Verschiedene Teleskope unterschiedlicher Preisklassen nebeneinander aufgereiht

Günstige Teleskope: Welche sich lohnen und wo du sparst

Ein gutes Teleskop muss nicht 1.000 Euro kosten. Aber es darf auch nicht 49 Euro kosten, denn dann bekommst du ein Spielzeug, das dich nach einer Nacht frustriert. Dazwischen liegt ein weites Feld, und die richtige Wahl spart Frust.

Ich zeige dir in diesem Preisvergleich, was du in jeder Budgetstufe realistisch erwarten kannst, wo du sinnvoll sparst und wo Sparen am falschen Ende ist. Am Ende gehe ich auch auf die Gebraucht-Option ein, die viele übersehen.

Auf einen Blick

  • Unter 100 Euro ist ein gutes Fernglas die bessere Investition als ein Billig-Teleskop.
  • Der Sweet Spot liegt bei 200 bis 400 Euro, hier bekommst du echte Astronomie.
  • Spare nie bei der Öffnung, denn die bestimmt, was du siehst. Bei der Montierung und beim Zubehör lässt sich sinnvoll sparen.

Die besten günstigen Teleskope

Unsere Empfehlungen werden aktuell vorbereitet.

Was kostet ein brauchbares Teleskop?

Ab circa 130 Euro gibt es erste Teleskope, die den Namen verdienen. Damit meine ich: Eine Optik aus Glas statt Plastik, ein Stativ, das nicht bei jeder Berührung minutenlang wackelt, und eine Öffnung, die wirklich etwas zeigt.

Der wirkliche Einstieg in die Astronomie beginnt bei 200 Euro. In dieser Preisklasse gibt es Tischdobsons mit 130mm Öffnung, die Jupiter, Saturn und erste Deep-Sky-Objekte zeigen. Wer 300 bis 400 Euro investiert, bekommt einen vollwertigen 150mm-Dobson, der jahrelang Freude macht. Das ist der Bereich, den ich als Sweet Spot bezeichne, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis hier am besten ist.

Über 500 Euro wird es spezifischer. Dann zahlst du für Komfort, Automatisierung oder Spezialisierung. GoTo-Teleskope, die automatisch Objekte anfahren, kosten ab 400 Euro und sind bequemer, aber du bekommst für dasselbe Budget bei einem Dobson mehr Öffnung. Für Einsteiger rate ich: zuerst mehr Öffnung, dann später Komfort nachrüsten. Wer die Grundlagen beherrscht, weiß dann auch besser, was er wirklich braucht.

Preis-Leistungs-Vergleich nach Preisstufe

Die folgende Übersicht zeigt dir auf einen Blick, was jede Preisstufe bietet.

Teleskope nach Preisstufe: Typ, Öffnung und Möglichkeiten
Preisstufe Teleskop-Typ Öffnung Was möglich ist
Bis 100 Euro Fernglas oder Mini-Refraktor 50-60mm Mond, hellste Sternhaufen
100 bis 200 Euro Tischdobson, kleiner Refraktor 70-130mm Mond, Planeten mit ersten Details
200 bis 300 Euro Dobson 150mm, Refraktor 90mm 90-150mm Planeten detailliert, Deep-Sky-Einstieg
300 bis 500 Euro Dobson 200mm, Newton EQ, GoTo-Einstieg 130-200mm Viele Deep-Sky-Objekte, Astrofotografie-Einstieg

Bis 100 Euro

In dieser Preisklasse rate ich vom Teleskopkauf ab. Die verfügbaren Geräte haben 50 bis 60mm Öffnung, wackelige Stative und Okulare, die kaum brauchbare Bilder liefern. Ein gutes 10x50-Fernglas für 60 bis 80 Euro zeigt dir den Mond mit Kratern, die Milchstraße in Einzelsterne aufgelöst und die Plejaden als funkelnden Sternhaufen. Alle Details findest du unter Teleskope bis 100 Euro.

100 bis 200 Euro

Hier wird es interessant. Der Skywatcher Heritage 130P ist die Standardempfehlung in dieser Preisklasse: 130mm Öffnung in einem kompakten Tischdobson für unter 200 Euro. Kein Refraktor in dieser Preisstufe bietet auch nur annähernd diese Lichtsammelleistung. Jupiter zeigt Wolkenbänder, Saturn seinen Ring, und der Orionnebel wird als nebliger Fleck sichtbar. Mehr dazu unter Teleskope bis 200 Euro.

200 bis 300 Euro

Der Sprung von 130mm auf 150mm Öffnung ist qualitativ größer als erwartet. Kugelsternhaufen werden in Einzelsterne aufgelöst, der Orionnebel zeigt erstmals Struktur, und an Planeten erscheinen feinere Details. Ein 150mm-Dobson für circa 300 Euro ist meine meistgenannte Empfehlung für Einsteiger, die nicht zweimal kaufen wollen. Details findest du unter Teleskope bis 300 Euro.

300 bis 500 Euro

Ab 300 Euro öffnet sich die Tür zu 200mm-Dobsons, Newton-Teleskopen auf EQ-Montierungen und ersten GoTo-Geräten. Mit 200mm Öffnung erreichst du hunderte Deep-Sky-Objekte, und an Planeten zeigen sich feinste Details bei gutem Seeing. GoTo-Teleskope in dieser Preisklasse haben zwar weniger Öffnung, dafür findest du Objekte auf Knopfdruck. Mehr unter Teleskope bis 500 Euro.

Wo kannst du sparen, und wo nicht?

Beim Teleskopkauf gibt es Bereiche, in denen Sparen sinnvoll ist, und Bereiche, in denen es dich Beobachtungsqualität kostet.

Spare nie bei der Öffnung. Die Öffnung bestimmt, wie viel Licht dein Teleskop sammelt und damit, was du siehst. Ein 130mm-Teleskop für 200 Euro zeigt dir mehr als ein 70mm-Teleskop für denselben Preis auf einer schicken Montierung.

Bei der Montierung lässt sich sinnvoll sparen. Eine einfache Dobson-Rockerbox kostet einen Bruchteil einer parallaktischen Montierung und ist für visuelle Beobachtung mehr als ausreichend. Parallaktisch wird erst wichtig, wenn Astrofotografie dein Ziel ist. Mehr zu motorischer Nachführung erkläre ich separat.

Beim Zubehör kannst du fast immer sparen, indem du mit den mitgelieferten Okularen startest und erst später gezielt nachrüstest. Ein Mondfilter für 15 Euro ist die einzige sofort sinnvolle Ergänzung, alles andere kann warten. Wer mehr Okulare braucht, findet gute Empfehlungen im Okular-Ratgeber.

Was häufig unterschätzt wird: die Beobachtungsbedingungen. Ein 200mm-Teleskop unter einem hellen Stadtlichthimmel zeigt weniger als ein 130mm-Teleskop auf dem dunklen Land. Der Standort kostet nichts, aber er macht einen enormen Unterschied. Schon 20 Minuten Fahrt aus der Stadt heraus lohnen sich.

Worauf du beim Kauf achten solltest

Neben dem Preis und der Öffnung gibt es einige Kriterien, die viele Einsteiger unterschätzen. Die Montierung ist genauso wichtig wie die Optik, denn ein wackeliges Stativ ruiniert das Erlebnis auch bei guter Optik.

Achte beim Kauf auf folgende Punkte: Die Stativbeine sollten aus Metall sein, nicht aus Plastik. Die Montierungsklemmungen müssen festsitzen und dürfen nicht nach unten abrutschen. Das Tubusgewicht muss zur Tragkraft der Montierung passen. Und das Okularsystem sollte 1,25 Zoll Standard haben, damit du es später mit gutem Zubehör ergänzen kannst.

Finger weg von Teleskopen, die mit riesigen Vergrößerungszahlen werben. "600-fache Vergrößerung" auf einem 60mm-Teleskop bedeutet nichts als ein dunkles, unscharfes Bild. Die sinnvoll nutzbare Maximalvergrößerung liegt bei etwa dem Zweifachen des Öffnungsdurchmessers in Millimetern. Bei 130mm also maximal 260x, praktisch meist viel weniger.

Teleskopbauarten im Überblick

Für günstige Teleskope kommen vor allem drei Bauarten in Frage, und jede hat ihren Charakter. Was du beobachten willst, bestimmt die richtige Bauart.

Dobson: das beste Preis-Leistungs-Verhältnis

Ein Dobson ist ein Spiegelteleskop auf einer einfachen Rockerbox-Montierung. Diese Bauart macht es möglich, für 200 bis 300 Euro bereits 130 bis 150mm Öffnung zu bekommen. Die Bedienung ist intuitiv: Du schwenkst den Tubus von Hand in die richtige Richtung. Der Dobson zeigt keine Objekte auf Knopfdruck, aber er zeigt mehr davon als jede andere Bauart für dasselbe Geld. Wer Planeten und erste Deep-Sky-Objekte sehen will, fährt mit einem Tischdobson ideal. Mehr zur Bauart findest du in meinem Dobson-Ratgeber.

Refraktor: der Klassiker

Refraktoren sind Linsenteleskope, lange Rohre mit einer Linse vorne. Günstige Refraktoren haben meist 70 bis 90mm Öffnung. Das klingt klein, reicht aber für Mond und Planeten. Der Vorteil: keine Justage nötig, solide Konstruktion, das Bild ist oft scharf und kontrastreich. Der Nachteil: Für dasselbe Geld bekommst du beim Dobson mehr Öffnung. Refraktoren empfehle ich für Einsteiger, die viel Wert auf Einfachheit und Mobilität legen.

Newton: der Allrounder

Ein Newton auf EQ-Montierung ist der typische Einsteiger-Allrounder. Du bekommst für 300 bis 500 Euro ein 130mm- oder 150mm-Spiegelteleskop mit Äquatorialmontierung. Der Vorteil gegenüber dem Dobson: Mit einer motorischen Nachführung lässt sich der Newton auch für erste Astrofotografie nutzen. Der Nachteil: Du musst die Optik gelegentlich justieren. Mehr dazu erkläre ich im Newton-Ratgeber.

Gebraucht kaufen als Alternative

Gebrauchte Teleskope sind eine der besten Möglichkeiten, viel Teleskop für wenig Geld zu bekommen. In Astroforen wie astronomie.de und auf dem Astrotreff findest du top Gebrauchtangebote, oft für die Hälfte des Neupreises. Der Grund: Viele Hobby-Astronomen rüsten auf und verkaufen ihr bisheriges Equipment in gutem Zustand.

Worauf du beim Gebrauchtkauf achten musst, ob Spiegel, Linsen oder Montierung, erkläre ich ausführlich im Ratgeber zum Gebrauchtkauf. Dort findest du auch Tipps zu Preisverhandlung und den besten Plattformen.

Besonders lohnend ist der Gebrauchtkauf bei Newton-Teleskopen und Dobsons. Diese Bauarten haben keine empfindlichen Linsen und keine Elektronik, die ausfallen könnte. Spiegel können gereinigt werden, und die Mechanik lässt sich überprüfen. Ein gebrauchter 200mm-Dobson für 150 bis 200 Euro schlägt ein neues 130mm-Teleskop für 200 Euro in jeder Hinsicht.

Häufige Fragen

Diese Fragen bekomme ich am häufigsten, wenn es um günstige Teleskope und ihre Grenzen geht.

Gibt es ein gutes Teleskop unter 100 Euro?

Kurze Antwort: Unter 100 Euro ist ein gutes Fernglas die bessere Investition. Teleskope in dieser Preisklasse haben so kleine Öffnungen und wackelige Stative, dass der Frust vorprogrammiert ist. Ab 130 Euro gibt es erste brauchbare Einsteigergeräte. Was du konkret in jeder Preisklasse bekommst, zeige ich im Abschnitt Preis-Leistungs-Vergleich nach Preisstufe.

Welches günstige Teleskop zeigt am meisten?

Der Skywatcher Heritage 130P für unter 200 Euro bietet 130mm Öffnung in einem kompakten Tischdobson. Damit siehst du Jupiters Wolkenbänder, Saturns Ring und erste Deep-Sky-Objekte. Kein anderer Teleskoptyp liefert in dieser Preisklasse so viel Öffnung. Mehr Details dazu findest du im Abschnitt 100 bis 200 Euro.

Lohnt sich ein Teleskop von Amazon?

Auf Amazon gibt es einige brauchbare Teleskope bekannter Marken, aber auch sehr viel Schrott mit übertriebenen Vergrößerungsversprechen. Wenn du genau weißt, welches Modell du willst, kannst du dort kaufen. Für die Beratung und Auswahl empfehle ich den Fachhandel. Welche Marken sich lohnen, erkläre ich im Abschnitt Preis-Leistungs-Vergleich nach Preisstufe.

Wo liegt der Sweet Spot beim Teleskopkauf?

Zwischen 200 und 400 Euro bekommst du Teleskope, die echte Astronomie ermöglichen. Ein 150mm-Dobson für circa 300 Euro ist der klassische Sweet Spot: genug Öffnung für alles, stabile Montierung, einfache Bedienung. Erfahre mehr dazu im Abschnitt Wo kannst du sparen, und wo nicht?.