Testbericht ICS ATD 10" Dobson


29. Juni 2000 

ICS ATD 10" Dobson, Öffnungsverhältnis f/5.1, 1279mm Brennweite, Premium-Spiegel, Strehl 0.93, NGF-1 Okularauszug

Nun ist es soweit. Nach 2 Monaten ausgiebigen Tests traue ich mich jetzt einen äußerst positiven Bericht abzugeben. Um es kurz zu fassen, das Warten hat sich gelohnt, auch wenn es mir wie eine Ewigkeit vorkam. Nun ja, 26 Monate, da kann eine Frau schon 2 Kinder austragen.


Also, nach 3 Wochen Sauwetter und einer klarer Vollmondwoche habe ich das Ding in mein Auto gepackt und bin auf die Schwäbische Alb bei Seissen, ja der Name stimmt schon, in der Nähe von Merklingen, gefahren. Dort ist die Nacht noch einigermaßen dunkel. Nach einer halben Stunde Auskühlzeit ging ich dann auf das erste Objekt, ja richtig : First Light, M13 los. Ich habe ja schon durch einige Teleskope geblickt, angefangen vom Tschibo-Refraktor über den Astro-Scan, einen Pentax 75 SDHF, einen Starfire EDF-Refraktor, das legendäre C8, bis hin zum NGT 18 C. Aber eine so gute Auflösung von M13 ist mir selbst beim NGT 18 C nicht in Erinnerung. Die Premium-Beschichtung des Spiegels hat sich schon gelohnt. M13 ist bis ins Zentrum hin vollkommen aufgelöst, und das schon bei ca. 40 facher Vergrößerung mit dem TeleVue Panoptic 35mm. Bei dem 15 mm Panoptic füllt M13 ca. 60% des FOV aus. Wunderschön aufgelöst, nichts ist unscharf oder verschwommen. Es sind auch keine Schwänze an den Sternen zu erkennen, die Justierung stimmt also auch. Aber die habe ich ja selbst noch mal nachjustiert ;-). Jetzt muß ich aber härtere Tests auffahren : Doppelsterne. In irgendeiner Sky & Telescope war einmal ein Bericht über Doppelsterne veröffentlicht worden. Die meisten liegen im Drachen, also jetzt fast genau im Zenit. Ich konnte ungelogen alle Sterne auflösen, selbst die unter 0,7 Bogensekunde. Benutzt habe ich dazu ein 6mm und 3mm TeleVue Radian. Mit dem 6mm (ca. 200x) ist sogar der Stern noch scharf, beim 3mm (ca. 400x) läßt's allerdings schwer nach. Bemerkenswert ist noch, daß beim unscharf-stellen die Sterne wunderschöne Beugungsringe zeigen, absolut konzentrisch. In dieser Nacht habe ich dann noch einige weiter Sternhaufen beobachtet : M92, M3, M6, sogar M11 und M4 bleiben nicht von mir verschont.

Einige Tage später, gleicher Beobachtungsort, bin ich auf Galaxien und planetarische Nebel losgegangen. Ausgerüstet mit einem OIII-Filter und einem UHC-Filter wagte ich mich dann auf so Objekte wie NGC7000, Netzwerknebel, Cirrusnebel. Alle waren in ATD schon ohne Filter ansatzweise zu erkennen. Mit dem UHC bzw. OIII-Filter wunderschön zu beobachten. Strukturen ohne Ende, und groß sind die Dinger. Mehr als ein 35mm Panoptik braucht man nicht. Ich bin am Überlegen, ob ich mit das 31mm Nagler 5 zulegen soll. Bei den kleineren planetarischen Nebel, M27 und M57 ist allerdings etwas mehr Vergrößerung nötig. Ein 15mm Panoptic oder 6mm Radian und man kann im M57 sogar den zentralen Stern mit indirektem Sehen erblicken. Beim Filter habe ich den OIII bevorzugt, der hat einfach besseren Kontrast. Und dann, M81 und M82 und selbst UGC5247 (14,1 Mag), alle 3 Galaxien im FOV mit dem 35mm Panoptic, mit dem 15mm Panoptik kann man sogar Staubstrukturen im M82 erkennen. Bei genaueren Hinsehen ist mir sogar noch neben M81 die nur 2,5 Bogensekunde große, 14,8 Mag helle Galaxie Holmberg IX aufgefallen. Nun, ich denke 15 Mag mit 10" sind doch ziemlich gut, oder ?   Wohlbemerkt, bei nur 85-facher Vergrößerung.

Zu der Stabilität kann ich auch nur eines sagen. Sie ist Martin Birkmeier absolut gelungen. das Ding steht bombenfest in der Rockerbox ohne beim Nachführen irgendwie zu klemmen oder zu haken. Absolut leichtgänig ohne zu ruckeln, das manuelle Nachführen macht direkt Spaß. Einen Wermutstropfen muß ich allerdings loswerden. Die 4 Teflonplättchen, auf dem der Tubus rutscht, sind nicht besonders fest. Das erste habe ich schon beim Aufstellen, und das Zweite beim Einpacken verloren. Glücklicherweise lagen sie im Auto. Ich habe sie dann kurzerhand mit einem kleinen Loch durchbohrt und mit einem kleinen Stift angenagelt. Ich hoffe Martin verzeiht mir. Wenn man dann die großen Alu-Dec-Räder mit Bohnerwachs einreibs, flutscht richtig leicht, ohne abzutauchen.

Vorgestern habe ich mit den neuen Kometen Linear S4 vorgenommen. Das Ding steht noch tief im Nordosten, ca. 10° über dem Horizont im Perseus. Viel Zeit hat man dazu allerdings nicht, denn es dämmert dann schon langsam. Whow, einen Anblick, der mich an Hale-Bopp erinnert. Zwar nicht so groß und so hell, sein Aussehen ähnelt Hale-Bopp aber sehr. Bereits jetzt bei 8 Mag zeigt er eine gute Koma und einen kleinen Staubschweif. Allerdings behindert die beginnende Dämmerung das Seeing. M31, kann man nur noch als schwaches Nebelfleckchen im Fernrohr ausmachen. Genau der richtige Zeitpunkt, um die aufgehenden Planeten Jupiter und Saturn zu besuchen. Tief am Horizont, in wabernder Luft, sind sie mit 400-facher Vergrößerung eindeutig zu erkennen. Sogar die Jupitermonde, und ich glaube auch den Saturnmond Titan, zu erkennen. Na ja, scharfstellen bei derart höher Vergrößerung in Horizontnähe in wabernder Luft ist allerdings ein Problem. Ich denke daß ich es in 1 oder 2 Monaten noch einmal versuchen sollte. Ich bin ganz gespannt, wie sich das ATD bei den Planeten verhält.


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