddurchmesser am Himmel - mit bloßem Auge nicht sichtbar, aber im Teleskop mit einem OIII-Filter gut zu erkennen.

Ohne Filter bleibt er eine sehr schwache Aufhellung, die du erahnst, aber nicht eindeutig siehst. Das zeigt, warum Nebelfilter kein optionales Zubehör sind - mit OIII-Filter verwandelt sich ein Schimmer in klare Struktur.

C39, der Eskimonebel (NGC 2392), ist ein planetarischer Nebel im Zwilling und eines meiner liebsten Caldwell-Objekte für mittlere Teleskope. Bei 150x bis 200x Vergrößerung zeigt er sich als kleines, hellblaues Scheibchen mit einem deutlich helleren Zentralstern und einer erkennbaren äußeren Hülle. Der Spitzname kommt daher, dass die Struktur einem Gesicht in einer Pelzkapuze ähnelt - bei gutem Seeing und einem 200mm Spiegel ist diese doppelte Hülle tatsächlich erkennbar.

C13, der Eulenhaufen (NGC 457), ist ein offener Sternhaufen im Kassiopeia, der durch seine Form auffällt. Zwei helle Sterne bilden die Augen einer Eule, darunter erstreckt sich der Haufen wie ein Vogel mit ausgestreckten Flügeln. Das ist keine reine Einbildung - das Muster ist wirklich prägnant und sofort erkennbar.

Kinder und Einsteiger, die ich an dieses Objekt gebracht habe, haben die Form fast immer spontan erkannt, ohne Hinweis. Das macht den Eulenhaufen zum perfekten Gesprächsobjekt bei Beobachtungsabenden.

C80, Omega-Centauri (NGC 5139), ist der größte und hellste Kugelsternhaufen des gesamten Himmels - von Mitteleuropa aus nicht erreichbar - er bleibt selbst vom südlichsten Bayern aus knapp unter dem Horizont. Eine Beobachtung ist erst ab Südeuropa oder den Kanaren möglich.

Mit 150mm Öffnung zeigt er sich als riesiger, heller Schimmer mit einem helleren Kern, der selbst bei tiefer Horizontstellung noch beeindruckend ist. Wer ihn einmal mit einem 300mm Spiegel im südlichen Europa gesehen hat, versteht, warum er regelmäßig in Deep-Sky-Bestenlisten auftaucht.

Caldwell vs. Messier

Beide Kataloge listen Deep-Sky-Objekte auf, aber mit unterschiedlicher Entstehung, Ausrichtung und Schwierigkeit. Wer beide Kataloge kennt, hat ein deutlich vollständigeres Bild des beobachtbaren Himmels. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.

Vergleich: Caldwell-Katalog vs. Messier-Katalog
Merkmal Messier-Katalog Caldwell-Katalog
Anzahl Objekte 110 109
Entstehungsjahr 1771-1781 1995
Ersteller Charles Messier (Frankreich) Patrick Caldwell-Moore (Großbritannien)
Ursprüngliches Ziel Kometenjäger-Hilfsliste Beobachtungsliste für Hobbyastronomen
Südhimmel-Anteil Sehr gering (wenige Objekte unter -30 Grad) Ca. 30 Objekte unter -30 Grad Deklination
Helligkeit der Objekte Hauptsächlich über 9. Magnitude 3. bis 14. Magnitude - breite Streuung
Schwierigkeit für Einsteiger Gut geeignet, viele helle Objekte Fortgeschrittene, einige sehr schwache Objekte
Verbreitung in Apps In allen Planetariums-Apps In den meisten modernen Apps enthalten

Der wichtigste praktische Unterschied liegt in der Schwierigkeit. Im Messier-Katalog sind fast alle Objekte mit einem 70-80mm Gerät von einem Vorortstandort aus erreichbar. Im Caldwell-Katalog gibt es eine handvoll Objekte, die selbst mit einem 300mm Spiegel an dunklem Standort noch herausfordernd sind. Das macht den Caldwell-Katalog zu einem Programm, das mit dem Messier-Katalog beginnt und dann deutlich ambitioniertere Ziele aufmacht.

Welches Teleskop für den Caldwell-Katalog?

Die hellsten Caldwell-Objekte - C14 (Doppel-Cluster), C41 (Hyaden) und C28 (NGC 752) - sind mit bloßem Auge oder im Fernglas erkennbar. Für diese Objekte braucht kein Teleskop. Mit einem 80mm Refraktor oder einem 114mm Newton hast du Zugang zu etwa 40-50 Caldwell-Objekten. Das reicht für einen anständigen Einstieg in den Katalog - aber viele Objekte zeigen bei dieser Öffnung nur einen schwachen Schimmer ohne erkennbare Struktur.

Ab 150mm Öffnung wird der Caldwell-Katalog wirklich interessant. Planetarische Nebel zeigen nun Scheibchen statt Punkte, Galaxien haben sichtbare Kerne, und Kugelsternhaufen beginnen sich in einzelne Sterne aufzulösen. Ein 150mm Newton oder ein 150mm Dobson ist die Öffnung, ab der sich ein systematisches Durcharbeiten des Katalogs lohnt. 70-75 Caldwell-Objekte werden bei dieser Öffnung und einem mittelguten Standort erreichbar - das sind rund zwei Drittel der Gesamtliste.

Ein dunkler Himmel ersetzt Öffnung. Wer mit einem 200mm Dobson von einem wirklich dunklen Standort aus beobachtet, sieht mehr als jemand mit einem 300mm Spiegel in einem Vorortgarten unter Bortle 6. Die dunkelsten Caldwell-Objekte - einige Galaxien unter 12. Magnitude und schwache Emissionsnebel - brauchen sowohl Öffnung als auch einen guten Himmel.

Wie du einen geeigneten Beobachtungsstandort findest und was Lichtverschmutzung konkret bedeutet, erkläre ich im Ratgeber zur Lichtverschmutzung. Für einen tiefen Einstieg in die Welt der Deep-Sky-Beobachtung gibt es außerdem den Ratgeber zur Deep-Sky-Beobachtung allgemein, der Grundlagen und Methoden für Einsteiger erklärt.

Caldwell-Challenge

Die Caldwell-Challenge ist das Ziel, alle erreichbaren Caldwell-Objekte mit eigenen Augen am Teleskop zu beobachten. Für Beobachter in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind 70-80 der 109 Objekte erreichbar - je nach Standort und Horizontfreiheit im Süden. Die 30 Südhimmelobjekte bleiben einer anderen Beobachtungsreise vorbehalten. Das Ziel ist trotzdem sportlich genug, um es ernsthaft in Angriff zu nehmen.

Das Herzstück der Challenge ist das Beobachtungsbuch. Notiere für jedes Objekt Datum, Uhrzeit, Standort, verwendetes Teleskop und Okular, Himmelsqualität in Bortle und deine Beobachtungsbeschreibung. Eine kurze Zeichnung der erkannten Strukturen ist wertvoller als ein langer Text - sie zwingt dich, genau hinzusehen und zeigt dir über Monate, wie deine Beobachtungsfähigkeit wächst. Ich führe mein Caldwell-Buch seit drei Jahren und habe 67 Objekte geloggt - jeder Eintrag ist für mich eine eigene kleine Geschichte.

Die praktische Planung einer Caldwell-Session beginnt mit der Auswahl von Objekten, die aktuell gut stehen. Nutze Stellarium oder SkySafari, um zu sehen, welche Caldwell-Objekte in der nächsten klaren Nacht hoch am Himmel stehen und aufgesucht werden können. GoTo-Montierungen haben den Caldwell-Katalog meist in der Datenbank und fahren die Objekte automatisch an.

Ohne GoTo ist Star-Hopping die klassische Methode - von einem bekannten Stern zum Zielobjekt springen, anhand von Sternkarten. Die Technik des Star-Hopping erkläre ich im Ratgeber zum Aufsuchen von Himmelsobjekten mit konkreten Hüpf-Routen für Einsteiger.

Wer nach der Caldwell-Challenge nach dem nächsten Ziel sucht, findet im Herschel-400-Katalog 400 weitere Deep-Sky-Objekte - die meisten deutlich schwächer als alles, was Messier oder Caldwell enthält. Das ist dann wirklich der Übergang in die Fortgeschrittenenklasse. Für Nebel und Galaxien als Einzelthemen gibt es außerdem die vertiefenden Ratgeber zur Nebelbeobachtung und zur Galaxienbeobachtung, die du parallel zum Caldwell-Katalog lesen kannst.

Häufige Fragen zum Caldwell-Katalog

Hier findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Caldwell-Katalog und seine Objekte.

Was ist der Caldwell-Katalog?

Der Caldwell-Katalog ist eine Liste von 109 Deep-Sky-Objekten, die nicht im Messier-Katalog stehen. Patrick Caldwell-Moore stellte ihn 1995 zusammen, um Hobbyastronomen eine systematische Ergänzung zu Messier zu geben. Der Name "Caldwell" kommt von Moores bürgerlichem Nachnamen - "M" war bereits für Messier vergeben. Mehr dazu im Abschnitt "Was ist der Caldwell-Katalog?".

Welche Caldwell-Objekte kann ich mit einem kleinen Teleskop beobachten?

Mit einem 80-100mm Teleskop sind 30-40 Caldwell-Objekte erreichbar. Die besten Einstiegsziele sind C14 (Doppel-Cluster), C49 (Rosettennebel mit Filter), C39 (Eskimonebel) und C13 (Eulenhaufen). Diese Objekte sind auch bei mittlerer Lichtverschmutzung noch erkennbar. Den vollständigen Überblick nach Öffnungsgrößen gibt es im Abschnitt "Welches Teleskop für den Caldwell-Katalog?".

Wie unterscheidet sich der Caldwell-Katalog vom Messier-Katalog?

Der Messier-Katalog entstand im 18. Jahrhundert als Kometenjäger-Hilfsliste mit fast ausschließlich Nordhimmel-Objekten. Der Caldwell-Katalog ergänzt ihn mit 109 weiteren Objekten und enthält auch 30 Südhimmel-Ziele. Caldwell-Objekte streuen breiter in der Schwierigkeit - von leicht bis anspruchsvoll. Den Vergleich zeigt die Tabelle im Abschnitt "Caldwell vs. Messier".

Was ist die Caldwell-Challenge?

Die Caldwell-Challenge ist das Ziel, alle erreichbaren Caldwell-Objekte selbst zu beobachten und in einem Beobachtungsbuch zu dokumentieren. Von Deutschland aus sind 70-80 Objekte erreichbar. Die Challenge fördert systematisches Beobachten und das Führen eines Beobachtungsprotokolls. Alle Details stehen im Abschnitt "Caldwell-Challenge". Das Beobachtungsbuch macht den Fortschritt sichtbar.

Ab welchem Teleskop ist der Caldwell-Katalog sinnvoll?

Ab 80mm Öffnung für die hellsten Objekte, ab 150mm für einen sinnvollen Einstieg in den Katalog. Für die schwächsten Objekte braucht es 250mm oder mehr und einen dunklen Standort. Die Empfehlungen nach Öffnungsgrößen findest du im Abschnitt "Welches Teleskop für den Caldwell-Katalog?". Ein dunkler Himmel ersetzt dabei einen Teil der Öffnung.

Wie finde ich Caldwell-Objekte am Himmel?

Stellarium und SkySafari zeigen den Caldwell-Katalog direkt an. GoTo-Montierungen haben die Objekte in ihrer Datenbank. Ohne GoTo nutzt du Star-Hopping mit einer detaillierten Sternkarte. Wie du Objekte systematisch aufsuchen lernst, erkläre ich im Ratgeber zum Aufsuchen von Himmelsobjekten. Stellarium im Nachtmodus reicht.